Titan-Werk Essen steht zum Verkauf

Essen/Werdohl.  Turbulente Jahre liegen hinter dem Metallhersteller VDM. Nach der Trennung von Thyssen-Krupp lag das Unternehmen zwischenzeitlich in den Händen des finnischen Konzerns Outokumpu. Als die neuen Eigentümer in eine finanzielle Schieflage gerieten, sprang Thyssen-Krupp Ende 2013 wieder ein. Im Frühjahr dieses Jahres übernahm schließlich der Finanzinvestor Lindsay Goldberg Vogel (LGV) – mit dem langjährigen Klöckner&Co-Chef Thomas Ludwig und Ex-Thyssen-Lenker Dieter Vogel an der Spitze.

LGV ist nun 100-Prozent-Eigentümer von VDM. Entsprechend groß ist der Einfluss des Finanzinvestors. „Ein kurzfristiger Verkauf steht nicht auf dem Plan“, sagt Ludwig im Gespräch mit der NRZ. „Wir sind eingestiegen, um das Unternehmen langfristig weiterzuentwickeln.“ VDM beschäftigt derzeit rund 2000 Mitarbeiter, darunter 1600 in Nordrhein-Westfalen. „Wenn es gut läuft, sehen wir Chancen, Arbeitsplätze aufzubauen“, erklärt Niclas Müller, der Vorsitzende der VDM-Geschäftsführung. „Wir wollen wachsen.“

Standort-Garantiefür vier Werke

VDM war von Thyssen-Krupp im Zuge der Trennung vom Edelstahl-Geschäft verkauft worden. Das Unternehmen mit Sitz in Werdohl ist aber kein Stahlhersteller im eigentlichen Sinne, sondern ein Produzent metallischer Werkstoffe. Der wichtigste Rohstoff für VDM ist nicht Eisen, sondern Nickel. „Dass wir Spezialist sind, lässt sich auch an unserem Produktionsvolumen ablesen“, so Müller. „Wir stellen jährlich etwa 55 000 Tonnen Metall her. Zum Vergleich: Die deutsche Stahlindustrie produziert im Jahr mehr als 40 Millionen Tonnen.“ Die Kunden von VDM stammen aus der Auto-, Chemie- und Luftfahrtindustrie sowie der Medizintechnik.

VDM-Chef Müller war mehrere Jahre lang in Diensten von Thyssen-Krupp. Zur Frage, was die neuen Eigentümer anders machen können als Thyssen-Krupp, sagt LGV-Manager Ludwig: „Wir sind kein Konzern. Entsprechend gering ist unser Bürokratieaufwand. Wir analysieren präzise, entscheiden schnell und setzen effizient um.“ Müller pflichtet ihm bei: „Wir können uns voll und ganz auf das Geschäft konzentrieren, die zuweilen übliche Politik innerhalb eines Konzerns spielt keine Rolle.“

VDM habe mit der IG Metall einen Tarifvertrag abgeschlossen, der eine Standortsicherung für die NRW-Werke in Duisburg, Altena, Siegen und Werdohl bis September 2019 vorsieht, berichtet Ludwig. „Ausgenommen von der Standortsicherung haben wir die Titan-Produktion in Essen. Hier prüfen wir, wie wir weiter vorgehen.“ Denkbar sei, einen unternehmerischen Partner ins Boot zu holen. „Auch ein Verkauf ist möglich.“ In dem Titan-Werk, das sich in unmittelbarer Nähe zur Thyssen-Krupp-Zentrale befindet, arbeiten rund 80 Beschäftigte. Bislang war die Kernenergiebranche ein großer Abnehmer von Titan. „Dieser Bereich fällt absehbar weg“, so Ludwig. VDM prüfe gerade, ob es erfolgversprechend sei, mit einem Partner neue Zielbranchen zu erschließen.

Mit Blick auf VDM insgesamt gebe es große Wachstumspotenziale. „VDM ist kein Sanierungsfall. Das Unternehmen ist kerngesund“, sagt Ludwig, der auch Aufsichtsratschef des Essener Aluherstellers Trimet ist. Im Zuge der Übernahme seien VDM keine Schulden durch die neuen Eigentümer aufgebürdet worden, wie es gelegentlich bei Finanzinvestoren geschieht. VDM habe derzeit die gleiche Bilanzstruktur wie unter Thyssen-Krupp, „das gleiche Eigenkapital und keinen Euro mehr Schulden“.

 
 

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