Pannen-Kraftwerk Datteln droht Bahn als Kunden zu verlieren

Seit 2009 ruht die Baustelle des Eon-Kraftwerks Datteln 4. Die Genehmigung für den Weiterbau erwartet der Konzern Anfang 2016.
Seit 2009 ruht die Baustelle des Eon-Kraftwerks Datteln 4. Die Genehmigung für den Weiterbau erwartet der Konzern Anfang 2016.
Foto: www.blossey.eu
Die Bahn will aus dem Vertrag mit Eon aussteigen und verhandelt offenbar mit der Steag. Ein Wechsel hätte Auswirkungen für das Kraftwerk Datteln.

Essen/Datteln.. Dem Pannen-Kraftwerk Datteln 4 droht neues Ungemach: Der Energiekonzern Eon als Betreiber musste sich 2009 nicht nur einem Baustopp beugen. Nach „Handelsblatt“-Informationen droht Eon nun auch der Verlust eines Großkunden, der ein Drittel des Stroms aus Datteln abnehmen soll. Die Deutsche Bahn, schreibt die Zeitung, verhandele alternativ mit dem Essener Wettbewerber ­Steag.

Alle Beteiligten hüllen sich nach außen in Schweigen. Die Zukunft des Kraftwerks Datteln sei ein „hoch politisches Thema“, heißt es in Kreisen der Steag. Aus der Reaktion des Sprechers Jürgen Fröhlich „Wir äußern uns nicht zu laufenden Verfahren“ ist freilich herauszu­hören, dass die Bahn tatsächlich bei der Steag angeklopft haben mag.

Strom für den Zugverkehr im Ruhrgebiet

Das Staatsunternehmen selbst gibt sich diplomatisch: Die Bahn ­habe im Ruhrgebiet einen Leistungsbedarf von rund 400 Megawatt, teilt Sprecher Lutz Müller mit. „Dieser Bedarf wird im Wesent­lichen durch Eon gedeckt. Dabei kommt dem Kraftwerk Datteln eine wesentliche Rolle zu“, heißt es aus Berlin. Müller erklärte weiter, dass die Bahn derzeit in Gesprächen mit Eon sei, „wie dieser Bedarf zukünftig weiter gedeckt werden soll“.

Die 413 Megawatt Strom, die die Bahn von Eon bezieht, entsprechen ungefähr einem Drittel der Kapa­zität, die Datteln 4 produzieren kann. Insofern ist der Staatsbetrieb ein bedeutender Kunde für den Versorger, der laut „Handelsblatt“ jährlich mehrere Hundert Millionen Euro in die Eon-Kasse spült.

Bahn will bessere Konditionen

Doch als der Abnahmevertrag vor acht Jahren geschlossen wurde, lag der Strompreis sehr viel höher als heute. An der Leipziger Strombörse kostete die Megawattstunde im Jahr 2007 noch rund 50 Euro. Durch den Boom von Sonnen- und Wind­energie ist er inzwischen auf rund 30 Euro gesunken.

Vor diesem Hintergrund will die Bahn nun offenbar günstigere Konditionen aushandeln und aus dem teuren Vertrag mit Eon aussteigen.

Ungünstiger Zeitpunkt für Eon

Bei Eon gibt man sich indes gelassen: „Wir stellen die Lieferung von Bahnstrom und die Bereitstellung von Fernwärme für das nördliche Ruhrgebiet sicher. Wir gehen davon aus, dass auch unsere Vertragspartner ihre Verpflichtungen erfüllen“, sagt Sprecher Josef Nelles.

Das Machtspiel mit der Bahn trifft Eon zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern befindet sich mitten in der Aufspaltung. Während die neue Eon mit den erneuerbaren Energien gerade nach Essen umgezogen ist, wird in Düsseldorf mit Uniper ein neues Unternehmen aufgebaut, in dem das Geschäft mit konventionellen Kraftwerken aufgehen soll. Deshalb muss auch der Vertrag mit der Bahn umgeschrieben werden. Die Gespräche darüber nutzt der Mobilitätskonzern nun offenbar, um Eon bei den Konditionen herunterzuhandeln.

Inbetriebnahme spätestens 2018 erwartet

Eon zeigt sich aber auch zuversichtlich, dass das Kraftwerk Datteln in etwa zwei Jahren in Betrieb gehen kann. „Wir rechnen mit der Erteilung der Bau- und Betriebsgenehmigung Anfang 2016“, so Eon-Sprecher Nelles. Nach Protesten von Umweltschützern und Klagen eines Landwirts und eines Anwohners hatte das Oberverwaltungsgericht Münster den Bebauungsplan für ungültig erklärt und die Baustelle im September 2009 stillgelegt.

Das Kraftwerk, so die Begründung der Richter, werde nicht in gebührendem Abstand zur Wohnbebauung errichtet. Bis dahin hatte Eon bereits rund eine Milliarde der Gesamtinvestition von 1,2 Milliarden Euro verbaut. Datteln 4 sollte ursprünglich im Jahr 2011 ans Netz gehen und die alten Steinkohleblöcke 1, 2 und 3 ersetzen.

Das Kraftwerk soll nun doch vollendet werden können, nachdem der Regionalverband Ruhr Ende 2013 den Regionalplan so verändert hatte, dass Datteln 4 genehmigt werden kann. Die nächste Klage haben die Gegner bereits angekündigt.

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