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Kommunalwahl

Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt

25.08.2009 | 12:44 Uhr
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt

Essen. Der Straßen-Wahlkampf läuft super, sagen CDU und SPD. So ein Satz erstaunt fünf Tage vor der Kommunalwahl wenig. Doch deutlicher als erwartet zeigt sich: Bürger sprechen Themen vor Ort an - nicht die große Bundespolitik.

Wahlkampf, Straßenwahlkampf, Wahl in Essen, Rüttenscheid, an der Flora am 24.08.2009. CDU Foto: Arnold Rennemeyer

Hans-Peter Huch, der Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Rüttenscheid, steht am Montagmittag mit seinen Leuten auf der Rüttenscheider Straße, Ecke Florastraße, verteilt werden Zettel, Broschüren, Kugelschreiber, und für Kinder gibt es Windspiele. In jeder Woche haben sie jetzt hier gestanden, hier und an anderen belebten Ecken im Stadtteil. Am Samstag kommt zum Finale noch mal der Oberbürgermeister-Kandidat Britz persönlich vorbei, kündigt Huch an.

Huch (CDU): Wir kriegen viel Zuspruch

„Wir kriegen viel Zuspruch”, versichert Huch. Das Haupt-Thema hier in Rüttenscheid: „Natürlich der Grugapark.” Immer noch – obwohl das Thema längst vom Tisch ist. Im Frühjahr 2008 entstand erhebliche Unruhe, als bekannt wurde, dass die Messe ihre Hallen erweitern will – 33 Meter wollte die Messe ins Grün hinein. Ein Aufschrei der Empörung ging durch die Stadt, nicht nur bei Öko-Aktivististen, sondern auch bei den Bürgerlichen. Huch sagt jetzt mit Nachdruck: „Eine Erweiterung auf Kosten des Grugaparks wird es nicht geben.” Trotzdem sei eine „Optimierung” der Messe notwendig, es gebe Studien, die zeigten, es gehe auch ohne Expansion in die Fläche.

Ansonsten: „Sauberkeit ist ein Thema. Dass es jetzt Parkwächter gibt, kommt gut an.”

Dass Ratsherr Huch auch mit Kritik an Berlin konfrontiert wird, komme vor – aber nur gelegentlich: „Sicher, da sagt schon mal jemand was zu den Renten.” Er verspricht: Alles werde weitergeleitet. Und zieht Block und Kuli aus der Brusttasche. Wer will, kann seinen Namen hinterlassen. „Wir kümmern uns. ”

Ortswechsel: Ganz im Osten der Stadt, am Krayer Wackenberg, stehen gestern Nachmittag die beiden SPD-Männer Manfred Tepperis und Gerd Hampel vor einer Haustür und klingeln. Tepperis, Vorsitzender der SPD Kray, will wieder in den Rat. Hampel will in die Bezirksvertretung VII einziehen, das Stadtteilparlament.

Ein Mann macht auf: „Ja?” Die SPD-Männer stellen sich kurz vor, überreichen ein Bierglas mit SPD-Aufdruck, darin ein Zettel mit Partei-Infos drauf, dazu noch ein paar Broschüren, und dann der wichtige Satz: „Wir freuen uns, wenn Sie uns und unseren OB-Kandidaten Reinhard Paß am kommenden Sonntag unterstützen.” – Der Mann in der Tür sagt „Ja”, nimmt das Glas und zieht zu. Man weiß nicht so richtig, ob das jetzt eine gute oder schlechte Reaktion war.

Tepperis (SPD): Wir kümmern uns

Wahlkampf, Straßenwahlkampf, Wahl in Essen, Kray: Bei Familie Cohaus, Gerd Hampel (li) und Manfred Tepperis (re), SPD, auf Hausbesuch. Foto: Arnold Rennemeyer

Insgesamt 50 000 Hausbesuche will die Essener SPD bis zum Sonntag absolviert haben, die CDU verfolgt die Strategie des Häuserwahlkampfs ebenfalls. „Dass einem die Tür vor der Nase zugeschlagen wird”, sagt Manfred Tepperis, „kommt nur ganz selten vor.” Auch er hat die Erfahrung gemacht: Es sind die Themen vor Ort, die die Leute bewegen. „Ein Teil des Krayer Volksparks wird nicht mehr richtig sauber gemacht, der Teich stinkt”, berichtet Tepperis. Oder die geplante Schließung des Bads am Südpark. Oder fehlende Tempo-30-Schilder. „Wir kümmern uns”, verspricht Tepperis. „Auf den Zetteln stehen unsere Telefonnummern. Wenn es hier Probleme gibt, versuchen wir, sie auf dem politischen Weg zu lösen”, sagt Tepperis einer Frau in einem Mietshaus. „Soso”, sagt die Frau, nimmt das Bierglas, dann verfliegt ihr skeptischer Blick: „Das ist gut zu wissen. Probleme gibt es hier nämlich genug.”

