Revier-Wirtschaftsförderer demonstrieren Geschlossenheit

Frank Meßing
WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock (l.) lud die Wirtschaftsförderer vor Ruhrgebietskulisse zum Gespräch ein: v.l. Frank Lichtenheld (Oberhausen), Ralf Meyer (Bochum), Ralf Meurer (Duisburg), Christopher Schmitt (Gelsenkirchen), Sabine Wißmann (Bottrop), Jürgen Schnitzmeier (Mülheim), Rasmus C. Beck (Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr), Thomas Westphal (Dortmund) und Dietmar Düdden (Essen).
WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock (l.) lud die Wirtschaftsförderer vor Ruhrgebietskulisse zum Gespräch ein: v.l. Frank Lichtenheld (Oberhausen), Ralf Meyer (Bochum), Ralf Meurer (Duisburg), Christopher Schmitt (Gelsenkirchen), Sabine Wißmann (Bottrop), Jürgen Schnitzmeier (Mülheim), Rasmus C. Beck (Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr), Thomas Westphal (Dortmund) und Dietmar Düdden (Essen).
Foto: Ralf Rottmann
Die Wirtschaftsförderer werben nicht nur auf der Expo Real um Investoren fürs Revier. Schulterschluss demonstrieren sie auch in der täglichen Arbeit.

Essen. Die Wirtschaftsförderer des Ruhrgebiets demonstrieren Geschlossenheit. Bei der Immobilienmesse Expo Real in München werben sie gerade an einem gemeinsamen Stand um internationale Investoren. Wenige Tage zuvor hatten sie der WAZ-Redaktion einen Besuch abgestattet.

Der Mangel an Industrieflächen, das nach außen hin immer noch schlechte Image des Reviers, die hohen Gewerbesteuersätze – Probleme, unter denen die Großstädte der Region allesamt leiden. Es vergeht kein Tag, an dem nicht die kommunale Zusammenarbeit beschworen wird, die ein Hebel dafür sein soll, die Probleme des Ruhrgebiets in den Griff zu bekommen.

Internationale Wahrnehmung

Die Wirtschaftsförderer jedenfalls sehen für sich auf diesem Feld keinen Nachholbedarf. „Die Wirtschaftsförderer im Ruhrgebiet ar­beiten eng zusammen. Wir wissen, dass im Kampf um internationale Wahrnehmung eine Stadt allein im Wettbewerb der Metropolen nicht bestehen kann“, sagt Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr GmbH, die eine Art Klammer für die kommunalen Wirtschaftsförderer bildet. Für Thomas Westphal (Dortmund) ist „kleinteiliges regionales Konkurrenzdenken nun wirklich fehl am Platze“. Er betont vielmehr, dass Dortmund von den „engen wirtschaftlichen Austauschbeziehungen mit dem Ruhrgebiet und Westfalen“ profitiere.

Ohne den Schulterschluss, davon ist Ralf Meurer (Duisburg) überzeugt, werde das Revier im Ausland gar nicht wahrgenommen. „Wenn wir nicht als Metropolregion auftreten, wird uns beispielsweise in Asien keiner auf dem Investitionsradar haben“, sagt er und nennt ein Beispiel: Die Chinesen hätten für ihren Handelsweg „Neue Seidenstraße“ zwar Duisburg als Start- und Zielbahnhof festgelegt, mit der regelmäßigen Zugverbindung aber die gesamte Region im Blick.

Finanzielle Unterstützung durch den Bund

Mit günstigen Steuersätzen und guten Flächenangeboten haben sich ohnehin die Rheinschiene und Südwestfalen zur Hauptkonkurrenz des Ruhrgebiets entwickelt. „Im Wettstreit der Regionen ist der Erhalt eines Unternehmens in der Region wichtiger als der Verlust des Unternehmens an die Nachbarkommune“, zeigt Dietmar Düdden (Essen) das Dilemma auf. Dass die Ruhr-Wirtschaftsförderer „sehr gut, effizient und ausgesprochen kollegial“ zusammenarbeiten, ist für Sabine Wißmann (Bottrop) ei­ne wesentliche Voraussetzung, damit sich das Ruhrgebiet gegen Konkurrenz behaupten könne.

Bei so viel Einigkeit ist es kein Wunder, dass die Äußerung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in der WAZ, das Ruhrgebiet habe schon ausreichend Subventionen erhalten und solle aufhören zu jammern, auf den Unmut der Wirtschaftsförderer stößt.

„Die Ruhrgebietsstädte sind strukturell unterfinanziert“, erklärt Christopher Schmitt (Gelsenkirchen). Sie hätten hohe Kosten für Langzeitarbeitslose und den Sanierungsstau bei der Infrastruktur zu schultern. Analog zum Solidaritätszuschlag für den Osten brauche das Revier finanzielle Unterstützung durch den Bund, fordert Schmitt.

Megathema Digitalisierung

Der durch Lammert entfachten Debatte kann Jürgen Schnitzmeier (Mülheim) allerdings auch eine positive Seite abgewinnen: „Es gibt bekanntlich nicht den einen, richtigen Weg. Und auch innerhalb der Region können unterschiedliche Strategien für Teilregionen erfolgreich sein.“

Frank Lichtenheld (Oberhausen) ruft dazu auf, dem Eindruck Außenstehender entgegenzuwirken, „im Ruhrgebiet dauert alles viel zu lange, weil die politische Lage so schwierig ist“.

Eines der großen Themen bleibt für alle Städte die Digitalisierung. „Wir gestalten das Ruhrgebiet schon heute so, dass es die Herausforderungen des digitalen Wandels meistert“, zeigt sich Ralf Meyer (Bochum) optimistisch. Er ist davon überzeugt, dass die digitale Infrastruktur und IT-Sicherheit wesentliche Voraussetzungen sind, „weitere Unternehmen anzulocken und gut ausgebildete Fachkräfte in der Region zu halten“.