Was Ikea-Kunden zum lebenslangen Umtauschrecht wissen müssen

Maxi Overfeld
Der Couchtisch gefällt nach drei Jahren nicht mehr? Der Kleiderschrank soll doch nicht mehr mit umziehen? Ikea-Kunden haben ab sofort ein lebenslanges Rückgaberecht - mit einigen Ausnahmen.
Der Couchtisch gefällt nach drei Jahren nicht mehr? Der Kleiderschrank soll doch nicht mehr mit umziehen? Ikea-Kunden haben ab sofort ein lebenslanges Rückgaberecht - mit einigen Ausnahmen.
Foto: Imago
Möbelriese Ikea wirbt damit, Ware ab sofort jederzeit umtauschen zu können - und das auch noch Jahre später. Das lebenslange Rückgaberecht gelte jedoch nur bei Ware, die ab sofort gekauft werde. Ihr Zustand ist dabei vollkommen egal. Mit einer Rückgabe-Welle rechnet das Unternehmen trotzdem nicht.

Essen. Das schwedische Möbelhaus Ikea hat ein lebenslanges Rückgaberecht in allen deutschen Filialen eingeführt. Das gilt bereits seit dem Erscheinen des neuen Ikea-Katalogs am 25. August. Damit dürfen Kunden Ware ohne eine zeitliche Begrenzung zurückgeben - bis jetzt war das nur innerhalb von drei Monaten möglich.

Fragt man die Presseabteilung von Ikea Deutschland, dann ist der Grund einfach: "Wir wollen, dass unsere Kunden lebenslang mit unserer Ware zufrieden sind", sagt Sprecherin Sabine Nold. Sind sie es nicht, könnten sie Schrank, Tisch und Co. umgehend zurückbringen - auch noch Jahre später. Erstattet werde der volle Kaufpreis, bei Barzahlung in bar, per Rücküberweisung bei EC-Kartenzahlung oder als Ikea-Guthabenkarte.

Ausgeschlossen vom Umtausch sind zugeschnittene Ware wie Küchenarbeitsplatten, Pflanzen und Artikel aus der "Fundgrube". Alles andere nehme Ikea zurück, versichert die Sprecherin: ob mit oder ohne Original-Verpackung, kaputt oder brandneu. Wichtig sei nur der Kaufnachweis. "Die Verfassung der Ware ist dabei egal", erklärt Sabine Nold. Ob zwei, drei Schrauben fehlen, sei nicht relevant. Das lebenslange Rückgaberecht gelte rechtsverbindlich jedoch nur für Ware, die ab dem 25. August 2014 gekauft wurde.

"Für Verbraucher eine gute Sache"

Schlaue Werbeaktion oder Freibrief für Kunden? Die Verbraucherzentrale NRW sieht Vorteile für beide Parteien. "Für Verbraucher ist das natürlich eine gute Sache, für Ikea ein schöner Werbe-Effekt", sagt Juristin Miriam Rusch-Rodosthenous. Ein derartiges Umtauschrecht sei sehr selten, denn Fakt ist: Unternehmen dürfen selbst entscheiden, in welchem Maß sie eine Rückgabe gewähren. "Ein Umtauschrecht ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, Verkäufer haben freie Hand." Ob es Ikea-Kunden zum Ausnutzen animiert, vermag die Juristin nicht zu beurteilen. Das müsse sich erst zeigen.

Dass Ikea sein lebenslanges Rückgaberecht zurücknimmt, könne jedoch auch nicht ausgeschlossen werden. Rein rechtlich sei es jedenfalls kein Problem. Dennoch kommt es der Juristin zufolge unter anderem auf die Ausgestaltung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) an, darüber könne sie jedoch noch keine Angaben machen.

Lebenslanges Rückgaberecht schon in Dänemark und Norwegen

"Eine Aufhebung ist erst einmal ausgeschlossen", sagt Ikea-Deutschland-Sprecherin Sabine Nold hingegen. Schließlich handele es sich um ein langes und wohlüberlegtes Konzept. Erfahrungen konnte Ikea bereits in Dänemark und Norwegen sammeln, hier gilt das lebenslange Rückgaberecht bereits seit rund drei Jahren. Die Zeit hätte bewiesen, dass nur ein geringer Teil der Kundschaft ihr Umtauschrecht auf Lebenszeit ausgenutzt hätten. "Jetzt müssen wir unsere eigenen Erfahrungen sammeln."

Neben Deutschland, Norwegen und Dänemark soll der lebenslange Service bald auch in Spanien und England eingeführt werden. Tatsächlich gibt es ansonsten nur wenige Unternehmen, die mit der Garantie auf Lebenszeit werben. Ein Beispiel ist der amerikanische Versandhändler "Lands' End", der auch in Deutschland seine Ware verkauft. Auch hier gilt: "Sollten Sie mit einem bei uns bestellten Artikel nicht zu 100 Prozent zufrieden sein, können Sie ihn an uns zurücksenden."

Werbepleite bei Opel

Der Automobilhersteller Opel sorgte mit seinem lebenslangen Garantierecht 2010 für Negativschlagzeilen. Denn der Umtausch war unter anderem nur bis zu einer Laufzeit von 160.000 Kilometern unbefristet garantiert. 2011 stellte Opel den Service wieder ein.