„Dunja Hayali“ im ZDF: Feuerwehrmann aus Duisburg mahnt: „Da will man Menschenleben retten und wird selbst zum Opfer“

Feuerwehrmann Valentino Tagliafierro wurde bei einem Einsatz von hinten angegriffen. Bei Dunja Hayali spricht er darüber.
Feuerwehrmann Valentino Tagliafierro wurde bei einem Einsatz von hinten angegriffen. Bei Dunja Hayali spricht er darüber.
Foto: ZDF Screenshot

Den 7. Juli 2017 werden viele Polizisten in Hamburg sicher nicht so leicht vergessen können. Beim G20-Gipfel wurden zahlreiche Beamte körperlich angegriffen und verletzt. Bei „Dunja Hayali“ im ZDF wurden Angriffe auf Einsatzkräfte in der Sendung vom 1. Mai passend zum „Tag der Arbeit“ unter dem Motto „Helfer in Not“ thematisiert.

Molotowcocktails auf Polizisten, Steinwürfe, Handgreiflichkeiten, Ausraster - Im Mittelpunkt des ersten Teils der Talkshow standen Übergriffe und Behinderungen von Rettungskräften. Die Moderatorin Dunja Hayali hat dafür einen Tag bei der Feuerwehr in Hamburg am Berliner Tor verbracht. Brandmeister Philipp Ahlers (27) erzählt von seinen Begegnungen.

Dunja Hayali im ZDF: Duisburger Feuerwehrmann erzählt von Erfahrungen mit Angriffen auf Einsatzkräfte

Überwiegend stellten sich Betrunkene quer, meint er. Aber auch wenn ein Einsatzwagen den Weg zur Arbeit blockiere, können Autofahrer ganz schön aus der Haut fahren. „Bei vielen stößt man auf wenig Verständnis“, macht er deutlich. Auch Katja Sorgen, Polizistin aus Rheinland-Pfalz und im ZDF-Studio von Dunja Hayali zu Gast: „Jeder hat heutzutage das Handy dabei und zückt es ohne Nachzudenken. Und versperrt dabei den Weg.“

Die Statistik der Gewalt gegen Einsatzkräfte spreche auch für sich. Wurden im Jahr 2012 noch 1485 Straftaten auf Polizisten und Feuerwehrkräfte gezählt, stieg die Zahl im Jahr 2016 auf 2275 an. Eine Dunkelziffer ist hier noch nicht miteinberechnet.

Im Jahr 2016 wurden 2275 Straftaten gegen Einsatzkräfte gezählt

Im Studio ist auch ein Feuerwehrmann aus Duisburg zu Gast. Valentino Tagliafierro musste Gewalt schon am eigenen Körper miterleben. Und das bei einem ganz gewöhnlichen Einsatz. Eines Abends wurde er zu einer hilflosen Person gerufen. Doch als er in der Wohnung ankam, ging die Schimpf-Tirade los: „Wat is los ihr Arschlöcher? Warum braucht ihr so lange?“, war die Begrüßung des Mannes. Hinterrücks kassierte er einen Faustschlag in den Nacken und einen Schlag gegen den Kopf.

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Tagliafierro ist fassungslos. „Ich kann es nicht verstehen“, sagt er. „Ich bin Feuerwehrmann aus Leidenschaft. Da will man sein Bestes geben und Menschenleben retten und plötzlich wird man selbst zum Opfer. Das kratzt an der Psyche.“

Dunja Hayali lenkt das Gespräch auf die „sogenannten No-Go-Areas“, die es im Pott gebe, mit „Clans und anderen mafiosen Strukturen“. Traue er sich als Feuerwehrmann da überhaupt noch hin? Doch Tagliafierro macht da keinen Unterschied. „Sowas passiert überall“, damit könne man nicht rechnen. Das kann auch am Hauptbahnhof passieren. Denn: 90 Prozent aller Einsätzkräfte in NRW haben Übergriffe schon miterlebt.

Festzuhalten sei, dass meistens Männer im Alter von 20 bis 39 Jahren, häufig unter Drogeneinfluss oder alkoholisiert, handgreiflich werden. Und dann gibt es noch die politisch motivierten Taten. Da wappnet sich die Polizei jedes Jahr aufs Neue, wie zu den 1.Mai-Demos.

Viele Rettungskräfte zeigen Übergriffe nicht an

Valentino Tagliafierro möchte, dass sich etwas ändert. Er fordert: Anzeigen sollten verfolgt werden. Die Justiz sollte sie nicht einfach fallen lassen. Die Bestrafung müsse konsequenter geschehen und öffentlich gemacht werden. Denn noch zeigten 80 Prozent der Rettungskräfte Angriffe nicht mal an, bekräftigt ihn die Moderatorin.

Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland Taser zur Verteidigung eingesetzt. „Allein das Gerät zu zeigen, helfe schon aus, um das Gegenüber einzuschüchtern“, so Sorgen über die Elektrowaffe. Und auch in NRW werde derzeit ein Masterplan entwickelt, damit die Rettungskräfte darin geschult werden, wie sie sich in Gefahrensituationen verhalten sollten, erklärt der Duisburger Feuerwehrmann. Nähere Angaben zur Prävention wurden aber nicht gemacht.

Hier kannst du dir die Sendung vom 1. Mai online nochmal anschauen. (js)