Rennen um den RRX - Bahn-Betriebsräte kritisieren VRR

Michael Kohlstadt
Der RRX soll ab 2018 über die NRW-Gleise rollen. Bei der Bahn sind viele Stellen bedroht.
Der RRX soll ab 2018 über die NRW-Gleise rollen. Bei der Bahn sind viele Stellen bedroht.
Foto: dpa
Das Aus beim Rhein-Ruhr-Express bedroht ein Fünftel der 4000 Bahn-Stellen in NRW. Den Mitarbeitern drohen Versetzungen, befürchtet der Betriebsrat.

Essen. Das erwartete Aus der Deutschen Bahn im Rennen um den Betrieb der geplanten Rhein-Ruhr-Express-Linien (RRX) dürfte weitreichende Konsequenzen für die Mitarbeiter des Staatskonzerns in Nordrhein-Westfalen haben. Die Betriebsräte der Bahn-Regionalgesellschaft DB Regio fürchten, dass rund ein Fünftel der insgesamt knapp 4000 Stellen in NRW zur Disposition stehen.

Neben dem Wegfall von rund 130 Arbeitsplätzen an den Werkstattstandorten der Bahn in Dortmund, Düsseldorf, Aachen und Münster könnten auch zahllose Lokführer, Zugbegleiter und Kundenbetreuer ihren bisherigen Arbeitsplatz verlieren. Den Werkstätten droht der Jobabbau, weil bereits feststeht, dass Siemens die RRX-Fahrzeuge nicht nur bauen, sondern auch warten wird, nicht mehr die Bahn.

Mitarbeitern droht Versetzung

„Wir gehen davon aus, dass nun auch das gesamte Zugpersonal der Linien, auf denen später der RRX rollen soll, betroffen ist“, sagte Betriebsratsvorstand Wilfried Otten dieser Zeitung. Allein im Bereich des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) müssen sich nach Berechnungen der Betriebsräte rund 200 Lokführer und 250 Zugbegleiter auf tiefgreifende Weichenstellungen im Job einstellen. Hinzu kämen rund 50 Beschäftigte in den Leitstellen und in der Verwaltung.

Wegen der Beschäftigungssicherung im Bahn-Konzern seien betriebsbedingte Kündigungen zwar ausgeschlossen. Den Mitarbeitern drohe aber eine Versetzung innerhalb Nordrhein-Westfalens und darüber hinaus, sagte Otten.

Bahn bekam nicht den Großauftrag

Dass die Bahn beim RRX leer ausgeht, steht offiziell noch gar nicht fest. Allerdings informiert das Management von DB Region die Belegschaft gerade darüber, dass die Bahn bei der Vergabe des Großauftrags der Verkehrsverbände den Kürzeren gezogen hat. Gestern fand eine entsprechende Mitarbeiterversammlung in Düsseldorf statt. Der für morgen geplante Termin in Dortmund wurde wegen des Lokführerstreiks zunächst abgesagt. DB Regio-Chef Heinrich Brüggemann versprach den Bahnmitarbeitern, möglichst viele von ihnen in Nordrhein-Westfalen zu halten. Nach dem Verlust des RRX-Auftrages werde die Bahn in NRW aber nur noch rund 40 Prozent des Streckennetzes betreiben.

Die Betriebsräte werfen den Verkehrsverbünden, darunter dem VRR, eine verfehlte Ausschreibungspolitik vor. Es sei versäumt worden, verbindlich festzuschreiben, dass der neue Betreiber das vorhandene Personal übernehmen müsse.