Mode-Imperium insolvent - der Niedergang der Steilmann-Gruppe

Klaus Steilmann baute in Wattenscheid einen Modekonzern auf. 2009 starb der prominente Unternehmer.
Klaus Steilmann baute in Wattenscheid einen Modekonzern auf. 2009 starb der prominente Unternehmer.
Foto: ullstein bild
Der Wattenscheider „Weltbürger“ Klaus Steilmann baute einst einen der größten Modekonzerne Europas. Nach der Insolvenz bleibt nicht viel vom einstigen Imperium übrig.

Essen. Zu Hochzeiten beschäftigte der legendäre Wattenscheider Unternehmer Klaus Steilmann 18 000 Menschen. Der gleichnamige Konzern gehörte zu den größten Modekonzernen Europas. Nach dem Verkauf des Unternehmens 2006 und dem Tod des Gründers und „Weltbürgers“ Klaus Steilmann 2009 ist nicht mehr viel übrig von dem Mode-Imperium. Der Insolvenzverwalter ist dabei, Firmen zu schließen und lukrative Töchter zu verkaufen.

Vor gut drei Jahren herrschte noch grenzenloser Optimismus in der Steilmann-Zentrale, die inzwischen nach Bergkamen umgezogen war. „Steilmann ist wieder da“, schrieb die WAZ damals über die Pläne der neuen Eigentümer – die italienischen Familien Puller, Giazzi und Radici. 2013 hatte es die Steilmann-Gruppe nach langer Krise schon wieder auf 7000 Mitarbeiter in 18 Ländern gebracht. Zu der Holding gehörten inzwischen auch die traditionsreichen Boecker-Modehäuser, die von Herne aus gesteuert wurden. Unter das Firmendach kamen auch die Modelabel Apanage aus Gelsenkirchen und Dressmaster aus Herne. Und die beiden Steilmann-Lenker Massimo Giazzi und Michele Puller wollten noch mehr: Sie sicherten sich die Mehrheit an den Adler-Modemärkten, die einst zum Düsseldorfer Metro-Konzern gehörten.

Börsengang 2015 war ein Flop

Doch die Glückssträhne der Italiener sollte bald zu Ende sein. Der Börsengang im Jahr 2015 floppte. Statt der erwarteten 80 Millionen Euro kamen nur rund acht Millionen Euro in die Kasse. Im März 2016 meldete Steilmann Insolvenz an. Seither versucht der Düsseldorfer Rechtsanwalt Frank Kebekus zu retten, was zu retten ist. Zuletzt konnte er vermelden, dass er Übernehmer für sieben der zwölf Boecker-Häuser gefunden hatte.

Die Lösung bietet zumindest 70 Prozent der rund 330 Boecker-Mitarbeiter eine Zukunftsperspektive. Im Arbeitnehmerlager hinterlässt der Deal aber dennoch einen Beigeschmack. Ein Betriebsrat einer Steilmann-Firma, der aus Sorge vor Nachteilen bei der Arbeitsplatzsuche seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, drückt aus, was viele Mitarbeiter denken mögen: „Wenn Klaus Steilmann das sehen könnte, würde er sich im Grabe umdrehen.“

Sieben der zwölf Boecker-Häuser überleben

Der Betriebsrat wundert sich, dass die Boecker-Modehäuser Bad Kreuznach, Dortmund, Mülheim und Ingelheim von der gerade erst gegründeten Crossover GmbH übernommen werden. Sie gehört der Familie Giazzi, die zusammen mit der Familie Radici die Mehrheit an Steilmann hält. Drei andere Boecker-Filialen werden von der U&F Moden GmbH aus Hamm übernommen.

„Die Familie, die jetzt Boecker führt, hat Steilmann doch erst in die Misere geführt“, ärgert sich der Betriebsrat. Die Eigentümer, so sein Eindruck, hätten nicht damit gerechnet, dass der Börsengang im vergangenen Jahr „ein Schuss in den Ofen“ werden würde. Vom Lebenswerk Klaus Steilmanns bleibe nun nicht viel übrig.

Aus für Apanage und Dressmaster

Das Aus für Apanage und Dressmaster ist besiegelt. Die Steilmann GmbH, Keimzelle des Konzerns, hat ihren Betrieb im Juni eingestellt. Die Reste des Modelabels werden gerade zu stark reduzierten Preisen im Handel verkauft. Fünf Boecker-Häuser, darunter das in Hagen, werden geschlossen.

Von einem „sehr schwierigen Marktumfeld für den textilen Handel in Deutschland“ spricht Insolvenzverwalter Kebekus. Gerry Weber aus Halle in Westfalen reagiert mit Stellenabbau und Filialschließungen. Auch bei Hugo Boss und Tom Tailor laufen die Geschäfte nicht gut. Die deutschen Hersteller haben es zunehmend schwer auf dem globalen Markt.

 
 

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