Martin Spletter

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Kommentare
29.08.2009
15:33
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt
von 1980yann | #20

Foulspiel im Wahlkampfendspurt http://forum.derwesten.de/viewtopic.php?t=20912

28.08.2009
13:40
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt
von tacki | #19

Bürger dieser Stadt sind wir ALLE.
Zum Bürgerbegriff hat das ESSENER BÜRGER BÜNDNIS dazidierte Aussagen gemacht. Nachzulesen auf deren Website.

27.08.2009
00:10
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt
von TanteTrudi | #18

Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt.

Wer (oder was) ist eigentlich dieser Bürger? Eine Automarke oder ein Waschmittel? Ich sehe MENSCHEN oder schlechtenfalls Leute...

25.08.2009
12:31
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt
von verleihnix | #17

Lieber niedrigwasser,
das ist ein vielfach verbreitete Mär bzw. schlichte Unkenntnis der Medienvertreter.

Im Kommunalwahlkampf erhalten die Parteien KEINE Wahlkampfkostenzuschüsse, sondern müssen sich selbst finanzieren.

Die überregionalen Parteien können den Kommunalwahlkampf evtl. noch aus anderen Mitteln quersubventieren.

EBB z.B. finanziert den Wahlkampf ausschließlich aus Spenden der Mitglieder. Dies sollte die Ernsthaftigkeit der Anliegen der freien Wähler unterstreichen.

25.08.2009
11:57
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt
von stromer1953 | #16

So ist das nun mal!!

Immer vor den Wahlen wird das Stimmenvieh gesucht!!!!

Nach der Wahl?????

Da wird das Vieh geschlachtet!!!

Ich glaube das war bei den Alten Römern auch schon so!!

Bevor mich jemand auf den Letzten Satz anmacht.......

Das sollte Ironie sein!!

Übrigens, der Unterschied zwischen einer Wahl und einer Telefonzelle ist folgender...

In der Telefonzelle bezahlt man zuerst und wählt dann!!

Glück Auf!

25.08.2009
11:52
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt
von schriftsetzer | #15

@#13

Nimm lieber mal nen Besen zur Hand ;-)
Oder knöpf Dir Deine Nachbarn vor, die die Bürgersteige zumüllen ;-)

25.08.2009
11:47
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt
von niedrigwasser | #14

Erhalten die Parteien und Wählergruppen
bei den Kommunalwahlen am 30.08.2009,
pro Stimme Geld aus Steuermittel?
Das wäre neu.
Wer soll das zahlen?
Der Bund, das Land oder die Kommune?

25.08.2009
11:44
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt
von Monte Caterno | #13

Auf Hausbesuche können wir in Katernberg wahrscheinlich lange warten ... hier hängen ja auch erst seit kurzem vermehrt Plakate der großen Parteien! Und ich dachte schon, wir nördlichen Ghettokids dürfen jetzt nur noch kleine Splitterparteien wählen ...

Aber nächstes Jahr bei der Kulturhauptstadt 2010 werde ich mir ein Essen-Fähnchen kaufen und den Großkopferten bei Ihrer Fahrt aufs Zollvereingelände vom vermüllten Bürgersteig aus zujubeln ...

25.08.2009
11:33
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt
von schriftsetzer | #12

Anregungen und Wünsche kann jeder von uns während der Legislaturperiode in den BV-Sitzungen äußern und mit der Politik diskutieren. Dann bewegt sich auch was. Einfach mal mitmachen und Politik aktiv (mit-)gestalten - das geht auch ohne Parteibuch - anstatt immer nur zu maulen. In meiner Nachbarschaft sind wir durchaus in der Lage, unsere Interessen gegenüber der Politik zu vertreten und auch etwas zu verändern - gemeinsam MIT der Politik. Allerdings braucht man da Argumente und keine Stammtischparolen ;-)

25.08.2009
10:16
Was für die Bürger auf der Straße wirklich zählt
von ruhry | #11

Sieh mal an, Politik entdeckt den Bürger!

Dann muß wohl Wahlkampf sein.

Da werden Anregungen und Wünsche auf Blocks und Zettel notiert, Geschenke (die der Bürger vorab mit Steuern finanziert hat) verteilt und nach seinem Befinden gefragt.

Keine Angst liebe Wähler. Das Interesse an Euch wird sich spätestens im Oktober wieder erledigt haben wenn die Sessel in Rathaus und Rat wieder neu(?) verteilt sind wird sich kaum jemand an Euch erinnern.

Aber vielleicht schreibt dann wenigstens der Werbekugelschreiber noch.

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