75000 Fans in der Hauptstadt des Heavy Metal

Foto: WR

Wacken. Lauter und ausgefallener kann eine Geburtstagsparty kaum sein: Am Wochenende feierten rund 75000 Metal-Fans die 20. Auflage des Wacken Open Air. Es gilt als das weltweit größte, beste und sicherste Festival für harte Musik. Daran hat sich auch zum Jubiläum nichts geändert.

Rund 1900 Einwohner zählt das Dorf Wacken in Schleswig-Holstein, im hohen Norden. Ruhig und beschaulich geht es hier zu, auf den Wiesen grasen gemütlich die Kühe. Normalerweise. Doch normal ist nichts am ersten August-Wochenende, wenn ganze Horden von Heavy-Metal-Fans aus der ganzen Welt in Wacken einfallen. In unmittelbarer Nähe zum Dorf stehen riesige Bühnen, auf denen in vier Tagen 74 Bands die Verstärker bis zum Anschlag aufdrehen. „Motörhead“, „Running Wild“, „In Flames“ und „Gamma Ray“ waren es dieses Mal, nur um einige zu nennen. Die ganz großen Namen, die es auch außerhalb der Metal-Szene zur Ruhm und Ehre geschafft haben, waren bei der Jubiläums-Auflage nicht dabei. Doch das hat die Fans nicht davon abgehalten, lange im voraus Karten zu kaufen. Schon vor mehr als einem halben Jahr meldeten die Veranstalter: „Ausverkauft!“

Das Fehlen großer Namen soll keineswegs bedeuten, dass das Band-Programm zu wünschen übrig ließ. Aber es ist ein Zeichen dafür, dass das Wacken Open Air mehr als nur Musik bietet. Die trotz der gewaltigen Zahl von 75000 Besuchern familiäre Stimmung, die außergewöhnliche Lage und letztlich die Anteilnahme des ganzen Dorfes am Festival sind wichtige Bausteine für die Atmosphäre in Wacken. Bausteine, die im Jahr 2006 die südkoreanische Regisseurin Sung-Hyung Cho dazu inspiriert haben, ihren preisgekrönten Heimatfilm „Full Metal Village“ zu drehen. Dieser Film brachte Wacken den Titel „Hauptstadt des Heavy Metal“ ein und löste ein gewaltiges Medien-Echo aus. Live-Schaltungen nach Wacken von ARD und ZDF gehören seitdem zur Normalität - auch wenn der Heavy Metal nicht unbedingt kompatibel mit öffentlich-rechtlicher Berichterstattung ist.

Eines der friedlichsten Festivals der Welt

Trotz des enormen Interesses und des Ansturms auf die Eintrittskarten ist das Wacken Open Air nicht größer geworden. „Die Kapazitäten sind erschöpft“, sagt Mitbegründer Thomas Jensen. Schon jetzt lässt die Zeltstadt den Ort auf das Dreifache seiner üblichen Größe anwachsen, weitere Flächen stünden einfach nicht zur Verfügung. Stattdessen wird an zusätzlichen Angeboten gefeilt, in diesem Jahr zum Beispiel mit einem Mittelalter-Dorf auf dem Gelände und mit Wrestling-Shows. Das passt gut zu den harten Klängen, die tagelang aus den Boxen dröhnen.

Keine nennenswerten Zwischenfälle

Die skurrilen Szenen auf den Bühnen und die bisweilen wilde Aufmachung der Fans stehen in krassem Gegensatz zum Verhalten der Besucher: Das Wacken Open Air gilt als eines der friedlichsten Festivals der Welt. Die Bewohner von Wacken wissen das, öffnen ihre Vorgärten für die Besucher oder verkaufen günstiges Bier aus dem Küchenfenster heraus. Zwischen Einwohnern und langjährigen Festival-Besuchern sind so viele Freundschaften entstanden.

Polizei und Rettungskräfte hatten auch in diesem Jahr nicht viel zu tun, nennenswerte Zwischenfälle blieben aus. Für Aufsehen sorgte lediglich die Festnahme einer rumänischen Taschendieb-Bande, die 500 Geldbörsen geklaut hatte. Dabei habe es sich aber nicht um Festival-Besucher gehandelt, sondern um professionell organisierte Diebe.

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