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Neue Zeche für die Stahlkocher?

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Essen. 

. Laut RAG gibt es ernsthaftes Interesse privater Investoren an einer neuen Kokskohlenzeche in Hamm. Thyssen-Krupp weist Gespräche zurück.

Lange Zeit war es still geworden um das schwarze Gold, das in der Tiefe des westfälischen Bodens bei Hamm lagert: Kokskohle, wie Erz ein unersetzlicher und hochwertiger Rohstoff für die Stahlproduktion. Und immer, wenn die Preise an den Rohstoffmärkten durch die Decke schießen, kommt das gleichsam einem Weckruf für eine Art Bergbau-Untoten gleich: Eine neue Zeche soll her, die das Kokskohlenfeld Donar bei Hamm ausbeutet.

Jetzt ist es wieder soweit. Thyssen-Krupp Stahl (TKS) soll ein „sehr großes Interesse” an der Fortführung der Aufschlusspläne für das Feld Donar haben, heißt es. Bei dem Kohleförderer RAG in Herne wollte man den Namen TKS nicht bestätigen, es gebe aber „Gespräche mit einem ernsthaften Interessenten”, sagte ein Sprecher gestern zu unserer Zeitung. Über diese Verhandlungen sei Stillschweigen vereinbart worden.

Ein TKS-Sprecher sagte: „Es gibt keine Gespräche über Donar.” Die Förderung in Deutschland sei gemessen an den Weltmarktpreisen viel zu teuer. Im Umfeld des Herner Konzerns heißt es, man sei sehr positiv überrascht gewesen über das große Interesse des potenziellen Investors. Die Gespräche würden seit einigen Wochen auf Vorstandsebene geführt.

Zunächst ginge es um die Fortführung der Aufschlusspläne für das Feld, das etwa 100 Millionen Tonnen Kokskohle berge. Die subventionierte RAG darf die Planungskosten, die auf etwa eine Million Euro pro Jahr beziffert werden, nicht übernehmen. Die Planungen dürften höchstens noch fünf Jahre in Anspruch nehmen. Nach etwa weiteren fünf Jahren Bauzeit könnte die neue Zeche die erste Kokskohle fördern. Also so um das Jahr 2020 herum.

So ist das mit den Untoten. Wenn es nach dem früheren RAG-Chef Werner Müller gegangen wäre, der mit der Zeche Donar bereits im Jahr 2005 eine Wende in der Rohstoffpolitik einleiten wollte, wäre der erste Kumpel bereits im Jahr 2013 eingefahren.

Die Stahlindustrie winkte allerdings bereits damals schon ab. Zu teuer, hieß es. Die Unternehmen könnten sich auch auf dem Weltmarkt mit Kokskohle eindecken. Die Förderung in den deutschen Lagerstätten, die zwischen 900 und 1500 Metern Tiefe liegen, sei schlicht zu aufwändig.

Inzwischen zeigt sich allerdings die Stahlindustrie alarmiert, weil die Rohstofflieferanten von Erz, aber auch von Kokskohle, keine langfristigen, ein Jahr lang laufenden Lieferverträge mehr eingehen wollen und gleichzeitig starke Preisaufschläge durchsetzen. Der Kokskohlepreis hat sich in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt. Hintergrund ist wie vor zwei Jahren die starke Nachfrage aus Asien. Für die Erzeugung einer Tonne Rohstahl benötigen Stahlkonzerne 1,5 Tonnen Eisenerz und etwa 0,6 Tonnen Kokskohle.

Die Preisspanne für die Tonne Kokskohle soll im laufenden Jahr bei 170 bis 180 Dollar je Tonne liegen. Der Einkauf verteuert sich für europäische Hersteller zudem durch den schwächelnden Euro. Der Preis für die Förderung deutscher Kokskohle einschließlich der Verkokung liegt nach früheren Angaben bei 200 bis 250 Euro je Tonne.

Wilhelm Segerath, Betriebsratschef und Aufsichtsratsmitglied von Thyssen-Krupp Stahl, sagte, er wissen nichts von Gesprächen mit der RAG über das Feld Donar. „Ich würde das aber begrüßen”, so Segerath. Es ginge um den Erhalt der industriellen Wertschöpfungskette in Deutschland. „Es ist wichtig, dass wir ein nationales, besser noch europäisches Rohstoffkonzept auflegen”, sagte Segerath.