Die fabelhafte Welt des Louis Vuitton

Kate Moss trägt das, wofür Bernard Arnault steht: Der 62-Jährige ist der Kopf des größten Luxusgüter-Konzerns der Welt, der Herr über 60 Edelmarken. Doch mit dem Rauswurf des Modeschöpfers John Galliano legte sich ein langer Schatten über Arnaults makelloses Imperium.

Paris. Rauchend schreitet Kate Moss über den Laufsteg im Pariser Louvre: als elegante Luxus-Domina, spärlich und sehr sexy bekleidet in knappem Miederhöschen und einem ledernen Oberteil mit Pomponärmeln. Die furiose Fetisch-Show des Modehauses Louis Vuitton bei den Pariser Prêt-à-Porter-Schauen liefert ein Spektakel ganz nach dem Geschmack von Bernard Arnault (62) – des Mannes, der an der Spitze des größten Luxusgüter-Konzerns der Welt steht.

Es ist die Sphäre der Reichen und Schönen, eine fabelhafte Welt voller Glitzer und Glamour, über die Monsieur Arnault gebietet. Nicht weniger als 60 Edelmarken aus den Sparten Mode, Parfüm, Uhren, Schmuck und Champagner, darunter Louis Vuitton, Moet & Chandon, Hennessy, Dior, Fendi, Kenzo, Givenchy, Guerlain undsoweiterundsoweiter zählen zu seinem weltumspannenden Reich mit über 2400 Boutiquen. Von der Zentrale in der prachtvollen Avenue Montaigne im 8. Pariser Arrondissement aus steuert Arnault seinen LVMH-Konzern. Eine Abkürzung, die für „Moet Hennessy Louis Vuitton“ steht.

Nicht einmal dreißig Jahre hat der gelernte Ingenieur gebraucht, um vom unbekannten Immobilienhändler zur weltweiten Nummer eins der Luxusgüterindustrie aufzusteigen. Mit einem Vermögen von rund 30 Milliarden Euro ist der „König des Luxus“ der reichste Franzose . Die Karriere des Bernard Arnault und die der Aldi-Brüder Karl und Theodor Albrecht symbolisieren zugleich den bemerkenswerten Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland. Hier das Aldi-Prinzip, dort die Luxus-Masche: Während der reichste Franzose seinen Erfolg dem Geschäft mit erlesenem Schampus à la Dom Pérignon, eleganter Mode und kostbaren Lederwaren verdankt, kamen die reichsten Deutschen durch den schwunghaften Handel mit billigem Klopapier und Discount-Lebensmitteln zum selben Ziel.

Arnault muss rasch die Notbremse ziehen

Vor wenigen Tagen legte sich ein langer Schatten über das ansonsten so makellose LVMH-Imperium. Als Dior-Modeschöpfer John Galliano sternhagelvoll schockierte Gäste in einer Pariser Bar auf das Übelste mit antisemitischen und rassistischen Sprüchen beleidigte, musste Bernard Arnault rasch die Notbremse ziehen. Trotz Gallianos grandioser Verdienste am Aufstieg des Hauses Dior setzte der resolute LVMH-Präsident seinen guten Freund kurzerhand auf die Straße.

Die Unruhe bei Dior trifft Bernard Arnault an einem empfindlichen Nerv. Denn mit dem Kauf des damals leicht angestaubten Modehauses legte er Mitte der achtziger Jahre den Grundstein für sein ständig wachsendes Luxus-Reich. Der eigentliche Coup gelang dem in Amerika geschulten Franzosen 1989, als er 45 Prozent bei LVMH erwarb und zum Präsident des Konzerns aufstieg. Erst vor wenigen Tagen sorgte er für Schlagzeilen, als er wieder auf Shopping-Tour ging und den gediegenen italienischen Schmuck- und Uhrenhersteller Bulgari einverleibte.

Wie ein Raubtier

Trotz seines sensationellen Erfolgs tritt Bernard Arnault demonstrativ bescheiden auf. Der Mann mit den stahlblauen Augen, der nicht sonderlich groß gewachsen ist und das Klavierspiel liebt, ist in zweiter Ehe mit einer kanadischen Pianistin verheiratet.

Hinter seiner Unschuldsmiene entdecken Kritiker hingegen einen unruhigen Nimmersatt, der sich wie ein gefährliches Raubier hinterlistig an seine Opfer heranschleicht und im entscheidenden Moment zuschlägt. So wie unlängst, als er heimlich, still und leise 17 Prozent seines Pariser Konkurrenten Hèrmes erwarb und dessen Vorstandschef nur zwei Stunden zuvor in einem erniedrigenden Telefonanruf über seinen Coup informierte. Seitdem herrscht ein eiskalter Krieg zwischen den Luxus-Giganten.

 
 

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