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Logopäden-Verband: „Wir streben die Akademisierung an“

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zgbdc5-5d22dudyp0wi2qgaoj_original.jpg Foto: Liesa Johannssen/photothek.net
Im Vergleich zu den Anforderungen müssen Logopäden mit einem geringen Gehalt auskommen. Der Deutsche Bundesverband will das ändern.

Berlin. 

Dietlinde Schrey-Dern ist seit zwei Jahren Präsidentin des Deutschen Bundesverbands für Logopädie (dbl). Dieser setzt sich für eine Revision des Berufsgesetzes ein. Dagmar Trüpschuch sprach mit Dietlinde Schrey-Dern über Verbesserungen in der Ausbildung.

Warum wollen Sie, dass das Berufsgesetz für Logopäden geändert wird?

Dietlinde Schrey-Dern: Das Berufsgesetz entsprach schon bei Inkrafttreten 1980 nicht den Anforderungen an den Beruf und repräsentiert heute in keiner Weise die Tätigkeiten und das Spektrum dessen, womit wir uns beschäftigen.

Wie regelt das Berufsgesetz die Ausbildung?

Schrey-Dern: Die dreijährige Ausbildung findet in der Regel an Berufsfachschulen statt. Die Mehrheit der Schulen ist in privater Trägerschaft, das heißt die Studierenden müssen die Kosten für die Ausbildung übernehmen. Seit 2009 gibt es die „Modellklausel“, die eine Ausbildung an Fachhochschulen im Rahmen von Modellstudiengängen zulässt. Davon haben wir im Bereich Logopädie sieben. Darüber hinaus haben viele Berufsfachschulen eine Kooperation mit einer Fachhochschule, damit ihre Studierenden leichter einen Bachelor abschließen können. Das zeichnet sich gerade als Trend ab.

Sie sprechen sich für die Akademisierung des Berufs aus. Warum?

Schrey-Dern: Vor 25 Jahren haben wir den ersten Studiengang für Diplomlogopädie ins Leben gerufen, um die Notwendigkeit einer hochschulischen Qualifikation, wie sie europaweit und international üblich ist, zu unterstreichen. Deutschland ist das einzige Land, in dem die Ausbildung nach wie vor nicht auf Fachhochschulebene angesiedelt ist. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo nach sechsjähriger Erprobung der Modellphase – das heißt, dass das Studium der Logopädie an Fachhochschulen vollzogen wird – der Gesetzgeber an die Revision des Berufsgesetzes herangeht.

Schrey-Dern: Die Evaluation der Modellstudiengänge hat gezeigt, dass die Versorgung der Patienten verbessert wird, dass ein effektiveres Arbeiten möglich ist, und dass akademisch qualifizierte Kolleginnen und Kollegen befähigt werden, sich das für die Tätigkeit notwendige Wissen anzueignen und umzusetzen. Damit entsprechen sie den sich wandelnden Anforderungen, zum Beispiel im Bereich der Geriatrie bei der Behandlung von Patienten mit degenerativen Erkrankungen wie Demenz.

Was behindert die Entwicklung?

Schrey-Dern: Schon 1923 wurde die Forderung nach einer akademischen Berufsqualifikation gestellt. Durch das Dritte Reich ist die Weiterentwicklung des Berufs zum Erliegen gekommen, da die Versorgung Behinderter als nicht notwendig erachtet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich zunächst ein Hilfsberuf, der dann im Berufsgesetz 1980 den Heil- und Hilfsberufen zugeordnet wurde. Leider werden wir zuweilen immer noch als eine Art Hilfsberuf wahrgenommen, obwohl wir das aufgrund unserer diagnostischen und therapeutischen Kompetenzen weder waren noch sind.

Wobei genau hilft eine Hochschulausbildung den Logopäden?

Schrey-Dern: Auf der einen Seite geht es darum, mithilfe gezielter Therapieforschung die eigene Profession weiterzuentwickeln. Schon jetzt entspricht die therapeutische Tätigkeit im Grunde genommen einem wissenschaftlichen Vorgehen, dazu gehört zum Beispiel auch die Durchführung einer Sprachdiagnostik mit Testverfahren. Zirka 30 Prozent aller im Bereich der Sprachtherapie arbeitenden Therapeuten verfügen schon heute über eine akademische Qualifikation, neben Logopäden auch Sprachheilpädagogen oder klinische Linguisten. Langfristig kann ein Logopäde nur dadurch konkurrenzfähig bleiben, wenn er sich akademisch qualifiziert.