Klonfleisch bleibt in den Supermarktregalen

Klonfleisch darf weiter in EU-Supermärkten verkauft werden. Das haben Europaparlament und die Regierungen der EU-Staaten am Dienstag beschlossen. Verbraucherschützer sehen die Entscheidung kritisch.

Brüssel. Der Versuch, Klonschnitzel von der europäischen Speisekarte fernzuhalten, ist gescheitert. Fleisch und andere Produkte aus der Verwertung genkopierter Tiere und ihrer Nachkommen dürfen ganz legal in EU-Supermärkten verkauft werden. Das Europaparlament und die Regierungen der EU-Staaten konnten sich am Dienstag nicht einigen, ob und wie weit das Geschäft mit Klon-Nahrung eingeschränkt werden soll. Verbraucherschützer reagierten empört. Foodwatch sprach von einem Betrug am Bürger.

Durch das Scheitern der Überarbeitung des Gesetzes über „neuartige Lebensmittel“ bleibt die alte Lebensmittelverordnung in Kraft. Danach darf Fleisch von Klontieren in Europa auf den Markt gebracht werden, wenn der Hersteller eine Zulassung beantragt. Produkte der Nachkommen von Dolly und Co. unterliegen keiner Beschränkung, sie müssen auch nicht gekennzeichnet werden. Kunden im Supermarkt können diese Lebensmittel deshalb nicht von anderen unterscheiden.

„Die Menschen wollen kein Klonfleisch“

Generell lagen Parlament und Rat bei der Klon-Diskussion gar nicht so weit auseinander. So hatten sie sich bereits über ein Verbot für Produkte der kopierten Tiere geeinigt. Knackpunkt des Streits war der Umgang mit Milch, Fleisch und Eiern ihrer Nachkommen. Das EU-Parlament forderte mindestens eine verpflichtende Kennzeichnung. Nur so könnten Verbraucher im Supermarkt eine qualifizierte Entscheidung treffen. Damit hätte sich das Problem quasi von selbst erledigt, sagte der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese: „Die Menschen wollen kein Klonfleisch.“

Doch der Ministerrat war gegen die Kennzeichnungspflicht. „In der Praxis würde das ja die Erstellung eines Familienstammbaums für jede Scheibe Salami bedeuten“, argumentierte Ungarn als derzeitiger Rats-Vorsitzender. Außerdem sei die Vereinbarkeit mit den Spielregeln des Welthandels fraglich. Allenfalls könne man eine sogenannte Machbarkeitsprüfung einleiten. Dieser Vorschlag ging dem Parlament nicht weit genug. „Ich bin entsetzt, wie arrogant die EU-Minister den Willen der Bürger missachten“, sagte die sozialdemokratische Europaabgeordnete Dagmar Roth-Behrendt.

Angeblich kein Gesundheitsrisiko

Auch die Verbraucherschützer von Foodwatch reagierten aufgebracht. „Agrarministerin Ilse Aigner und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle muten den Verbrauchern zu, dass ihnen Lebensmittel von geklonten Tieren und deren Nachfahren ohne Hinweis und gegen ihren Willen auf den Teller gelegt werden.“ Derzeit ist unklar, ob sich Produkte von kopierten Tieren oder deren Nachkommen im deutschen Handel befinden. Bisher habe es jedenfalls keinen Zulassungsantrag für Fleisch von geklonten Tieren gegeben, sagte ein EU-Beamter. EU-Gesundheitskommissar John Dalli versuchte am Dienstag die Wogen zu glätten. Ein Gesundheitsrisiko bestehe nicht: „Ich würde Klonfleisch essen.“