Unternehmen Waschsalon

Im Waschsalon am Nordring in Bochum wartet Kunde Georg Oßenkamp, dass seine Wäsche fertig wird. Foto: Mathias Schumacher / WAZ FotoPool
Im Waschsalon am Nordring in Bochum wartet Kunde Georg Oßenkamp, dass seine Wäsche fertig wird. Foto: Mathias Schumacher / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Bochum.. Gedankenverloren sitzt Georg Oßenkamp auf einem grünen Plastikstuhl im Waschsalon am Bochumer Nordring. Oßenkamp wartet und sieht der Waschtrommel zu, in der seine Wäsche ihre Runden dreht. Die eigene Maschine hat den Geist aufgegeben, seither ist er Stammkunde. „Muss ich ja wohl, eine neue Maschine kann ich mir nicht leisten“, sagt der alleinstehende Bochumer schulterzuckend.

Nur in der Gruppe stark

Drei Euro 50 hat die Wäsche gekostet. Gut ein Drittel davon bleibt als Ertrag hängen im Unternehmen Waschsalon. „Wir müssen mit spitzem Bleistift rechnen“, sagt Waschsalon-Betreiber Matthias Schäfer-Taschke, dem im Ruhrgebiet fünf SB-Waschcenter gehören, weitere in Hamburg und Düsseldorf. Den Salon in Bochum betreibt er schon seit den 1970er Jahren. Das Geschäft, sagt er, ist schwieriger geworden: „Heute kann man nur noch in der Gruppe stark sein.“ Vor 16 Jahren schlüpfte er unter das Dach des Franchise-Unternehmens Eco-Express. 113 der insgesamt rund 500 Waschsalons in Deutschland tragen den mint-grünen Schriftzug des Marktführers, der eine Wäsche zu Preisen zwischen 1,90 und 3,50 Euro anbietet – frühmorgens wäscht es sich am günstigsten. Das alles in spartanischem, aber blitzblankem Ambiente. Sauberkeit sei für die Kunden noch vor Maschinenqualität und Preis besonders wichtig, so Geschäftsführer Matthias Meuthen. Er habe in den 21 Jahren, die sein Unternehmen am Markt ist, etliche Mitbewerber kommen und gehen sehen. Es sei eine Illusion zu glauben, mit einem Waschsalon lasse sich leichtes Geld verdienen.

Wirtschaftlich betreiben lässt sich ein Waschsalon nur mit einer entsprechenden Auslastung. Die Masse macht’s. Da 94 Prozent aller Haushalte eine eigene Waschmaschine besitzen, bedienen Waschsalons einen sehr begrenzten Markt, der nur in größeren Städten zu finden ist. Dort lebt eine ausreichende Zahl Singles und Studenten, die dreiviertel der Stammkundschaft ausmachen. Menschen also, die sich keine Waschmaschine leisten können oder wollen. Aber auch Metropolen sind kein Garant für gute Geschäfte. Meuthen: „Der Markt ist gesättigt. Für neue Waschsalons ist es schwer bis unmöglich.“

Investitionskosten für einen Eco-Express-Salon variieren je nach Standort. Durchschnittlich müsse man mit 120 000 Euro Kosten rechnen. Die Hälfte davon geht für die Maschinenausstattung drauf. Zu Buche schlagen auch die Einrichtung des Salons und die Umbaukosten der Anschlüsse. „Es muss alles leistungsfähiger sein als im heimischen Waschkeller.“

Wie viele Euro in den Münzschlitz im Waschsalon wandern müssen, um die Kosten zu decken, verrät Meuten nicht. Der Verband der Waschcenter-Betreiber rechnet vor, dass eine Auslastung von 35 Prozent notwendig ist, um einen Waschsalon gewinnbringend zu betreiben: Für einen Maschinenpark aus zehn Waschautomaten müssten die Trommeln in dieser Beispielrechnung 63 Mal pro Tag ins Schleudern kommen – und könnten so monatlich über den Daumen gepeilt 7000 Euro in die Kasse spülen. Abzuziehen sind die Kosten für Energie, Maschinenwartung, Versicherung, Miete und Personal.

Trotz ausgefeilter Automatentechnik und Online-Fernsteuerung geht es auch im Selbstbedienungsgeschäft nicht ganz ohne Menschen: Ein Vollzeit-Techniker kümmert sich bei Eco-Express um vier Läden, dazu kommt eine Putzkolonne, die nach Ladenschluss gründlich sauber macht. In einigen Salons sorgt stundenweise eine Aufsicht dafür, dass es reibungslos läuft.

Das ist Hannelore Walthers Job. Im Bochumer Waschsalon schaut sie nach dem Rechten, kümmert sich um verstopfte Flusensiebe und überschäumende Maschinen, erklärt Neukunden gerne die wundersame Welt des Waschautomaten. Wenn sie sich heute im Salon umschaut, ist sie zufrieden. Alle sind sie da: Waltraud aus Hattingen, die in den Maschinen mit Übergröße die Bettdecken wäscht; der Familienvater Tusevo Masakidi, der reisetaschenweise Wäsche angeschleppt hat, um gleich fünf Maschinen gleichzeitig zu befüllen; die Schauspielerin Charlene Markow, die für das Theater die Bühnenvorhänge reinigt.

Georg Oßenkamp hat’s geschafft. Maschine 21 ist durch. Er packt seine Klamotten in den blauen Trolley und zieht von dannen. Oßenkamp hat’s nicht weit nach Hause. Fünf Minuten bis zum Waschsalon.

 
 

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