Initiativkreis Ruhr nimmt drei Universitäten auf

Initiativkreis-Moderator Bernd Tönjes (li.) und Ruhr-Uni-Rektor Axel Schölmerich wollen zusammenarbeiten.
Initiativkreis-Moderator Bernd Tönjes (li.) und Ruhr-Uni-Rektor Axel Schölmerich wollen zusammenarbeiten.
Foto: Ingo Otto
Der Initiativkreis Ruhr und die drei großen Universitäten der Region arbeiten enger zusammen. Für das Wirtschaftsbündnis ist das eine Zäsur.

Essen/Herne. Der 1989 gegründete Initiativkreis Ruhr gilt als eines der stärksten Wirtschaftsbündnisse in Deutschland. Zu den mehr als 70 Mitgliedsunternehmen gehören Schwergewichte wie Eon, Evonik, Siemens, Thyssen-Krupp, die Bahn und die Deutsche Bank. Als „Bürgerinitiative der Wirtschaft“ hat sich der Initiativkreis zum Ziel gesetzt, den Strukturwandel an der Ruhr voranzubringen. Neben dem Bistum Essen und der evangelischen Kirche von Westfalen ist auch die Gewerkschaft IGBCE beteiligt. Vertreter der Hochschulen sucht man im Kreise der Konzernchefs aber bislang vergeblich.

Das soll sich nun ändern. 27 Jahre nach seiner Gründung nimmt der Initiativkreis die Bochumer Ruhr-Uni, die TU Dortmund und die Universität Duisburg-Essen in seinen Kreis auf. „Mit dem Engagement der drei großen Universitäten des Ruhrgebiets im Initiativkreis setzt unser Bündnis eine Zäsur“, sagt RAG-Chef Bernd Tönjes, der derzeit auch den Initiativkreis führt. Das Ruhrgebiet sei „nicht nur eine starke Wirtschafts-, sondern auch eine starke Wissenschaftsregion“. Mit der neuen Partnerschaft bilde dies nun auch der Initiativkreis ab.

Bei einer Vollversammlung in Essen will der Initiativkreis an diesem Wochenende offiziell eine Kooperationsvereinbarung mit den Unis unterzeichnen. Die Dortmunder Rektorin Ursula Gather, Ulrich Radtke von der Uni Duisburg-Essen und Ruhr-Uni-Rektor Axel Schölmerich sollen persönliche Mitglieder im Initiativkreis werden.

Initiativkreis plant 30 Millionen Euro schweren „Gründerfonds Ruhr“

„Wir prägen die künftigen Führungskräfte des Landes. Insofern ist es naheliegend, dass sich die Universitäten eng mit den heutigen Führungskräften vernetzen“, sagt Schölmerich. „Es gab und gibt auf beiden Seiten sicherlich Berührungsängste, aber ich bin mir sicher, dass die Region erheblich von einer engeren Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft profitieren kann.“

Der Initiativkreis plant unter anderem einen 30 Millionen Euro schweren „Gründerfonds Ruhr“, der jungen Unternehmern dienen soll. Das Geld soll je zur Hälfte von Investoren wie den Initiativkreis-Firmen und der NRW.Bank fließen. „Wir sind derzeit auf der Suche nach geeigneten Gründern“, berichtet Tönjes. An dieser Stelle liege eine Zusammenarbeit mit den Universitäten nahe. „Viele gute Ideen für Firmengründungen kommen aus den Hochschulen. Dieses Potenzial wollen wir noch stärker als bisher nutzen.“ Allein die drei Universitäten zählen rund 115 000 Studierende. Mit den weiteren Hochschulen der Region sind es sogar 260 000 Studierende.

„Leider wandern noch viele Talente ab“

„Nicht nur Lehre und Forschung sind Aufgaben der Hochschulen, sondern auch der Wissens- und Technologietransfer. Dazu gehört auch die Unterstützung von Firmengründern“, betont Schölmerich. Die Bemühungen an den Hochschulen, innovative Ideen aus dem Wissenschaftsbetrieb umzuwandeln in Produkte, von denen Wirtschaft und Gesellschaft profitieren können, seien „deutlich ausgeprägter als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren“. Er wolle bei Studierenden auch „das Bewusstsein dafür schärfen, dass aus guten Ideen erfolgreiche Produkte entstehen können“. Eine engere Zusammenarbeit mit großen Arbeitgebern der Region könnte auch dazu beitragen, Führungskräfte in der Region zu halten. „Leider wandern noch viele Talente ab, nachdem sie die Hochschulen des Ruhrgebiets besucht haben“, sagt der Rektor. „Unser Ziel ist es, das zu ändern.“

Der Beitritt der Unis sei mehr als ein symbolischer Schritt, betont Tönjes: „Wir planen zahlreiche konkrete Projekte – beispielsweise Vortragsserien namhafter Unternehmensvertreter in den Hörsälen, Ideenlabore mit Werkstatt-Atmosphäre für potenzielle Firmengründer und praxisorientierte Dialogprogramme für Führungskräfte aus Wissenschaft und Wirtschaft.“

 
 

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