Mit Adolf Schmidt ist der letzte lebende Gründer des Initiativkreises Ruhr gestorben

Der ehemalige Vorsitzende der IG Bergbau Adolf Schmidt, Initiator und einer der Gründerväter des Initiativkreises Ruhrgebiet, im Interview 2011.
Der ehemalige Vorsitzende der IG Bergbau Adolf Schmidt, Initiator und einer der Gründerväter des Initiativkreises Ruhrgebiet, im Interview 2011.
Foto: Matthias Graben/WAZ FotoPool
Trauer um Adolf Schmidt: Der ehemalige Chef der Bergbau-Gewerkschaft kämpfte für den sozialverträglichen Wandel im Revier, gehörte zu den Gründern des Initiativkreises Ruhrgebiet. Im Alter von 88 Jahren ist Schmidt jetzt gestorben.

Essen.. Ein Urgestein des deutschen Bergbaus und der Sozialdemokratie ist tot: Adolf Schmidt, von 1969 bis 1985 Chef der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie, ist Dienstagnacht im Alter von 88 Jahren in Wattenscheid gestorben. Schmidt war der letzte lebende Gründer des Initiativkreises Ruhr.

„Kein Bergmann fällt ins Bergfreie“ – mit diesem Leitmotiv setzte sich der Gewerkschafter für einen sozialverträglichen Wandel an der Ruhr in den 1970er und 1980er Jahren ein. Die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren von heftigen Erschütterungen in der Industrieregion geprägt. Zechenschließungen im Steinkohlebergbau, der damals noch 130.000 Beschäftigte zählte, wie auch die Schließung des Stahlwerks Rheinhausen ließen die Wellen hochschlagen. Der Gewerkschafter, gelernter Grubenschlosser, fürchtete soziale Verwerfungen.

"Ohne Ideologie miteinander reden"

Aus dieser Zeit stammte die Idee, mit einem Kreis großer Unternehmen die Region zu stützen. In einem Interview mit dieser Zeitung sagte Schmidt: „Das ist das Kostbarste, was mir je gelungen ist – dass ein Gewerkschafter eine Unternehmer-Initiative gebären hilft.“ 1989 gründete Ruhr-Bischof Franz Hengsbach, Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen, Veba-Chef Rudolf von Bennigsen-Foerder und Schmidt die Ehrenamts-Initiative.

„Ich stand im Dienste der Bergleute, die reihenweise ihre Arbeit verloren, und spürte daher vielleicht früher als andere die Spannungen“, sagte er. „Ich hatte große Angst, dass der Funke von Rheinhausen in den Bergbau überspringt und wir dessen Entwicklung nicht mehr im Griff behalten.“ Es sei ein Glücksfall gewesen, Menschen zusammenzubringen, die ohne Ideologie miteinander reden konnten. „Wäre das nicht gelungen, hätte das Ruhrgebiet gebrannt“, meinte Schmidt vor knapp drei Jahren rückblickend.

Ein Modernisierer

Der Sozialdemokrat galt auch als ein Modernisierer der Gewerkschaften. Der heute von Arbeitgebern immer wieder gerne gelobte pragmatische Kurs der IGBCE geht auf Adolf Schmidt zurück. Die Gründung der Ruhrkohle AG als Einheitsgesellschaft des zersplitterten deutschen Bergbaus 1969 fiel ebenso unter seine Ägide wie der Hüttenvertrag zur Absicherung der Kokskohle-Versorgung von Bergbau und Stahlindustrie. Schmidt war ein großer Unterstützer von Bundeskanzler Helmut Schmidt und saß von 1972 bis 1987 im Bundestag.

 
 

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