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Thyssengas will enger mit Gazprom zusammenarbeiten

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Von der engeren Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Gazprom erhofft sich Thyssengas-Chef Axel Botzenhardt, Gas über die Pipeline Nordstream 2 ohne Umwege nach NRW zu bringen. Foto: Imago
Thyssengas strebt eine engere Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Gazprom an. Der Gasnetzbetreiber hofft auf positive Impulse für NRW.

Duisburg/Dortmund. 

Der nordrhein-westfälische Gasnetzbetreiber Thyssengas hofft durch eine engere Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Gazprom auf positive Impulse für Nordrhein-Westfalen. „NRW könnte zu einer neuen europäischen Gas-Drehscheibe aufsteigen“, sagte Thyssengas-Chef Axel Botzenhardt im Gespräch mit unserer Redaktion. „Diese Vision ließe sich innerhalb von zehn Jahren realisieren.“

Botzenhardt hält es für realistisch, einen Handelsplatz für langfristige Gasverträge in die Rhein-Ruhr-Region zu holen. „Ein wichtiger Baustein wäre eine Anbindung an die russischen Pipelines“, betont der Chef des traditionsreichen Gasnetzbetreibers, der über Verwaltungsstandorte in Dortmund und Duisburg verfügt.

Besonders im Blick: Pipeline-Projekt Nordstream 2

„Wir möchten enger mit Gazprom zusammenarbeiten, wie wir es seit Jahrzehnten mit den Niederlanden und Norwegen tun“, sagt Botzenhardt. Im Blick hat er insbesondere das umstrittene russische Pipeline-Projekt Nordstream 2 für Gaslieferungen von Sibirien nach Europa. Mit der neuen Verbindung soll die Kapazität der bestehenden Ostseepipeline etwa verdoppelt werden. Kritiker des Pipeline-Projekts befürchten eine zu große Abhängigkeit des Westens von Russlands Präsident Wladimir Putin.

„Unser Ziel ist eine direkte Anbindung an Nordstream 2, um russisches Gas ohne Umwege nach NRW zu transportieren“, erläutert Botzenhardt. „Hier gehen wir in Vorleistung und bringen unsere eigene Pipeline auf den Weg.“ Die Planungen von Thyssengas für eine rund 100 Kilometer lange Verbindung vom niedersächsischen Drohne mit Anbindung an den Speicher Rehden ins westfälische Epe laufen bereits. „Gemeinsam mit Partnern könnten wir rund 300 Millionen Euro in die Verbindung stecken“, kündigt Botzenhardt an.

Botzenhardt hofft auf „Rückenwind durch die NRW-Landesregierung“

Er hoffe bei seinen Plänen auch auf „Rückenwind durch die NRW-Landesregierung“, so der Thyssengas-Chef. Bisher befinde sich die wichtigste Gas-Drehscheibe in den Niederlanden. Das müsse aber nicht „für alle Zeiten gelten“, findet Botzenhardt. Angesichts der zentralen Lage in Europa biete sich die Rhein-Ruhr-Region als Börsenplatz für den Gashandel geradezu an. In Ratingen gibt es bereits einen kleineren Handelsplatz für kurzfristige Gasverträge. Am Betreiber Netconnect Germany ist Thyssengas mit 17 Prozent beteiligt.

Derzeit stammt das in Deutschland verbrauchte Gas vor allem aus Russland, Norwegen und den Niederlanden. „Das Gas aus den Niederlanden geht zur Neige“, mahnt Botzenhardt. „Spätestens im Jahr 2030 ist Schluss. Deshalb müssen wir nun handeln.“

Als Alternative gilt Gas, das in verflüssigter Form in Tankern nach Europa gebracht wird – aus der Nahost-Region und den USA. „Deutschland sollte sich möglichst viele Quellen für Gaslieferungen erschließen“, fordert Botzenhardt. „Für mich gibt es kein gutes oder schlechtes Gas. Ist amerikanisches Fracking-Gas etwa besser als Gas aus Katar oder Sibirien? Es wäre fahrlässig, sich darauf zu verlassen, dass immer genügend Gas mit Tankern nach Deutschland kommt.“

„Das ist gut für die Verbraucher“

„Investitionen in Pipelines sind auch strategische Entscheidungen“, gibt Botzenhardt zu bedenken. Sein Fazit: „Europa braucht Nordstream 2.“ Gas werde auf Jahrzehnte als Energieträger in Deutschland benötigt. „Wenn wir heute die falschen Weichen stellen, zahlen die Verbraucher in einigen Jahren die Zeche“, warnt der Thyssengas-Chef. Klar sei: „Wettbewerb drückt die Preise nach unten. Das ist gut für die Verbraucher.“ Und mit Blick auf den einen möglichen neuen NRW-Handelsplatz für Gasverträge sagt er: „Wo viel Gas gehandelt wird, bleiben auch Steuereinnahmen hängen.“