Bei hohem Wellengang schwimmt Angela Maurer zum Gold

Foto: imago sportfotodienst

Rom. Die 33-jährige Angela Maurer wird bei schwierigsten Bedingungen vor dem Strand von Ostia Schwimm-Weltmeisterin über 25 Kilometer und holt das dritte Gold für Deutschland.

Wer die Homepage von Angela Maurer anklickt, liest zunächst ein russisches Sprichwort: "Wer auf dem Meer gewesen ist, scheut sich nicht vor Pfützen." Angela Maurer hat schon viel erlebt auf hoher See. Nicht als rundum verwöhnte Passagierin auf einem Kreuzfahrt-Schiff und auch nicht als Steuerfrau auf einem Fischkutter. Angela Maurer schwimmt und schwimmt und schwimmt. Stundenlang. Ohne Pause. Die 33-Jährige ist Freiwasserschwimmerin, hat in den vergangenen Jahren Tausende von Kilometern in Flüssen, Kanälen oder im Meer abgespult. Am Samstag erlebte aber auch sie zwei völlig neue Dinge. Die schlechte Nachricht formulierte sie so: "Solch schwierige Bedingungen habe ich noch erlebt. Der Wellengang war Wahnsinn". Die umso schönere Nachricht ist diese: Angela Maurer bewältigte die Schwierigkeiten vor dem Strand von Ostia am besten und holte den Weltmeister-Titel über 25 Kilometer. Nach den beiden Titeln von Thomas Lurz war es schon das dritte WM-Gold für die deutschen Freiwasserschwimmer.

"Am Ende hat sich alles bei mir gedreht", sagte sie völlig erschöpft, aber trotzdem rundum glücklich, Auf den Spurt musste sie lange warten, fast sechs Stunden. Nach 5:47:48,0 Stunden hatte die Qual ein Ende. Das verdiente Gold zauberte schnell ein Lächeln ins Gesicht.

"Ich möchte kein Kachelzähler sein"

Freiwasserschwimmen ist ein harter Job. "Manchmal schwimmen wir in richtig brauner Brühe", sagt Angela Maurer, die von ihrem Lebensgefährten Nikolai Evseev trainiert wird. Am Ende des Rennens sind die Augen verquollen, die Schwimmbrille hinterlässt tiefe Rinnen rund um die Augen, die Haut an den Fingernägeln ist aufgeweicht, die Lippen sind blau. "Kämpf, kämpf, kämpf, die anderen haben auch Schmerzen", hat sie sich auf der Strecke gedacht. Die 25 Kilometer am Strand von Ostia sind fast ein Sprint im Vergleich zu einem Weltcup-Rennen in Argentinien, zu dem Angela Maurer regelmäßig fährt. Über 88 Kilometer geht es durch den Rio Panana.

Es geht brutal zu beim Freiwasserschwimmen. Auch im WM-Rennen wurde mit harten Bandagen gekämpft. "Unser Sport ist ein Lebenskampf. Um die Beste zu sein, muss man sich durchsetzen können. Im Wettkampf kommt mein zweites Ich zum Vorschein. Ich bin ein typischer Löwe: privat eine schnurrende Katze - nur wehe dem der mir ins Gehege kommt." Und trotzdem möchte Angela Maurer nicht mit den Beckenschwimmern tauschen. "Nee, ein Kachelzähler möchte ich nicht sein."

Am Montag wird sie 34

Angela Maurer ist erstmals seit drei Jahren wieder auf der mörderischen Marathon-Distanz über 25 Kilometer gestartet. Da bei der olympischen Premiere vor eine Jahr in Peking nur die zehn Kilometer ins Programm aufgenommen wurden, hatte sich die Polizeibeamtin ganz auf diese Strecke konzentriert. Doch aus der ersehnten Medaille wurde nichts. Mit einem minimalen Rückstand von 1,1 Sekunden nach zehn Kilometern verpasste sie als Vierte den Sprung aufs Podium. Und auch hier in Rom ging für die Mainzerin zunächst der Traum von Gold, Silber oder Bronze nicht in Erfüllung. Über zehn Kilometer bekam Angela Maurer ausgerechnet in der entscheidenden Rennphase Wasser in die Brille und verlor im wahrsten Sinne des Wortes den Überblick. Platz fünf, das war nicht das, was sie sich erhoffte.

Das WM-Gold über 25 Kilometer wiegt jetzt alle Enttäuschungen und Strapazen auf. Angela Maurer hat sich selbst das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht. Am Montag wird sie 34.

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