Dramatische Folgen für ganz Europa! Vulkan-Expertin warnt vor Ausbruch von Super-Vulkan in Italien

Die Großregion Neapel wird gerne als geografisches Pulverfass bezeichnet.
Die Großregion Neapel wird gerne als geografisches Pulverfass bezeichnet.
Foto: Giuseppe Ciccia / imago/ZUMA Press
  • Die Vulkanexpertin Francesca Bianco warnt vor einem bevorstehenden Ausbruch des Super-Vulkans in Neapel
  • Ein solcher Ausbruch hätte dramatische Folgen für die Region – und für ganz Europa
  • Bisher ist die Region Neapel nicht optimal auf einen Katastrophenfall vorbereitet

Neapel.  „Auf Europa käme eine riesige Aschewolke zu“ – die Vulkanexpertin Francesca Bianco vom Vesuv-Überwachsungszentrum in Neapel warnt vor dem Ausbruch des einzigen europäischen Super-Vulkans in der süditalienischen Stadt.

Nicht ohne Grund wird die Großregion Neapel gerne als geografisches Pulverfass bezeichnet. Die „Bild“-Zeitung hat die Chef-Vulkanologin besucht und berichtet über eine mögliche Bedrohung für Neapel und Europa.

Bedrohlich und unberechenbar

Wie bedrohlich die süditalienischen Phlegräischen Felder sind und warum der Super-Vulkan im Gegensatz zum nahe gelegenen Vesuv so unberechenbar ist, haben wir hier schon einmal beschrieben.

Seit Jahren gilt für die Großregion Neapel die „Alarmstufe Gelb“, denn unter der Erde in diesem Gebiet rumort es gewaltig. Magma und giftige Gase breiten sich immer weiter aus, sie riefen seit 2005 bereits Hebungen des Erdbodens und mehrere kleine Beben hervor.

Außerdem drohe Magma rapide nach oben zu steigen – mögliche Anzeichen, dass der Vulkan nach der letzten Super-Eruption vor 39.000 Jahren wieder in eine kritische Phase eingetreten ist.

„Die Anzeichen sind alarmierend“

Anders als im Juli vergangenen Jahres kann laut der obersten Vulkanexpertin Italiens und einer der weltweit angesehensten Forscherinnen auf diesem Gebiet, Francesca Bianco, nun jedoch von einer konkreten Gefahr gesprochen werden.

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„Wann es soweit ist, das kann niemand sagen. Aber die Anzeichen sind alarmierend“, sagt die Direktorin des nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie gegenüber „Bild“. „Es ist keine abstrakte Gefahr, mit der wir es hier zu tun haben, sie ist real. Es ist eine Frage, wann etwas passiert“, meint sie weiter.

Tag und Nacht überwacht sie mit ihren 100 Mitarbeitern am Institut auf rund 50 Monitoren die Signale unter der Erde, um im Extremfall Hunderttausende Menschen zu schützen.

Auswirkungen eines Vulkan-Ausbruchs

Zwei Millionen Menschen wären direkt von einem Ausbruch des Vulkans betroffen. Je nachdem, wie die Winde dann stehen würden, könnten auch weiter entfernte Orte zerstört werden. „Auf Europa käme eine riesige Aschewolke zu“, warnt Bianco.

Auch die Landwirtschaft wäre davon unmittelbar betroffen. Schon eine Ascheschicht von einem Zentimeter könne die Ernte zerstören. Außerdem wären Klimaveränderungen möglich.

Vulkanausbrüche sind meist vorhersehbar

Mithilfe von GPS- und Radar-Satelliten kontrollieren die Forscher das Gebiet. Außerdem gebe es über die gesamte Region verteilte Messstationen, die die Vulkan-Aktivität beurteilen lassen.

Damit sei eine Warnung vor einem Vulkanausbruch rund 72 Stunden vorher möglich. Anders als Erdbeben sei ein Ausbruch meist vorhersehbar. Dennoch: „Wenn die Vulkan-Felder ausbrechen, wird das mit einer Explosion geschehen – das Zerstörungspotential ist gewaltig.“

Konzept für Katastrophenfall

Obwohl der italienische Staat 30.000 Euro für jede Familie verspricht, die das Gebiet verlassen will, würden nur wenige Menschen von dort wegziehen. Umso wichtiger sind präzise Analysen der Vulkanforscher.

Sie müssten den staatlichen Katastrophenschutz über eine konkrete mögliche Bedrohung informieren. Dann würde der Ausnahmezustand ausgerufen und das Gefahrengebiet müsste schnellstmöglich geräumt werden.

Dafür gebe es bisher jedoch keine planmäßige Routine: „Der Verkehr ist bereits an normalen Werktagen katastrophal. Im Notfall wären alle Fluchtwege hoffnungslos verstopft“, erklärt die Forscherin. Die Gemeinden würden derzeit an einem Konzept für den Katastrophenfall arbeiten.

Politiker halten sich mit Warnungen zurück

Gleichzeitig würden einige Politiker laut Francesca Bianco die Gefahren kleinreden – wegen wirtschaftlicher Auswirkungen für Italien. Die voreilige Einrichtung von Gefahren-Zonen sei deshalb umstritten.

Ob schon in diesem, in zehn oder hundert Jahren – bleibt zu hoffen, dass die Vorbereitungen auf den Katastrophenfall ausgereift sind, bevor ein solcher eintritt. (alka)

 
 

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