Den Argen laufen die Arbeitsvermittler davon
08.07.2009 | 17:46 Uhr 2009-07-08T05:46+0200Essen. Den Jobcentern laufen befristete Mitarbeiter davon, weil die Koalition eine Neuorganisation der Argen verweigert. Vor allem die Ungewissheit, wie es nach 2010 weitergeht, treibt die Arbeitsvermittler weg - fatal für die Arbeitslosen, die ständig neue Gesichter vor sich sitzen haben.
Es gibt nicht viele Berufe in diesen Zeiten, denen die Beschäftigten ausgehen. OP-Schwestern sind knapp, auch Kältemechaniker werden gesucht. Auf Platz fünf jener Berufe, in denen es zurzeit mehr offene Stellen als Arbeitslose gibt, liegt der: Arbeitsvermittler. Auf 163 Stellen in NRW kamen im Juni nur 104 Arbeitslose – beste Chancen also für jeden, der sich für den Leute-in-Jobs-bringen-Job bewirbt. Zum einen stockt die Bundesagentur ihre Stellen auf. Zum anderen laufen gleichzeitig den Jobcentern die Mitarbeiter davon.
Unter den Angestellten in den Arbeitsgemeinschaften aus Bundesagentur und Kommunen grassieren Zukunftsängste. Etwa jeder Fünfte der rund 60 000 Mitarbeiter hat nur einen befristeten Arbeitsvertrag bis Ende 2010 – und keine Ahnung, wie es danach weitergeht.
Das Bundesverfassungsgericht hat diese Mischverwaltung für grundgesetzwidrig erklärt und der Politik eine Neuregelung aufgetragen. Doch das hat die Koalition verpatzt. Ein von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) und NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) erzielter Kompromiss ist an der Unionsfraktion gescheitert.
Ungewissheit riesig
Die Ungewissheit ist in allen Jobcentern, in denen man nachfragt, riesengroß. „Das beschäftigt viele”, heißt es unisono in Essen, Bochum, Duisburg. Von einer regelrechten Flucht will man hier aber nichts wissen. Stichproben der Nürnberger Zentrale hatten ergeben, dass die Jobcenter bis zu 30 Prozent ihrer Mitarbeiter pro Jahr verlieren. Wer die Chance hat, in seine alte Behörde zurückzukehren oder anderswo eine unbefristete Stelle zu erhalten, der geht.
Zwar werden sie ersetzt, doch wenn es eine Behörde gibt, die keine hohe Fluktuation verträgt, dann sind es die Jobcenter. Sie kümmern sich um Langzeitarbeitslose, darunter viele schwere Fälle. „Die Leute müssen ihre gesamten Besitzstände offenlegen. Es wäre nicht gut, wenn sie alle paar Wochen einen anderen Ansprechpartner bekämen”, sagt eine Sprecherin der Bochumer Arge. Ihre Behörde gehe sehr offen mit dem Thema um. „Egal, wie es weitergeht, werden wir auch künftig jeden Mitarbeiter brauchen.”
In der Tat: Natürlich muss es auch nach 2010 Hartz-IV-Behörden geben. Doch wer sie wie organisiert, hängt von der nächsten Bundesregierung ab. Während die SPD die Arbeitsteilung beibehalten will, gibt es in der Union große Sympathien dafür, die Hartz-IV-Behörden ganz in die Hände der Kommunen zu geben.
Unattraktive Entlohnung für Seiteneinsteiger
Das wäre für befristete BA-Angestellte keine beruhigende Perspektive. „Die Arge-Mitarbeiter verfolgen den Wahlkampf sehr genau”, sagt eine BA-Sprecherin. Das gelte auch für die Beamten: „Man weiß schon gerne, wer sein Dienstherr ist.” Deshalb würden viele ins Mutterhaus zurückkehren.
Hier und da knistert es auch zwischen Angestellten und Beamten. Das Einstiegsgehalt für Angestellte liegt in der Regel bei rund 2300 Euro Brutto. Das ist für Seiteneinsteiger mit Hochschulabschluss nicht sehr viel. Wie ein ehemaliger Mitarbeiter eines Jobcenters im Revier berichtet, hätten Seiteneinsteiger kaum Aufstiegschancen. Wenn dann auf der anderen Schreibtischseite ein Beamter sitze, der das doppelte Gehalt beziehe, steigere das die Motivation nicht eben.
