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Kölner haben aus der Parkplatz-Not ein Geschäft gemacht

Kölner haben aus der Parkplatz-Not ein Geschäft gemacht

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Foto: Jens Höhner
Wer auf der Arbeit ist, braucht seinen Stellplatz nicht – und kann ihn vermieten. Diese Idee griffen zwei Kölner auf. Über eine Datenbank im Internet vermitteln sie Parkplätze in Städten, in denen die Parkplatz-Not besonders groß ist. 500 Plätze stehen bereits zur Verfügung.

Köln. 

Plötzlich ist die Verzweiflung so groß, dass Adalbert Rajca anhält, aus dem Auto springt und bei fremden Menschen klingelt. Der Jura-Student fragt, ob er sein Auto für ein paar Stunden in der freien Zufahrt abstellen darf. Darf er!

Wieder einmal sind alle Plätze rund um die Kölner Hochschule belegt, Falschparker verstopfen die Seitenstraßen und sogar die Rettungswege. Die Kurverei stresst. „Alltag“, sagt der 31-Jährige, der längst mehr als 10.000 Klingelknöpfe gedrückt und unzählige Klinken geputzt hat.

Denn aus der Parkplatz-Not von damals haben er und sein Kompagnon Yasotharan Pakasathanan (30), Wirtschaftsinformatiker, ein Geschäft gemacht: Über eine Da­tenbank im Internet vermitteln die Firmengründer freie Stellplätze an genervte Autofahrer – stunden-, tage- oder gar wochenweise. „Wenn man zum Beispiel zur Arbeit fährt, dann ist der Platz zu Hause frei“, erklärt Pakasathanan das Geschäftsmodell. „Und in dieser Zeit kann jemand anderes diesen Parkraum nutzen.“

Parkplätze auch in Essen, Duisburg und Gelsenkirchen

Ampido heißt das Start-up-Un­ternehmen der Kölner Kommilitonen, das sich nach seinem erfolgreichen Start vor einem Jahr mit mehr als 250 Platzangeboten bundesweit etablieren soll – 500 Plätze stehen bereits zur Verfügung. Frisch dabei sind Parkbuchten in Essen, Duisburg und sogar Gelsenkirchen. „Es läuft gut“, berichtet Rajca, der aus Recklinghausen stammt. Besonders hoch sei die Nachfrage zurzeit in Großstädten wie etwa Hamburg, München und Frankfurt am Main – Tendenz täglich steigend. Wer seinen Stellplatz anbieten möchte, der ist ebenso an der richtigen Adresse. „Den Mietpreis legt der Inhaber des Platzes selbst fest“, so Rajca.

Besonders gefragt sind Parkbuchten in der Nachbarschaft von Flughäfen, weil dort das Parken oft sehr teuer sei. Aber auch vor Großveranstaltungen im Stadtzentrum, bei Bundesliga-Spielen oder ausverkauften Konzerten verzeichnen die Datenbankhüter stets sprunghaft steigende Nachfragen.

Spontan per App reservieren

Freie Plätze können schon lange Zeit im voraus reserviert werden. Kommt das Geschäft dann zustande, kassiert Ampido eine Provision von 30 Prozent des Mietpreises. Alle anderen Dienste sind kostenfrei. So erstellen die Unternehmer etwa ein genaues Profil des jeweiligen Parkplatzes mit Fotos, sie schreiben eine ausführliche Anfahrtsroute oder dekorieren zudem einen freien Platz mit Schildern, die künftige Untermieter locken sollen. Für Schäden nach Unfällen beim Ein- und Ausfahren kommen nach Auskunft der Vermittler die üblichen Versicherungen auf.

Die Parkplatz-Suche funktioniert auch unterwegs und mobil auf dem Smartphone, eine App für die gängigen Betriebssysteme macht’s möglich.

www.ampido.com
www.wir-wollen-parken.de