Immer mehr Minijobber in NRW

Matthias Korfmann
NRW wird zum Land der Minijobber. Fast 1,8 Millionen Menschen haben einen Job auf 400-Euro-Basis. Jeder vierte Arbeitsplatz im Land ist inzwischen „mini“. Die Gewerkschaften halten das für eine fatale Fehlentwicklung. Doch es gibt auch Stimmen, die sagen „Alles halb so wild“.

Essen. In NRW gibt es so viele „Minijobber“ wie nie zuvor. Fast 1,8 Millionen Bürger, mehrheitlich Frauen, haben eine „geringfügige Beschäftigung“. Sie verdienen meist nur 400 Euro, zahlen keine Abgaben und haben kaum eine Chance auf einen regulären Job. Jeder vierte Arbeitsplatz ist inzwischen „mini“.

Seitdem die Bundesregierung 2003 die Regeln für Minijobs gelockert hatte, stieg die Zahl dieser Arbeitsverhältnisse in NRW um rund 444.000. Das ist laut Arbeitsagentur NRW ein Plus von 33 Prozent.

Gewerkschaften und Wissenschaftler schlagen daher Alarm. Ein großer Teil des Arbeitsmarktes „entzieht sich den üblichen Standards“, warnt das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ). Minijobs erwiesen sich häufig als „biografische Sackgasse“, benachteiligt würden vor allem Frauen und ältere Arbeitnehmer.

Nicht alle kennen ihre Rechte

„Viele Bürger stecken in der Minijob-Falle“, sagt Carmen Tietjen vom DGB in NRW. „Sie arbeiten jahrelang für wenig Geld und bekommen noch nicht einmal eine Altersrente.“ Tietjen zufolge kennen Minijobber selten ihre Rechte und würden zum Beispiel nicht immer die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einfordern.

In NRW arbeiten rund 1,25 Millionen Menschen ausschließlich als Minijobber. 550.000 haben eine andere Arbeit und verdienen sich mit dem 400-Euro-Job noch etwas dazu. Diese „Nebenjobs“ entwickeln sich geradezu inflationär. Allein im letzten Jahr stieg ihre Zahl in NRW um 22.000. Ganze Branchen haben sich von sozialversicherungspflichtiger Arbeit weitgehend verabschiedet. Im Einzelhandel und in der Gastronomie ist der Minijobber der Normalfall.

Auch mehr reguläre Arbeit

Die Arbeitsagentur warnt aber vor voreiligen Schlüssen. „Die Idee war, mit den Minijobs neue und flexiblere Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, und das ist auch gelungen“, urteilt Werner Marquis von der Bundesagentur. Er glaubt nicht, dass sich hinter den vielen Minijobbern viel soziales Elend versteckt. 86 Prozent zählten nämlich nicht zu den „Aufstockern“, also zu jenen, die zusätzlich noch Sozialhilfe beziehen müssen, um existieren zu können. Außerdem, so Marquis, gebe es heute nicht nur mehr Minijobs als 2003, sondern auch mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.

Ein Minijob ist eine geringfügige Beschäftigung mit einer Verdienstgrenze von 400 Euro. Die Arbeitszeit ist nicht streng begrenzt, sie kann also über 15 Stunden in der Woche liegen. Arbeitnehmer dürfen mehrere Minijobs nebeneinander ausüben. Wenn aber der Verdienst insgesamt über 400 Euro liegt, müssen Abgaben gezahlt werden. Ein Minijob kann auch ein Nebenverdienst zum Hauptberuf sein. In diesem Fall müssen keine Abgaben für den Minijob gezahlt werden.