Thyssen-Krupp wünscht sich mehr Chefinnen

Barbara Thiel (44) soll dafür sorgen, dass die Belegschaft von Thyssen-Krupp vielfältiger wird.
Barbara Thiel (44) soll dafür sorgen, dass die Belegschaft von Thyssen-Krupp vielfältiger wird.
Foto: Lars Heidrich
Thyssen-Krupp soll weiblicher werden: Bis zum Jahr 2020 will der Essener Industriekonzern 15 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzen.

Essen. Die Vorstandsriege von Thyssen-Krupp bietet noch das gewohnte Bild: vier Stellen, vier Männer. Auch wenn sich die Zusammensetzung des wichtigsten Gremiums im Unternehmen wohl nicht so schnell ändern wird, soll bei Thyssen-Krupp der Anteil von Frauen an der Spitze spürbar steigen. „Wir wünschen uns mehr Frauen in Führungspositionen“, sagt die zuständige Personalmanagerin Barbara Thiel. Vor fünf Jahren seien bei Thyssen-Krupp nur rund sechs Prozent der Führungsstellen von Frauen besetzt worden. Heute sind es etwas mehr als zehn Prozent. Bis zum Jahr 2020 sollen es 15 Prozent werden. Zur Einordnung: Als Führungskräfte gelten bei Thyssen-Krupp etwa 1800 der weltweit 155 000 Beschäftigten. Derzeit liegt auch der Anteil von Frauen in der gesamten Belegschaft bei rund 15 Prozent.

Als Ingenieurkonzern beschäftigt Thyssen-Krupp traditionell vergleichsweise wenige Frauen. Neben dem Stahl prägen Geschäfte mit Aufzügen, Autoteilen, U-Booten und Industrieanlagen das Bild des Konzerns. Die Personalmanagerin Barbara Thiel soll nun dafür sorgen, dass die Belegschaft vielfältiger wird. „Ich bin nicht die Frauenbeauftragte von Thyssen-Krupp“, betont sie im Gespräch mit unserer Redaktion. „Vielfältig wird eine Belegschaft auch durch eine gemischte Altersstruktur, Internationalität, un­terschiedliche Kompetenzen oder Menschen mit und ohne ­Migra­tionshintergrund.“

Eine vielfältige Belegschaft helfe dabei, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, sagt Thiel. „Viele Studien zeigen: Je unterschiedlicher die Zusammensetzung eines Teams ist, desto erfolgreicher ist es. Wenn alle Menschen in einem Unternehmen gleich ticken, führt das zuweilen zu Betriebsblindheit.“

„Wir wollen keine Quoten-Frauen“

Doch wie soll die Belegschaft weiblicher und vielfältiger werden? Auf starre Vorgaben für die Personalverantwortlichen im weit verzweigten Firmengeflecht von Thyssen-Krupp verzichtet die Zentrale jedenfalls. Wichtiger sei, dass das Thema „in vielen Köpfen angekommen“ sei, sagt Barbara Thiel. Klar sei auch: „Wir wollen keine Quoten-Frauen. Eingestellt wird, wer die beste Qualifikation hat. Wir stellen aber sicher, dass Frauen dabei nicht mehr übersehen werden.“

Es gehe generell darum, die Vielfalt im Unternehmen zu fördern. „Wir neigen dazu, Menschen einzustellen, die uns ähnlich sind“, gibt die Personalmanagerin zu bedenken. „Das ist aber keine Garantie dafür, den besten Bewerber zu bekommen. Wir ermutigen die Personalverantwortlichen dazu, auch Menschen einzustellen, die keinen Standard-Lebenslauf haben.“ Zu einer toleranten Arbeitswelt gehöre auch, Mitarbeiter dabei zu unterstützen, sich offen zu ihrer sexuellen Orientierung zu bekennen, fügt Thiel hinzu. „Für uns ist es selbstverständlich, dass auch lesbische, schwule, bi- oder transsexuelle Mitarbeiter einen Platz bei Thyssen-Krupp haben.“

Elternzeit in Führungsposition

Barbara Thiel ist 44 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines 14 Monate alten Sohnes. Nach der Babypause hat sie ihre Arbeitszeit im Konzern Stück für Stück aufgestockt. Derzeit arbeitet sie auf einer 80-Prozent-Stelle. Die Juristin ist seit dem Jahr 2008 bei Thyssen-Krupp. Zuvor hat sie unter anderem bei einer Großkanzlei, einer Versicherung und einer Start-up-Firma gearbeitet.

„Wir wollen, dass Kinder und Karriere miteinander vereinbar sind“, sagt die Managerin. „Deshalb ermöglichen wir Arbeit im Home-Office, wir haben zum Beispiel am Konzernsitz eine Betriebskita und ein Eltern-Kind-Büro.“ Zur Vielfalt gehöre im Übrigen auch, Männer zu unterstützen, die sich mehr um ihre Kinder kümmern wollen. „Vor ein paar Jahren wären Männer, die Elternzeit nehmen, noch schräg angeguckt worden“, erzählt Thiel. „Das hat sich mittlerweile geändert. Auch Elternzeit in einer Führungsposition ist akzeptiert.“

 
 

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