Stromkonzern Steag steht unter „enormem Druck“

Tobias Bolsmann
Das Steag-Kraftwerk in Duisburg-Walsum bereitet dem Unternehmen Kummer. Foto: Hans Blossey
Das Steag-Kraftwerk in Duisburg-Walsum bereitet dem Unternehmen Kummer. Foto: Hans Blossey
Foto: Hans Blossey
Der Essener Energiekonzern Steag sieht sich in den kommenden Jahren unter enormem Druck. Deshalb verordnet sich das Unternehmen ein straffes Sparprogramm. Rund 200 Stellen fallen weg, außerdem könnten ältere Kohlekraftwerksblöcke früher abgeschaltet werden als geplant.

Essen. Es ist gerade mal ein halbes Jahr her, da sagte die Steag mit ihren neuen Stadtwerke-Eigentümern den großen vier Energiekonzernen den Kampf an. Davon ist keine Rede mehr. Der Essener Energieerzeuger hat sich ein Sparprogramm verordnet. „Weil wir in Zukunft unter enormem Druck stehen“, sagte Geschäftsführer Joachim Rumstadt bei der Vorstellung der Eckpunkte.

So sollen bis Ende 2013 pro Jahr rund 20 Millionen Euro allein in den Verwaltungen an Ruhr und Saar gespart werden. Etwa 200 Stellen – auch in den Kraftwerken – werden gekappt. Rumstadt sprach von „schmerzlichen, aber notwendigen Einschnitten“ vor dem Hintergrund der besonderen Herausforderungen durch die Energiewende. Das Sparprogramm ist im März gestartet worden, das Ziel sei eine sozialverträgliche Umsetzung. Die Mitarbeiter seien in den vergangenen Tagen persönlich unterrichtet worden. Diesen Satz kann man auch als Seitenhieb auf den Energieriesen Eon verstehen. Dort erfuhren die Mitarbeiter vor wenigen Wochen aus den Medien, dass Deutschlands Branchenprimus rund 11 000 Stellen streichen will. Steag-Chef Rumstadt strebt schon in den nächsten Tagen die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit dem Konzernbetriebsrat an, die betriebsbedingte Kündigungen bis 2016 ausschließt.

Alte Kohlekraftwerksblöcke könnten früher vom Netz gehen als geplant

Neben dem anvisierten Stellenabbau drohen weitere Einschnitte: Ab 2015 könnten die alten Steinkohle-Kraftwerksblöcke Herne 3, Lünen sowie West 1 und 2 in Voerde vom Netz gehen. Eigentlich sollten sie bis 2020 laufen, doch sie rechnen sich kaum noch. Die gestiegenen Kohlepreise fressen den Strompreisanstieg nach dem Atom-Moratorium wieder auf. Außerdem drücken immer größere Mengen Ökostrom ins Netz. Das hat zur Folge, dass die Kohlekraftwerke weniger Betriebszeiten bekommen und deshalb unwirtschaftlich werden. Ein Abschalten der Blöcke hätte den Abbau von weiteren 400 Stellen zur Folge.

Weiter Kummer bereitet der Neubau in Duisburg-Walsum. Dort verhindert fehlerhafter Stahl im Kessel die Inbetriebnahme. „Das ist ein herber Rückschlag für uns“, so Rumstadt. Er deutete an, dass Kraftwerksbauer Hitachi für die Einnahme-Ausfälle geradestehen müsse. Ob in vollem Umfang oder nur teilweise blieb zunächst ebenso offen wie die Schadenssumme.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung stellt sich die Frage, ob die Stadtwerke mit 650 Millionen Euro nicht zu viel für die Übernahme von 51 Prozent gezahlt haben. Rumstadts philosophische Antwort: „Der Verkaufszeitpunkt ist immer falsch.“

Stadtwerke als mögliche neue Kunden

Die einstige Ertragsperle des RAG-Konzerns wies 2010 eine ausgesprochen positive Bilanz aus. Bei einem Umsatz von 2,8 Milliarden Euro blieb ein Gewinn vor Steuern und Abschreibungen von 437 Millionen Euro. Auch im laufenden Jahr sei man gut unterwegs, so Rumstadt. Mit dem Sparprogramm wolle man vorbeugen, ehe den Konzern eine ernste Situation ereilt habe.

Doch er sieht auch Chancen für die Steag. Gerade Stadtwerke hat Rumstadt als neue Kunden ins Visier genommen. Bei über 1000 Stadtwerken in Deutschland böte sich viel Potenzial. „Steag und Stadtwerke ergänzen sich hervorragend.“

Außerdem will die Steag verstärkt Großkunden gewinnen und Dienstleistungen anbieten. Und der Ökostromanteil von sechs Prozent soll ausgebaut werden. 18 Prozent der Investitionen im laufenden Jahr fließen in den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Darüber hinaus böte das Auslandsgeschäft viele Chancen, Rumstadt nannte die Türkei als interessanten Markt.