Häuser auf dem Land verlieren an Wert

In ländlichen Regionen wie dem Sauerland gibt es viele Einfamilienhäuser.(Foto: Hans Blossey/ WAZ FotoPool)
In ländlichen Regionen wie dem Sauerland gibt es viele Einfamilienhäuser.(Foto: Hans Blossey/ WAZ FotoPool)
Hausbesitzern auf dem Land droht ein Wertverlust ihrer Immobilien. Weil die Bevölkerung außerhalb der Stadt schrumpft, gibt es immer weniger Menschen, die auf dem Land ein Haus kaufen wollen.

Essen.. Hausbesitzer im Ländlichen Raum kämpfen mit einem Wertverlust ihrer Immobilien. Zu dem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Uni Münster. Grund sind Vermarktungsschwierigkeiten auf dem Land. „Die Bevölkerung schrumpft dort sichtbar“, sagt Christian Krajewski, Geograph an der Uni Münster. Die Folge: Es gibt immer weniger Menschen, die ein Haus kaufen wollen.

Diese Entwicklung betrifft in Nordrhein-Westfalen vor allem die Kreise Höxter und Lippe in Ostwestfalen, sowie den Hochsauerlandkreis in Südwestfalen. Ausgenommen ist die Region Niederrhein. „In einigen Kommunen in den Kreisen Borken und Kleve steigt das Bevölkerungswachstum sogar“, sagt Krajewski. „Der Niederrhein ist verkehrstechnisch besser an das Ruhrgebiet angeschlossen und deshalb attraktiver“, erklärt der Forscher.

Sauerländisches Medebach ist stark betroffen

Als Paradebeispiel für sinkende Immobilienpreise gilt das 8000-Einwohner-Dorf Medebach im Sauerland: Seit dem Jahr 2000 sinkt die Einwohnerzahl jedes Jahr um durchschnittlich 37 Bürger. Bis 2030 wird Medebach laut Prognose knapp 1500 Einwohner weniger haben.

Jedes Jahr zieht ein Viertel der 18 bis 24-jährigen Medebacher weg, um anderswo zu arbeiten oder zu studieren. „Die kommen auch nicht wieder“, sagt Bürgermeister Thomas Grosche. Zurück bleiben die Alten. Die überdurchschnittlich hohe Geburtenrate im Sauerland fängt diesen Prozess nicht auf.

Vom Preisverfall betroffen sind am Stadtrand gelegene Einfamilienhäuser aus den 1950er bis 70er Jahren und noch ältere renovierungsbedürftige Fachwerkhäuser. „Viele dieser Häuser sind energetisch nicht auf dem letzten Stand“, sagt Krajweski. „Leute, die heute Eigentum erwerben wollen, erwarten aber vernünftige Energiestandards“, erläutert der Wissenschaftler. Viele Hausbesitzer hätten deshalb feststellen müssen, dass der tatsächliche Wiederverkaufswert geringer ist, als der persönlich empfundene ideelle Wert ihres Hauses.

Stadt lässt Leerstandskataster erstellen

Bürgermeister Grosche glaubt, den Grund für den „Sanierungsstau“ zu kennen: „Über Jahrzehnte wurde ein Haus von Generation zu Generation weitervererbt“, erklärt er. Heute fehlen die Nachfolger. „An einen Werterhalt vor dem Hintergrund eines möglichen Wiederverkaufs haben die Leute bisher gar nicht gedacht.“

Konkrete Zahlen zur Problematik auf dem Wohnungsmarkt gibt es noch nicht. Im Moment ist die Stadt Medebach dabei, ein Leerstandskataster zu erstellen. Wie schwierig die Vermarktung ist, wird anderweitig sichtbar. „Im Sauerlandkurier sind oft wochenlang die gleichen Wohnungen annonciert“, sagt Ingrid Kappen. Die 44-jährige Medebacherin besitzt ein Haus von 1908, in dem sie zwei Wohnungen vermietet. Eine davon steht seit einem Jahr leer. „Ich habe bisher keinen solventen Mieter für die Single-Wohnung gefunden“, sagt die Bankangestellte.

Forscher Krajewski kritisiert die „fatale Wohnungsmarktpolitik“ der vergangenen Jahrzehnte. Mit der Eigenheimzulage und einer Vorhaltung von Baugrund habe man den Neubau gefördert statt in Bestandsimmobilien zu investieren.

Einwohner suchen nach guten Lösungen

Zusammen mit den Einwohnern der Stadt Medebach will Bürgermeiser Grosche nun Lösungen für die Folgen des Demographischen Wandels erarbeiten. Dafür hat der 39-Jährige mit seinem Bürgermeister-Kollegen aus der Nachbarstadt Hallenberg ein Dorfentwicklungsprojekt angeschoben. Unterstützt wird es von der Bezirksregierung Arnsberg und der Volksbank Bigge-Lenne. „Wir stehen alle zusammen in der Pflicht“, sagt Grosche. „Ich möchte nicht im stillen Kämmerlein irgendwelche Lösungen ausbrüten und dann vorschreiben: ‘Das müsst ihr machen.’“

Christian Krajewski sieht das Thema Wohnen als „große Herausforderung an die Städte“. Es müsse diskutiert werden, wie man mit Leerständen umgeht und gleichzeitig die Wohnumfeldqualität erhält. Möglichkeiten gibt es viele. Sie reichen von Abriss über Zwischennutzung bis zum Verkauf an niederländische Urlauber.

 
 

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