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Rüsche für Berlinale nominiert

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Foto: WR
Ob Angelina Jolie zum Abendessen ins Gropius Mirror kommt, wissen Oli Rüsche und sein Team nicht. Die Attendorner Caterer bekochen beim Filmfestival in Berlin im Gropius Mirror normale Gäste ebenso gerne wie Stars.

Attendorn. 

Am Donnerstag beginnen die Berliner Filmfestspiele. Zehn Tage dauert die 62. Berlinale. In diesem Jahr erstmals dabei ist ein Ensemble aus dem Sauerland – nominiert für bestes Catering ist das Unternehmen Rüsche aus Attendorn.

Das Team um Juniorchef Oli Rüsche wird im Spiegelzelt, dem „Gropius Mirror“, mit gut 200 Plätzen zusammen mit „Bio Buffet“ aus Berlin Stars und Sternchen umsorgen – und solche, die es sich leisten können und wollen, ein Ticket für das Festivalprogramm „Kulinarisches Kino“ zu lösen.

Servieren mit Stoppuhr

Dass die Attendorner Profis dabei sind, ist schon eine bärenstarke Auszeichnung an sich, kommt aber nicht von ungefähr. Rüsche Catering ist in der Region Südwestfalen längst eine erste Adresse, wenn es um Catering geht. Vom Dinner im kleinen, privaten Rahmen bis zur großen Jubiläumsfirmenfeier mit tausenden Gästen und Kanzlerin am Teller wie bei der 225-Jahrfeier von Kirchhoff reicht das Spektrum.

Entstanden ist das Unternehmen, als Senior Rolf Rüsche in Neu-Listernohl vor rund 40 Jahren eine Eckkneipe übernahm, mit Schnitzel und Fassbier. Daraus entwickelte sich später das Sternerestaurant „Le Pâté. „Kochen ohne Karte“, schwärmt Rolf Rüsche heute noch. Als Ende der 80er Jahre der Trend „ich bleib zu Hause“ hieß, ließ sich die Gastronomenfamilie etwas Naheliegendes einfallen: Partyservice. Heute bietet das 30-köpfige Team Eventmanagement von A bis Z.

Mit dem Projekt Catering bei der Berlinale beschäftigt sich der studierte Architekt und Juniorchef Oli Rüsche bereits seit letztem Sommer. Nicht ungewöhnlich, denn für solche Aufträge gibt es immer ein dezidiertes Drehbuch. Werkshallen werden zu Festsälen umgeplant, zur Not auch im laufenden Betrieb. Kulturelles Beiprogramm wird erarbeitet, Abläufe werden genau geplant, vom Einsatz des Gabelstaplers, über Größe und Gewicht der Steaks, die für Hunderte Gäste zeitnah und in identischer Qualität auf dem Teller liegen müssen, bis zur letzten Serviette. „Wir sind da schon pedantisch, laufen mit der Stoppuhr die Wege vorher ab“, erzählt Oli Rüsche.

Im Gropius Mirror muss das nicht sein, hier muss das Rüsche-Team nicht inszenieren. Vieles ist vorgegeben. Festivalchef Dieter Kosslick ist Vegetarier. Also hat die Karte zum Kulinarischen Kino einen recht biodynamischen Schwerpunkt. Rotkohlcappucchino mit Zimtsahne als Vorspeise, Quiche vom Teltower Rübchen mit Petersilienmousse oder Berliner Bratapfel mit Mandeln und Vanilleeis – der Festivalchef mag es bodenständig, möglichst mit Zutaten aus der Region. „Geschmack ist eine Sache der Erfahrung, die man auch im Kulinarischen Kino der Berlinale machen kann“, findet Kosslick, der dabei nicht nur in puncto Nachhaltigkeit auf Know-How aus dem Sauerland vertraut.

„Vom Job her ist es egal, ob der Gast in der Kantine sitzt oder beim Filmfestival. Er muss zufrieden sein“, lautet das Credo des 36-jährigen Kochs Timo Sommer. Gemeinsam mit dem Kochkollegen Christian Kaufmann (30) vertritt er das Rüsche-Team in Berlin am Herd – und arbeitet den Stars der Branche zu. Nach den Filmen des Hauptprogramms um 19.30 Uhr servieren Spitzenköchin Sonja Frühsammer und die Sterneköche Michael Kempf, Christian Lohse, Marco Müller aus Berlin sowie Andoni Luis Aduriz aus dem Baskenland im Spiegelzeltrestaurant „Gropius Mirror“ jeweils ein Menü, das vom Film des Abends inspiriert ist.

Gastrolle für Seniorchef

„Dass wir bei der Berlinale sind, ist schon etwas Besonderes. Es ist super, weil wir noch einmal viel lernen können“, freut sich Oli Rüsche auf den Job. Senior Rolf Rüsche (65) kümmert sich derweil um das Alltagsgeschäft im beschaulichen Sauerland. „Vielleicht fahre ich am Wochenende auch mal nach Berlin“. Mindestens eine Gastrolle müsste sich für den Seniorchef wohl finden lassen.