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Revier-Stadtwerke planen Millionen-Deal in Sachen Steag

Revier-Stadtwerke planen Millionen-Deal in Sachen Steag

Bald soll der Energiekonzern Steag ganz allein Stadtwerken aus Bochum, Dortmund, Duisburg, Dinslaken, Essen und Oberhausen gehören. Weitere 600 Millionen Euro kostet dieses Vorhaben die Stadtwerke. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit für das Geschäft soll ausgerechnet von der Steag selbst kommen.

Essen. 

Schon der erste Deal in Sachen Steag war ein ebenso großes wie umstrittenes Geschäft: 650 Millionen Euro haben sich Stadtwerke aus den finanzschwachen Revierkommunen Bochum, Dortmund, Duisburg, Dinslaken, Essen und Oberhausen ihren 51-Prozent-Anteil an Deutschlands fünftgrößtem Energiekonzern kosten lassen. Nun wollen die kommunalen Betriebe nachlegen und auch das 49-Prozent-Paket kaufen, das derzeit noch beim Essener Industriekonzern Evonik liegt. Etwa 600 Millionen Euro kostet es die Stadtwerke, zum Alleineigentümer der Steag aufzusteigen. Einen Großteil des Geldes sollen Banken über Kredite finanzieren.

Bemerkenswert ist auch: Die Steag soll den Stadtwerken Geld leihen, um ihre eigene Übernahme mitzufinanzieren. So steht es in Aufsichtsratsunterlagen, die dieser Zeitung vorliegen. Demnach soll die Steag ein Darlehen im Volumen von 150 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Auch Stadtwerke sollen 175 Millionen Euro beisteuern

Auch die Stadtwerke müssen tief in die Tasche greifen, um die Steag-Übernahme komplett zu machen. Als Eigentümer der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG), die den Deal abwickelt, sollen die Stadtwerke 175 Millionen Euro beisteuern – etwa 30 Prozent des Kaufpreises. Dies sei „Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Bankdarlehen“, heißt es in den Unterlagen für die Aufsichtsratssitzung am kommenden Freitag (27. Juni). Die Transaktionskosten für den Steag-Deal werden auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Die KSBG müsse auch die Rechtsberatungskosten der finanzierenden Banken übernehmen.

Die Steag steht unter besonderer Beobachtung der Politik. Schließlich befindet sich der Essener Energiekonzern seit dem Frühjahr 2011 mehrheitlich in der Hand von Stadtwerken aus sechs Revierkommunen mit angespannter finanzieller Lage.

Durch die Energiewende ist das Geschäft der Steag nicht gerade leichter geworden. Dass Ökostrom vorrangig ins Netz eingespeist wird, macht auch den Kohlekraftwerken der Steag zu schaffen. Viele der Anlagen befinden sich in NRW – in Bergkamen, Duisburg-Walsum, Herne, Lünen und Voerde. Gute Geschäfte macht die Steag im Ausland – zum Beispiel in Kolumbien, auf den Philippinen und in der Türkei. Dass sich eine Stadtwerke-Firma jenseits kommunaler Grenzen tummelt, ist politisch umstritten. Allein in Indien zählt die Steag mehr als 1000 Mitarbeiter.

„Hätte Evonik das Unternehmen behalten, hätten wir viel Geld versenkt“

Der Preis, den die Stadtwerke für das 49-Prozent-Paket zahlen müssen, war schon beim Erwerb der 51-Prozent-Beteiligung festgelegt worden. Doch ist die Steag wirklich gut 1,2 Milliarden Euro wert? „Hätte Evonik das Unternehmen behalten, hätten wir viel Geld versenkt“, sagte unlängst Evonik-Aufsichtsratschef Werner Müller.

In Kreisen der Stadtwerke heißt es dagegen, die Übernahme habe sich ausgezahlt. Die Kommunale Beteiligungsgesellschaft (KSBG) profitiere von Gewinnausschüttungen der Steag. Die Haushalte der Kommunen, in denen die beteiligten Stadtwerke ihre Heimat haben, seien von der Finanzierung der Übernahme nicht betroffen.

Wie erwähnt, soll allerdings die Steag 150 Millionen Euro als Kredit beisteuern, damit der Deal über die Bühne gehen kann. Und dieser Plan ist gar nicht so einfach umzusetzen, wie aus den Aufsichtsratsunterlagen hervorgeht. Denn das Steag-Darlehen soll erst ausgezahlt werden, „nachdem die KSBG als alleinige Gesellschafterin der Steag eine entsprechende Weisung erteilt hat“. Daher sei für den Übergang ein Kurzzeitdarlehen über 150 Millionen Euro bei den finanzierenden Banken erforderlich.

Banken stellen Bedingungen für Kreditvergabe

Kreditzusagen mehrerer Banken für den gesamten Deal liegen der KSBG dem Vernehmen nach vor. Es sei aber möglich, dass es noch zu kleineren Verzögerungen komme, da derzeit die endgültige Zusage aus zwei Bankhäusern fehle.

Mehrere Bedingung für den Kreditvertrag soll es auch geben, wie den Unterlagen für den Aufsichtsrat zu entnehmen ist: Die KSBG soll ihre Steag-Anteile als Sicherheit an die finanzierenden Banken verpfänden. Und sollten die Stadtwerke bei der Steag aussteigen wollen, sollen die Banken berechtigt sein, die Rückzahlung des gesamten Kreditvolumens zu fordern.

Schon am heutigen Montag (23. Juni) soll die Übernahme während einer Aufsichtsratssitzung der Steag besprochen werden. Für Freitag (27. Juni) ist ein Treffen der KSBG-Aufsichtsräte geplant. Bis Mitte Juli sei dann Zeit, um die Stadträte zu informieren, heißt es in den Aufsichtsratsunterlagen. Bereits Ende September soll die Übernahme abgeschlossen sein.