Thomas Middelhoff hatte Millionen für Elite-Unis übrig

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Essen. Villa in St. Tropez, 33-Meter-Yacht, Immobilien-Geschäfte – der Insolvenzverwalter der Arcandor AG, Klaus Hubert Görg, stößt auf immer mehr dubiose Praktiken des früheren Vorstandschefs Thomas Middelhoff.

Nun wurde bekannt, dass er mit Millionen-Beträgen Elite-Universitäten unterstützte, während Karstadt-Mitarbeiter auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten mussten. „Wir überprüfen gerade, ob Gläubiger-Interessen geschädigt wurden”, sagte Thomas Schulz, Sprecher des Insolvenzverwalters, dieser Zeitung. Offen sei auch, ob Middelhoff die Sponsoren-Mittel im Alleingang oder mit Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat der Arcandor AG freigab. Der „Spiegel” jedenfalls zitiert ein namentlich nicht genanntes Ex-Aufsichtsratsmitglied mit der Aussage „Warum hätten wir etwas in Oxford fördern sollen?”

Fakt ist: Im Januar 2008 schloss der Arcandor-Vorstand einen Fünf-Jahres-Vertrag mit der Said Business School der englischen Eliteuniversität Oxford ab. Dafür zog Middelhoff in das renommierte Beratergremium der Uni ein. Unklar ist, ob Arcandor von den hohen Jahreszahlungen profitierte. 2008 waren es laut „Spiegel” umgerechnet rund 465 000 Euro, danach sollten es jährlich 250 000 Euro sein. Nach WAZ-Informationen ist es zweifelhaft, dass Arcandor-Manager wirklich – so wie vereinbart – an Seminaren in Oxford teilnahmen.

Obwohl Middelhoff Ende Februar 2009 aus dem Essener Handelskonzern ausstieg, verblieb er im Beirat der Oxforder Business School – laut Homepage der Hochschule als Vorstand und Gründungsmitglied der Londoner Unternehmensberatung Berger, Lahnstein, Middelhoff & Partner.

Bereits im Sommer kündigte der Arcandor-Insolvenzverwalter Görg die Sponsoring-Vereinbarung mit Oxford und noch eine weitere. Denn Middelhoff hatte ebenfalls 2008 einen Sechs-Jahres-Vertrag mit der Privat-Uni Witten/Herdecke geschlossen. Sie sollte jährlich 350 000 Euro zur Finanzierung des „Arcandor-Lehrstuhls für ethisch saubere Unternehmensführung” erhalten, bestätigte ein Sprecher der Hochschule. Das Geld floss aber nur 2008. Das Institut musste deshalb zwei Stellen abbauen. Kommentar

 
 

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