Das ist Österreichs meistgesuchter Mann – und seine unglaubliche Geschichte

Seit seiner Flucht im Jahr 1995 wird nach Tibor Foco gefahndet. 
Seit seiner Flucht im Jahr 1995 wird nach Tibor Foco gefahndet. 
Foto: Bundeskriminalamt Österreich
  • Tibor Foco wurde Mitte der Achtziger wegen Mordes verurteilt
  • Vor rund 25 Jahren gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis
  • Bis heute fehlt jede Spur von dem Straftäter

Linz.  Tibor Foco wurde 1987 wegen Mordes an einer Prostituierten zu lebenslanger Haft verurteilt – heute ist er der meistgesuchte Mann Österreichs. Vor mehr als 25 Jahren gelang dem früheren Motorradrennfahrer die Flucht aus dem Gefängnis, bis heute läuft eine weltweite Fahndung von Europol nach dem inzwischen 62-Jährigen.

Die Geschichte um Tibor Foco, die mit einem grausamen Mord an einer jungen Frau beginnt und mit der Flucht des verurteilten Straftäters aus seiner Haft bis heute kein Ende nehmen will, ist ein absoluter Krimi, der alles Zeug dazu hätte, verfilmt zu werden.

Mord an einer Prostituierten

Und so fing alles an: Am Morgen des 14. März 1986 wurde die Leiche von Elfriede H. auf den Gleisen der Westbahn in Linz gefunden. Die Frau sei vor ihrem Tod brutal zusammengeschlagen worden, ermordet wurde sie durch einen Schuss in ihr Gesicht, unterhalb des linken Auges. Tibor Foco gilt als Täter.

Im Bereich des Unterleibes sei die Tote entkleidet gewesen, um die Tat sexuell motiviert erscheinen zu lassen, wie es in einem Dokument des Bundeskriminalamtes Österreich zum Fall des Gesuchten heißt.

Der heute 62-Jährige war früher Motorradrennfahrer, wurde Vizeeuropameister und österreichischer Staatsmeister. Später hat er das Rotlichtlokal „Bunny Bar“ in Linz betrieben, wodurch er auch in Kontakt mit der ermordeten Prostituierten gekommen sein soll.

In dem Polizeidokument heißt es, Tibor Foco „wollte offensichtlich die professionellen Dienste der damals 23-jährigen Prostituierten Elfriede H. in Anspruch nehmen.“ In einer Auseinandersetzung zwischen den beiden soll der Mord begangen worden sein.

Zeugenaussagen und Widerrufe

Einige Tage nach dem Fund der Leiche wurde als Tatverdächtiger Tibor Foco verhaftet und in weiterer Folge vom Geschworenengericht in Linz im März 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Schuld hatte der Österreicher stets bestritten, wurde jedoch von einer Kronzeugin, seiner damaligen Freundin, beschuldigt.

Die 22-jährige Regina U. habe als Prostituierte für Tibor Foco gearbeitet. Während ihrer Zeugenaussagen soll sie den Ermittlern immer wieder verschiedene Versionen der Tat erzählt haben, u. a. diese, wie es in einem „stern“-Artikel heißt: „Sie sei von ihrem „Meister“ zum tödlichen Schuss auf Elfriede H. gezwungen worden.“

Regina U. wurde später wegen entschuldigten Notstandes in dem Fall freigesprochen. Und auch ein vermeintlicher Mittäter wurde nach Wiederaufnahme des Verfahrens 1996 mit einer Entschädigung freigesprochen, weil Regina U. ihr früheres Geständnis zurückgezogen habe. Laut „stern“, „weil sie dabei von der Linzer Polizei gefoltert worden sein will - das streitet die Behörde ab. Beweise gibt es bis heute nicht.“

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Bis ins Detail geplante Flucht

Tibor Focos Flucht gelang dem Verurteilten 1995. Das BKA Österreich schreibt dazu: „In der Strafvollzugsanstalt Stein an der Donau wurde Tibor Foco erlaubt, im Institut für Rechtswissenschaft der Uni Linz zu studieren. Im Zuge einer Ausführung an die Universität gelang dem Strafgefangenen am 27. April 1995 die Flucht.“

Eine „Chronologie der Flucht“, ebenfalls vom Bundeskriminalamt Österreich veröffentlicht, beschreibt diese im Detail. Aus dem Dokument wird deutlich: Die Flucht war offenbar von langer Hand geplant.

Es habe zahlreiche Fluchthelfer gegeben, geschmuggelte Mobiltelefone im Gefängnis, ein bereitgestelltes Motorrad in Universitätsnähe sowie einen Rucksack mit Proviant. Tibor Foco hätte sich in der Universität mit einer Ausrede von den Beamten losgesagt, sei in nur sieben Minuten und 30 Sekunden zu dem Motorrad gelangt und geflohen – von Motorrad und Tibor Foco fehlt seither jede Spur.

Gescheiterte Deals zur Rückkehr

Gleichzeitig soll der verurteilte Straftäter noch Kontakt zu seinen Eltern haben. Seit seiner Flucht hat das Justizministerium versucht, auf verschiedene Weise eine Rückkehr Tibor Focos auszuhandeln. Im Frühjahr 1997 wurde dafür sein Urteil aufgehoben, ein Angebot für „Freies Geleit“ gestellt, der Haftbefehl weltweit widerrufen – vonseiten des Straftäters gab es jedoch keine Reaktion.

Im April 2000 brachte das Landesgericht Linz neuerlich eine Anklage wegen Mordes gegen Tibor Foco wegen Verdacht des Mordes ein, ein internationaler Haftbefehl wurde erlassen. Fünf Jahre später wurde Tibor Foco bei Rückkehr erneut freies Geleit zugesichert, „nach einer persönlichen Intervention der Eltern bei der Bundesjustizministerin Österreichs.

Die Eltern bezweifeln das Angebot des Ministeriums jedoch mehrmals öffentlich – Tibor Foco, der meistgesuchte Mann Österreichs, ist weiterhin auf der Flucht. (alka)

 
 

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