Forscher sehen Ruhrgebietsstädte in Teufelskreis

Essen.  Für die Revierbürger ist es keine Neuigkeit, nun belegt eine DIW-Studie das zentrale Problem der Region: Die Städte im Ruhrgebiet investieren viel zu wenig in ihre öffentliche Infrastruktur, weil ihre Sozialausgaben weit über Durchschnitt liegen. Die Forscher sehen die strukturschwachen Städte in einem Teufelskreis und fordern den Bund auf, den Kommunen einen größeren Teil ihrer Sozialausgaben wie Wohn- und Heizkosten abzunehmen.

Die Zahlen sind dramatisch: Duisburg gab 2013 je Einwohner 86 Euro für seine Infrastruktur aus, in Bayern investierten die Kommunen im Schnitt 469 Euro. Um auf das Niveau Bayerns zu kommen, müssten die NRW-Städte 5,6 Milliarden Euro mehr investieren – vor allem im Ruhrgebiet. Das können sie aber nicht, weil ihre Sozialausgaben so hoch sind. Zwei Beispiele belegen die Chancenungleichheit: der Landkreis Coesfeld konnte bei 84 Euro Sozialausgaben 296 Euro je Einwohner investieren. In Gelsenkirchen dreht sich das Verhältnis um: Die Stadt konnte bei Sozialkosten von 385 Euro je Einwohner nur 177 Euro investieren.

Das Problem wird sich laut DIW immer weiter verschärfen, „wenn die Wirtschaftspolitik nicht schnell und entschieden gegensteuert“, sagte DIW-Chef Marcel Fratscher. Er schlug vor, den Soli „temporär zu nutzen, um die Kommunen bei den Sozialleistungen zu entlasten“.