Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Libanesische Großfamilie schlägt in Café unvermittelt auf Gäste ein – dieser Fakt schockiert besonders

Foto: dpa/Symbolbild

Gelsenkirchen. In Gelsenkirchen haben mehrere Mitglieder einer libanesischen Großfamilie in einem Café auf Gäste eingeschlagen. Wie die Polizei berichtet, betraten fünf Männer am Abend des 23. Novembers gegen 23.30 Uhr ein Café in Wiehagen in der Neustadt. Dort prügelten sie ohne Warnung auf mehrere Besucher des Cafés ein. Einige Gäste wurden auch mit einem Messer bedroht.

Wie die Polizei jetzt berichtet, wurden seit dem Angriff vier Verdächtige identifiziert, die allesamt Teil einer libanesischen Großfamilie sind. Aus ermittlungstaktischen Gründen wurde erst jetzt über diesen Vorfall berichtet.

Libanesen-Clan in Gelsenkirchen: Mitglieder schlagen auf Café-Gäste ein

Zum Hintergrund des Angriffs machte die Polizei zunächst keine Angaben. Doch ein Fakt schockiert besonders. Die Opfer sind laut Polizei nicht Mitglied einer libanesischen Großfamilie. Sie konnten den Angriff gegenüber der Polizei nicht erklären. „Die Motivlage ist aktuell völlig unklar“, so ein Sprecher der Polizei Gelsenkirchen gegenüber DER WESTEN.

Damit ist eine neue Stufe der Gewalt erreicht. Zwar sorgten libanesiche Clans immer für heftige Gewaltausbrüche - doch bisher trugen sie ihre Streitigkeiten eigentlich nur untereinander aus. Unbeteiligte konnte sich bisher sicher fühlen.

Polizei durchsuchte Wohnungen von Verdächtigen

Denn die Staatsanwaltschaft erwirkte einen Durchsuchungsbeschluss, weswegen am Donnerstagmorgen die Wohnungen der Verdächtigen von der Polizei durchsucht wurde.

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Die Verdächtigen wurden dort angetroffen und von der Polizei vernommen. Einer der Männer leistete so heftigen Widerstand, dass er direkt festgenommen wurde.

17-jähriges Clanmitglied wehrt sich heftig bei Wohnungsdurchsuchung

Auch ein 17-Jähriger, ebenfalls Mitglied der libanesischen Großfamilie, wurde festgenommen, weil aus einem anderen Verfahren bereits ein Haftbefehl gegen ihn vorlag. Die Polizei erwischte ihn zufällig in einer der Wohnungen. Bei der Durchsuchung habe er sich heftig gewehrt, heißt es bei der Polizei

Drei Wochen nach dem brutalen Angriff auf das Café liegt die Straße Wiehagen ruhig da. Junge Familien schieben Kinderwagen vor sich her, in einem Friseur-Salon witzeln Jugendliche, die Kiosk-Betreiberin gegenüber einer Shishabar schaut eine Serie. Sie weiß von nichts. „Komisch, ein Angriff dieser Größenordnung? Nicht mal meine Stammkunden haben getratscht“, berichtet sie.

Die Shishabar ist am Nachmittag verlassen, kein Licht, keine Menschenseele. Ob hier der Angriff passiert ist, ist unbekannt, die Polizei hält sich bedeckt. Auch weitere Anwohner wissen nichts von der Schlägerei, offenbar hat wirklich niemand etwas mitbekommen.

Libanesen-Clans in Essen: Seit Jahren Probleme mit kriminellen Mitgliedern

Seit Jahren haben Städte im Ruhrgebiet mit kriminellen Familien-Clans zu kämpfen. Neben Berlin gehört das Revier zu den Zentren der Clam-Kriminalität. Schon seit geraumer Zeit verfolgen die Behörden eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber kriminellen Mitgliedern von libanesischen Clans. „Wir werden nicht nachlassen und alle verfügbaren Kräfte in den Einsatz bringen, Null-Toleranz für Straftäter“, hatte Essens Polizeipräsident Frank Richter nach einer Razzia im Juni gesagt.

Die Razzien seien nötig, weil es laut Polizei „immer wieder zu gewaltbereiten Auseinandersetzungen zwischen Familienclans mit libanesisch-arabischen Hintergrund und den Sicherheitsbehörden kommt“, so die Beamten.

Razzia in Essen: Polizei verfolgt „Null-Toleranz“-Strategie

Das Sicherheitsgefühl der Essener sei nachhaltig geschädigt worden, hieß es in einer Mitteilung. Dagegen will die Polizei mit ihrer „Null Toleranz“-Strategie nun offenbar vorgehen. Seit April dieses Jahres würden verstärkt Kontrollen in der Essener Innenstadt stattfinden.

„Unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten gehen wir gemeinsam mit den Finanz-, Ordnungs- und Sicherheitsbehörden gegen kriminelle Machenschaften vor. Mit den Kontrollmaßnahmen stärken wir die polizeiliche Präsenz und setzen Zeichen in der Nördlichen Innenstadt und in Altendorf“, erklärte Essens Polizeipräsident Frank Richter.

Zuletzt sorgte eine Hochzeit in Mülheim unter Beteiligung libanesischer Großfamilien im Revier für Aufregung. Sogar Mahmoud Al-Zein, der sogenannten "Pate von Berlin", zählte zu den Gästen. Und das sogar in herausragender Position: Er war der Brautvater.

Seit Jahren haben Städte im Ruhrgebiet mit kriminellen Familien-Clans zu kämpfen. Zuletzt hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vor einem neuen Phänomen in der Clan-Kriminalität gewarnt.

Demnach erschließen sich kriminelle Mitglieder libanesischer Großfamilien neue Märkte. (fel/pen/ak)

 
 

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