Eine Million Kinderschutz-Steckdosen müssen überprüft werden

Kinderschutz-Steckdosen sollen für besondere Sicherheit sorgen: Der nordrhein-westfälische Hersteller Gira will derzeit Bauteile aus dem Verkehr ziehen, weil die Produkte Mängel aufweisen können.
Kinderschutz-Steckdosen sollen für besondere Sicherheit sorgen: Der nordrhein-westfälische Hersteller Gira will derzeit Bauteile aus dem Verkehr ziehen, weil die Produkte Mängel aufweisen können.
Foto: Getty
  • Das Elektro-Unternehmen Gira will defekte Bauteile von Kinderschutz-Steckdosen aus dem Verkehr ziehen
  • Der Fehler könne bei unsachgemäßem Umgang mit der Steckdose sogar zu lebensgefährlichen Verletzungen führen
  • Rund eine Million Artikel sollen von Handwerkern überprüft und lediglich bei Auffälligkeiten ersetzt werden

Radevormwald. Es ist eine riesige Rückrufaktion: Das traditionsreiche nordrhein-westfälische Elektro-Unternehmen Gira will defekte Bauteile von Kinderschutz-Steckdosen aus dem Verkehr ziehen. Ein Prüflabor des Unternehmens habe festgestellt, dass Steckdosen-Abdeckungen, die eigentlich erhöhte Sicherheit gewährleisten sollten, Mängel aufweisen können, teilte das Unternehmen aus Radevormwald im Bergischen Land Ende Februar mit. Der Fehler könne bei unsachgemäßem Umgang mit der Steckdose unter Umständen sogar zu lebensgefährlichen Verletzungen führen.

Die Zahl der Steckdosen, die nun auf den Prüfstand müssen, ist beachtlich. Der Rückruf gilt für Produkte, die zwischen dem 9. Dezember 2014 und dem 26. Januar 2016 über verschiedene Elektrogroßhandelsfirmen im In- und Ausland vertrieben worden sind – nach Angaben von Gira „rund eine Million Artikel“.

Handwerker sollen überprüfen

Für Gira ist es in der 111-jährigen Geschichte des Unternehmens der erste Rückruf. Auch mehrere Wochen nach dem Start ist offen, wann die Aktion erfolgreich erledigt sein wird. „Von einem Abschluss können wir erst sprechen, wenn wirklich alle potenziell betroffenen Produkte überprüft worden sind“, erklärte Gira auf Anfrage unserer Redaktion.

Ein heikler Punkt: Gira möchte, dass nicht sämtliche Schutzabdeckungen der Steckdosen ausgetauscht werden. Stattdessen sollen die Geräte von Handwerkern überprüft und lediglich bei Auffälligkeiten ersetzt werden. Das Vorgehen sei mit der zuständigen Behörde abgestimmt. „Die Firma Gira hat als Hersteller die nötigen Maßnahmen eingeleitet“, bestätigte das NRW-Arbeitsministerium.

Gira beteuert, die Fehlfunktion trete „tatsächlich nur bei einem kleinen Teil der Steckdosen-Abdeckungen auf“, so dass hier nicht eine Million Artikel ausgetauscht werden müssten, sondern eine deutlich geringere Anzahl. Dabei sei Gira auf die Mitwirkung von Großhändlern und Elektrohandwerkern angewiesen. „Nur sie wissen, wo die potenziell betroffenen Produkte verbaut worden sind.“

Abdeckung schließt nicht immer selbstständig

Das technische Problem: Eine Kinderschutz-Vorrichtung in der Abdeckung der Steckdose, der sogenannte „Shutter“, schließt sich womöglich nicht immer selbstständig, wie es vorgesehen wäre. Damit besteht die Gefahr eines Stromschlags, wenn ein Kind leitende Materialien ins Gerät steckt.

Handwerker befürchten, Gira wolle durch das Rückrufverfahren die Verantwortung auf sie abwälzen. Schließlich stellt sich die Frage, wer haftet, sollte nach der Überprüfung der Steckdosen doch ein Mensch zu Schaden kommen. „Es geht hierbei selbstverständlich nicht um eine Verlagerung der Haftung auf den Handwerker“, betont Gira. Der Begriff Haftung müsse aber „differenziert betrachtet werden“. Insbesondere könne kein umfassender Haftungsausschluss für alle denkbaren Schadensfälle erfolgen – etwa durch fehlerhafte Montage. Eine von Gira zur Verfügung gestellte und mit den Behörden abgestimmte „Prüfanweisung“ ermögliche indes, dass zuverlässig festgestellt werden könne, ob die untersuchte Steckdose von dem Problem betroffen sei.

Sofern ein Elektrohandwerker die infrage stehenden Steckdosen installiert und in Betrieb genommen habe, sei er zur Durchführung der Funktionsprüfung vor Ort verpflichtet, erklärte Gira. Danach sei der Handwerker zur Befolgung der Prüfanweisungen und zur korrekten Dokumentation verantwortlich. „Verstößt er hiergegen und kommt dann ein Kunde zu Schaden, würde er auch haften.“

Noch viele Produkte im Umlauf

Viele der betroffenen Produkte dürften sich noch im Umlauf befinden. Bei etwa einem Drittel der eine Million Artikel handele es sich um nicht verbaute Lagerware von Großhandel und Handwerk, die diese an Gira zurückschicken müssen. Davon seien nun mehr als 90 Prozent bei Gira eingegangen. Das Unternehmen geht außerdem davon aus, dass von den potenziell betroffenen verbauten Artikeln bisher ungefähr 40 Prozent geprüft worden seien oder eine Prüfung „unmittelbar bevorstehe“.

 
 

EURE FAVORITEN