Vivawest will bis zum Jahr 2021 rund 3500 Wohnungen bauen

Claudia Goldenbeld und Ralf Giesen stehen an der Spitze des Gelsenkirchener Wohnungsunternehmen Vivawest.
Claudia Goldenbeld und Ralf Giesen stehen an der Spitze des Gelsenkirchener Wohnungsunternehmen Vivawest.
Foto: Kai Kitschenberg
Gelsenkirchener Wohnungsunternehmen Vivawest will bis zum Jahr 2021 rund 2,4 Milliarden Euro investieren. Angesichts hoher Preise lohne der Neubau.

Gelsenkirchen. Der Boom auf dem Immobilienmarkt hält an. Wegen der niedrigen Zinsen steigen die Preise deutlich. Die Gelsenkirchener Wohnungsgesellschaft Vivawest hat sich deshalb dazu entschlossen, nicht schwerpunktmäßig durch den Zukauf, sondern durch Neubauten zu wachsen.

„Die Preise am Immobilienmarkt sind sehr hoch, und viele Objekte sind in einem schlechten Zustand“, sagt Vivawest-Geschäftsführerin Claudia Goldenbeld. „Deshalb wollen wir neu bauen, auch um unserer gesellschaftlichen Aufgabe gerecht zu werden, neuen Wohnraum zu schaffen“, erklärt die Managerin auch im Hinblick auf die Einschätzung der Landesregierung, dass in NRW mittelfristig 400 00 Wohnungen fehlen.

2,4 Milliarden Euro Investitionen bis zum Jahr 2021

Zuletzt hatte Vivawest deshalb nur kleinere Pakete von durchschnittlich 100 Wohnungen erworben. Eine Ausnahme sei „Lavida“ im Dortmunder Stadtteil Alt-Scharnhorst gewesen. Die 504 Einheiten gingen Anfang des Jahres in den Besitz der Gelsenkirchener über.

2,4 Milliarden Euro will Vivawest bis zum Jahr 2021 investieren. Im Schnitt sollen nach Angaben der Geschäftsführung jährlich 130 Millionen Euro in Neubau-Projekte fließen. „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, bis zum Jahr 2021 rund 3500 Wohnungen neu zu bauen. Der Bedarf in NRW ist da und die Landesförderung setzt gute Anreize“, sagt Goldenbeld. Ein großer Neubau-Schwerpunkt sei Essen. Dorthin flössen 17 Prozent der Investitionen.

Neubau-Mieten nicht unter acht Euro pro Quadratmeter

Während die Nettokaltmiete in den rund 120 000 Vivawest-Wohnungen im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 5,16 Euro pro Quadratmeter lag, müssen Mieter in neu gebauten Objekten deutlich tiefer in die Tasche greifen. „Unter acht Euro geht es gar nicht mehr“, bestätigt Geschäftsführer Ralf Giesen. Im Mietzins spiegelten sich gestiegene Baukosten, wachsende energetische Standards, Anforderungen an Barrierefreiheit, Stellplatz-Nachweise und natürlich die Lage wider.

„In einer unserer neuen frei finanzierten Siedlungen in Duisburg-Walsum beträgt die Miete rund 8,50 Euro, in Essen in der Spitze bis zu elf, in Düsseldorf aber auch mehr als zwölf Euro“, so Giesen. Seit Jahren wirbt die Vivawest-Geschäftsführung dafür, die gesetzlichen Energiestandards nicht noch weiter zu erhöhen und damit die Baukosten zu begrenzen. „Das Thema ist in Berlin angekommen“, sagt Giesen. „Die ersten zehn Zentimeter bei der Fassadendämmung sind die entscheidenden. Alles, was über die inzwischen erreichten 14 Zentimeter hinaus geht, trägt kaum zur Einsparung bei den Heizkosten bei.“

Neubauquote ist das Alleinstellungsmerkmal

Um den Ausstoß des klimaschädlichen CO2 zu drosseln, hat sich Vivawest zum Ziel gesetzt, alle Heizungsanlagen ab einem Alter von 20 Jahren zu erneuern. Bis 2021 sollen 11 500 Wohnungen überwiegend energetisch saniert werden. Dafür gibt das Unternehmen pro Jahr durchschnittlich 90 Millionen Euro aus.

In der hohen Neubauquote bei Vivawest sieht Geschäftsführerin Goldenbeld ein „Alleinstellungsmerkmal“ im Wettbewerb mit den großen NRW-Gesellschaften wie Vonovia (340 000 Wohnungen) oder LEG (130 000 Wohnungen). „Damit heben wir uns ab“, sagt Goldenbeld. „Wir sehen uns als Mittler zwischen den Welten der börsennotierten und der kommunalen Unternehmen.“

Zechenhäuser zu verkaufen

Die Vivawest-Geschäftsführung sei sich mit ihren Gesellschaftern RAG-Stiftung, Evonik Pensionstreuhand e.V., RAG und Gewerkschaft IGBCE in dem Ziel einig, „im Kernbestand zu wachsen und das Niveau von 120 000 Wohnungen mindestens zu halten. Verkäufe gleichen wir durch Neubau und Erwerbe aus “, betont Giesen. Pro Jahr trennt sich der Konzern im Schnitt von knapp 1000 Wohneinheiten, darunter 750 kleine Zechenhäuser. Davon hat Vivawest noch rund 10 000 im Bestand.

Aufgeschoben hat Vivawest den Abriss von zwei Siedlungen in Duisburg-Vierlinden und Bochum-Langendreer. „Auf Bitten der Kommunen wohnen darin vorübergehend Flüchtlinge“, sagt Claudia Goldenbeld. Insgesamt wohnten 1900 Flüchtlingen in Häusern von Vivawest.

Auch um Erkenntnisse zu deren Integration zu gewinnen, hat das Unternehmen ein gemeinsames Projekt mit der RAG Montan Immobilien GmbH aufgelegt. In Duisburg-Vierlinden und Kamp-Lintfort suchen Planungsteams nach Wegen, wie Quartiere in Zukunft mit Blick auf die Alterung, soziales Miteinander und Zuwanderung zu gestalten sind. Vivawest-Geschäftsführer Giesen: „Wir hoffen auf einen fundierten Instrumentenkasten, den wir an vielen Standorten nutzen können.“

 
 

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