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19:12
Es ist schon sehr traurig, was die Politik da so treibt. Ich habe aber am eigenen Leib erfahren, dass Leistungen in Behörden auch nicht mehr gefragt sind. Um noch einen „drauf zu setzten“: Ich habe studiert. Verwaltungswirtschaft. Ich darf mich Diplom-Verwaltungswirt (FH) nennen. Also eigentlich wäre ich heute Beamter im gehobenen nichttechnischen Dienst. Anstatt nach Leistung, nach objektiven Gesichtspunkten zu entscheiden, wurde ich auf die Waage gestellt. Übergewicht…. und raus (auch als Angestellter null Chance)! Ich habe auf Kosten der Steuerzahler studiert (bei den Einstellungstests war ich schon übergewichtig), nun beziehe ich Hartz-IV und DARF mir mit meinem (auch vom Steuerzahler bezahlten) Taxischein 100 Euro hinzuverdienen. Selbst im Arbeitsamt kam man nicht auf die Idee, dass ich vielleicht dort tätig werden könnte, da ich schließlich mehr als qualifiziert dafür bin. Ich kann deshalb mir nicht vorstellen, dass tatsächlich ein Personalmangel in der BA vorherrscht.
07:49
Ein absolut oberflächlich recherchierter Artikel - das alles entspricht nicht im Mindesten der Wahrheit - ich habe mich 3 mal als Arbeitsvermittler beworben, habe dementsprechende Qualifikationen und Referenzen, erhielt 3 mal schnellstens eine Absage. Den Grund teilte mir ein befreundeter Mitarbeiter der Arge mit: Zuerst Frauen -und Migranten-Quoten erfüllen - so heisst die interne Vorgabe bei den Arbeitsämtern der Kreise und Städte Y und Y...so kommt es denn, daß hier in der Leistungsabteilung meiner Stadt die zuständigen 2 Sachbearbeiter türkischer bzw. jugoslavischer Herkunft sind...Lustig?
Ausserdem bin ich mit 52 Jahren ja eh nicht mehr vermittelbar - so meine Fallmanagerin.....
21:29
#62schranzbaum
Da machen Sie es sich aber ein wenig einfach.
Ihrem r.kant´schen Beitrag, einschließlich der Beleidigung, möchte ich nur entgegnen, dass die wichtigsten Grundbegriffe unserer Rechtschreibung eigentlich zum Standard in diesen Foren gehören sollten, vor allem, wenn hier einige r.kants meinen, mal eben locker den Job eines Arge-Mitarbeiters übernehmen zu können. Leider weiß ich, wie viele Bewerbungen fehlerhaft verfasst und abgegeben werden. Grauenhaft.
Zustimmen kann ich dem Beitrag von #63 OpiX, der sich vehement gegen die simplen Pauschalisierungen ausspricht. Recht hat er !
20:29
Schade, einfach nur schade, dass hier fast mehr über Rechtschreibung als über die ARGEn diskutiert wird. Und wenn dann schon mal das richtige Thema getroffen wird, ergießen sich viele der Kommentatoren in ebenso pauschalen wie zweifelhaften Aussagen... Dazu nur ein Wort: Es ist keineswegs so, dass in den ARGEn ausschließlich Idioten und Sadisten arbeiten und genausowenig sind die Leistungsbezieher pauschal arbeitsscheues Pack. Das Leben ist nun mal - für die polarisierenden Kommentatoren: leider - bunter und komplexer, als dass es sich einfach so schwarz-weiß malen ließe. Natürlich gibt es auch Fälle, die alle Klischees erfüllen: den faulen Dauerarbeitslosen aus einer Sozialamtsdynastie wie den fiesen Vermittler. Daraus aber auf alle zu schließen, ist ziemlich kurzsichtig und naiv.
13:07
an die schlauberger der deutschen rechtschreibung:
da ich mich hier in einem internet-forum befinde und nicht dabei bin, ein bewerbungsschreiben aufzusetzen, schreibe ich hier so, wie man schon vor 15 jahren (damals war kleinschreibung in foren und beim email-verkehr ussu) im netz geschrieben hat. wer ernsthaft glaubt, so wie man sich hier manchmal den ärger von der seele schreibt, würde man auch offizielle schreiben aufsetzen, der hat vielleicht von der deutschen rechtschreibung ahnung, aber von sonst auch nicht viel. trottel.
11:32
Das Problem sind die Seelenverkäufer,auch
Zeitarbeitsfirmen genannt. Diese Halsabschneider
müssen verboten werden, nur dann müssten die
Firmen reguläre Arbeitsplätze anbieten.