Funke-Gruppe lehnt Springer-Angebot ab

Der Sitz der WAZ-Mediengruppe an der Friedrichstraße in Essen. Bild: Ilja Höpping / WAZ FotoPool
Der Sitz der WAZ-Mediengruppe an der Friedrichstraße in Essen. Bild: Ilja Höpping / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Der Springer-Verlag hat unaufgefordert ein Übernahmeangebot für Teile der WAZ-Gruppe abgegeben. WAZ-Anteilseignerin Petra Grotkamp, die derzeit die Übernahme der Brost-Anteile verhandelt, lehnte das Angebot umgehend ab.

Essen.. Die Axel Springer AG („Bild“, „Welt“, „Hörzu“) hat den Eigentümern der WAZ-Mediengruppe unaufgefordert ein Angebot zur Übernahme von WAZ-Geschäftsbereichen gemacht. WAZ-Anteilseignerin Petra Grotkamp wies die Offerte umgehend zurück. Frau Grotkamp werde sich „nicht an Transaktionen beteiligen, welche eine Zerschlagung der WAZ-Mediengruppe oder die Veräußerung dieser Gruppe zum Inhalt oder zur Folge haben“, teilte ihr Anwalt Andreas Urban am Freitag mit. Petra Grotkamp werde „vielmehr dafür Sorge tragen, dass die WAZ-Mediengruppe weiter als unabhängiges Unternehmen bestehen bleibt“. In der Stellungnahme hieß es weiter, die Axel Springer AG könne auch angesichts bestehender Gesellschafterverträge der WAZ-Mediengruppe nicht Gesellschafter des Unternehmens werden.

Ende August hatte Petra Grotkamp, die Tochter des WAZ-Mitgründers Jakob Funke und Ehefrau des langjährigen Verlagschefs Günther Grotkamp, mitgeteilt, sie wolle sich noch stärker als bisher im Unternehmen engagieren. Den Mitgliedern der Familie Brost unterbreitete Frau Grotkamp das Angebot, deren 50-prozentigen Anteil an der WAZ-Gruppe zu übernehmen. Über die wesentlichen Bedingungen des Erwerbs war zwischen Frau Grotkamp und den Mitgliedern der Familie Brost bereits Einigkeit erzielt worden. Mit Blick auf das Übernahmeangebot von Springer teilte Rechtsanwalt Urban am Freitag mit, Petra Grotkamp halte „gemeinsam mit der Familie Brost an dem Vorhaben des Erwerbs der Anteile der Familie Brost fest“.

Springer will Teile der WAZ

Die Entscheidung, ob es zu dem Geschäft zwischen den Familien kommt, liegt bei dem Anwalt Peter Heinemann, der die Testamentsvollstreckung für die Enkel von Firmengründer Erich Brost innehat. Heinemanns Reaktion auf die Springer-Offerte war ein Bibel-Zitat (Paulus, 1. Timotheus-Brief): „Prüfet alles und behaltet das Beste.“

Klaus Schubries erklärte als Sprecher der Funke-Gruppe: „Die Funke-Gruppe ist derzeit an einem Verkauf von Teilen der WAZ-Mediengruppe nicht interessiert. Auch ein Verkauf von Geschäftsanteilen an der WAZ-Mediengruppe kommt für uns nicht in Frage. Daher ergeben sich keine Verhandlungsmöglichkeiten mit der Axel Springer AG.“

Erich Brost hatte gemeinsam mit Jakob Funke im April 1948 die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) aus der Taufe gehoben. Anneliese Brost, die Ehefrau des Firmengründers, war Anfang September vergangenen Jahres gestorben.

Springer-Sprecherin Edda Fels sagte am Freitag der Nachrichtenagentur dapd, das Unternehmen habe ein unverbindliches Angebot für den Kauf von Teilen der WAZ-Gruppe gemacht. Dieses stehe unter Vorbehalt der Prüfung der Bücher und der Kartellbehörden. Das „Manager Magazin“ zitierte auf seiner Online-Seite aus einem Schreiben von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Demnach bietet Springer 1,4 Milliarden Euro für die gesamte WAZ-Gruppe.

Medienunternehmen mit 15.000 Beschäftigten

Die WAZ-Mediengruppe mit Hauptsitz in Essen ist mit ihren rund 15.000 Beschäftigten eines der bedeutendsten europäischen Medienunternehmen. Zum Unternehmen gehören die Titel Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), Neue Ruhr Zeitung/Neue Rhein Zeitung (NRZ), Westfälische Rundschau (WR), Westfalenpost (WP) und Braunschweiger Zeitung. Im Internet engagiert sich die WAZ-Gruppe mit dem Online-Portal DerWesten.

Außerhalb Deutschlands ist die WAZ-Gruppe in Österreich, Albanien, Kroatien, Mazedonien, Russland, Serbien und Ungarn aktiv. Unter dem Dach der Gruppe erscheinen 27 Tageszeitungen mit einer Auflage von über 2,5 Millionen Exemplaren, 13 Wochenzeitungen, 178 Publikums- und Fachzeitschriften, 99 Anzeigenblätter und 400 Kundenzeitschriften – hergestellt in eigenen Druckbetrieben an 13 europäischen Standorten.

 
 

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