Lemmi - Ware für Schnäppchenjäger

Hubert Wolf und Klaus Buske
Lebensmittel als Sonderposten: Produkten, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, will die Kette "Lemmi" sehr billig verkaufen - und somit Aldi, Lidl und Co. Konkurrenz machen.
Lebensmittel als Sonderposten: Produkten, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, will die Kette "Lemmi" sehr billig verkaufen - und somit Aldi, Lidl und Co. Konkurrenz machen.
„Lemmi“ ist eine Lebensmittel-Kette im Werden, die zunächst im Ruhrgebiet und seiner Umgebung sich anschickt, Aldi, Lidl und die andern Discounter anzugreifen. Und zwar: über den Preis. Noch billiger. Denn Lemmi experimentiert mit Lebensmitteln als Sonderposten.

Ruhrgebiet. Man sieht, der Laden ist gekommen, um zu bleiben. Große rote Schilder weisen auf dem Dortmunder Wilhelmplatz in Richtung „Lemmi“, einen eigenen Kundenparkplatz haben sie im Hinterhof auch eingerichtet; und am Schaufenster klebt die große Karikatur einer Maus, die mit, nun ja, diebischem Lächeln einen Käse fortrollt. Tatsächlich ist es aber ein Mann, der in diesem Moment aus dem Supermarkt kommt, und in den Armen hält er zwei prallvolle Plastiktüten aus dem konkurrierenden Hause Lidl.

Offenbar hat er jedoch hier das eine oder andere Schnäppchen gemacht.

Kein Design-Preis

„Lemmi“ ist eine Lebensmittel-Kette im Werden, die zunächst im Ruhrgebiet und seiner Umgebung sich anschickt, Aldi, Lidl und die andern Discounter anzugreifen. Und zwar: über den Preis. Billiger! Geht’s noch? Es sei „uns möglich, unsere Artikel deutlich günstiger anbieten zu können als herkömmliche Lebensmitteldiscounter“, behauptet die Assistentin der Geschäftsführung Melanie Haase in einer Mailantwort auf Fragen, die diese Zeitung ausgeheckt hat.

Denn Lemmi experimentiert mit Lebensmitteln als Sonderposten. Lemmi verkauft viele (Marken)Artikel aus Überproduktionen und Verpackungsumstellungen, aus Insolvenzen und Versicherungsschäden sowie Waren knapp vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Oder auch leicht hinüber: „MHD überschritten!“ – und dann gibt’s einen halben Liter Limonade für: „0,09 Euro“. Die Folge: Das Sortiment ändert sich ständig, je nachdem, was gerade im Einkauf billig zu haben war; man wird immer irgendein Bier finden, aber nicht immer Schöfferhofer Weizen-Mix für 29 Cent, wie heute.

Freilich hat das tiefergelegte Preisniveau natürlich seinen – Preis. Die Läden werden niemals einen Design-Preis bekommen; verkauft wird aus Kartons und von Paletten, frisches Obst und Gemüse entfallen, reduzierte Brote und Kuchen stammen vom Vortag, und in einem eigenen Kühlraum liegen verpackte Würste und Käse auf Stapeln. Kurzum: Man muss das mögen – oder darauf angewiesen sein.

Kunden sind aber nicht nur die Mühseligen und Beladenen, die natürlich auch, sowie die Schnäppchenjäger im teuer wirkenden Wintermantel. „Guck mal, wie wenig“, sagen Kunden einander über die Preise, aber auch: „Da krieg’ ich Durchfall von.“ Die Flasche Wein für 1,49 Euro, zwei Liter Pepsi für 79 Cent, Teekanne für 99, Birkel Erbseneintopf für 38 . . .

So sind die Kunden dann auch nicht zielstrebig unterwegs wie in ihrem tagtäglichen Supermarkt, sondern sie tragen diesen typischen „Was wird’s denn heute wohl geben?“-Blick des Resterampen-Besuchers. „Das ist schon ein Riesenunterschied vom Preis her“, sagt Jennifer Sevenich, die zum ersten Mal den Lemmi in Hamm betrat; während Marianne Belokrinzki glatt das Gegenteil diagnostiziert: „Das war früher schon billiger, heute sind die Preise fast wie in normalen Läden“, sagt die erfahrene Kundin.

Denn „Lemmi“ ist nicht neu, nur sein Expansionskurs: 15 Läden sind es nun, darunter in Dortmund und Herne, in Witten und Castrop-Rauxel, Schwerte, Hamm, Recklinghausen, Marl . . . Hinzu kam zuletzt eine Fantasie anregende Personalie: „Lemmi“ ist im Alleinbesitz des geschäftsführenden Gesellschafters Harald Ruhnau aus Dortmund, aber als Investor kam im Herbst Stefan Heinig hinzu. Heinig ist der Gründer der Billigketten kik und tedi und Mitinhaber des geistesverwandten Woolworth.

Kein Internetauftritt

Angesichts dessen kam die „Immobilien-Zeitung“ zu der Prognose, Lemmi könne die „Keimzelle des filialisierten Hard-Discounts“ in Deutschland sein „für Menschen, denen selbst Aldi und Penny zu teuer geworden sind“. Der Kommentar von Frau Haase lautet dazu so: „Regionaler Schwerpunkt unserer Expansion ist momentan NRW.“ Eine bundesweite Ausdehnung sei „nicht in Planung“. Auch der Internetauftritt gibt dazu keine weiterführende Antwort: „Hier entsteht in Kürze die Internetpräsenz von Lemmi Lebensmittel“ steht darauf. Seit Monaten tut sich nichts weiter.

Wahrscheinlich zu teuer.