"Der Schließungsbeschluss für Opel Bochum lag auf dem Tisch"

Gerd Heidecke
Ein Opel-Mitarbeiter beim Einbau eines Armaturenbretts in einen Opel Zafira.
Ein Opel-Mitarbeiter beim Einbau eines Armaturenbretts in einen Opel Zafira.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Die Verhandlungen über die Zukunft der deutschen Opel-Standorte des US-Konzerns General Motors liefen am Mittwoch heiß. Ein Plan von Opel-Mutter General Motors sieht nun das Auslaufen des Autobaus im Ruhrgebiet mit dem Zafira im Jahr 2017 vor. Bis Ende Oktober verhandelt GM mit der Gewerkschaft und den Betriebsräten.

Essen. Die moderaten Äußerungen von General Motors-Boss Dan Akerson zur Situation bei Opel wiesen bei der GM-Hauptversammlung am gestrigen Mittwoch den Weg. Der US-Autobauer gibt seinen Konfrontationskurs auf und sucht das Gespräch mit den Gewerkschaften und Betriebsräten in Deutschland. Jetzt scheint eine Verhandlungsgrundlage gefunden. Dazu gehört für das Management aber klar das Auslaufen der Produktion in Bochum. Bis 2017 soll es nur eine Gnadenfrist für das bereits oft totgesagte Werk geben. Eigentlich sollte in wenigen Monaten hier ein halbes Jahrhundert Automobilbau im Ruhrgebiet gefeiert werden.

Erstmals wich das Unternehmen von seiner hinhaltenden Linie ab, die Zukunft Bochums sei durch den gültigen Beschäftigungssicherungsvertrag bis Ende 2014 gesichert. „Die Planung des Unternehmens ist, unter den gegenwärtigen Bedingungen und Aussichten keine weitere Produktion für Bochum nach Auslauf des Zafira vorzusehen.“ Das würde das Aus im Jahr 2017 bedeuten. Bis dahin könnte es nach Expertenmeinung eine Vereinbarung mit dem neuen GM-Kooperationspartner Peugeot/Citroen geben, den Zafira-Nachfolger von den Franzosen entwickeln und auch bauen zu lassen.

„Schließungsbeschluss für Bochum lag schon auf dem Tisch“

OpelBis Ende Oktober wollen Management und Unternehmen über einen Zukunftsplan für Opel verhandeln. Die Verhandlungen über die Zukunft der deutschen Opel-Standorte des US-Konzerns General Motors liefen am gestrigen Mittwoch heiß. Nach tagelanger Vorarbeit auch in Spitzengesprächen von GM-Management und IG-Metall-Chef Berthold Huber wie auch mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Standorten wurde eine Verhandlungsgrundlage geschaffen.

Es waren dramatische Stunden. „Der Schließungsbeschluss für Opel Bochum lag schon auf dem Tisch“, hieß es bei Beteiligten. Die Wende brachte das Zugeständnis der IG Metall, Lohnbestandteile zu stunden. Konkret geht es um die jüngst vereinbarte Lohnerhöhung für die Metaller von 4,3 Prozent.

Hilfreich bei der Wende in der GM-Politik war sicherlich das Treffen von GM-Manager Girsky mit den Ministerpräsidenten und das Einschalten der IG Metall in Gestalt von Berthold Huber. Die größte Gewerkschaft der Welt, das geschlossene Auftreten der Politik – das blieb bei den Amerikaner nicht ohne Eindruck. Was auch den Formulierungen des GM-Bosses Akerson auf der Aktionärsversammlung zu entnehmen war.

Auch ein sachliches Argument sprach für Bochum: Das Erfolgsmodell Zafira geht in die absteigende Phase seines Lebenszyklus. Eine Verlagerung des Modells nach Rüsselsheim als Ersatz für den Astra, der den Engländern zugeschlagen wurde, hätte hohe Investitionskosten in Rüsselsheim nötig gemacht. Die Umrüstung der Maschinen ist teuer. Eine solche Investition ab 2015 für die weitere Laufzeit des Modells von rund zwei Jahren macht betriebswirtschaftlich wenig Sinn.

Kein zweites Modell für das Revierwerk in Sicht

Somit dürfte es für den Zafira zumindest bis zum Jahr 2017 in Bochum weitergehen. Was dann kommt, hat der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel immer betont: Bochum braucht ein zweites Modell zum Überleben. Danach sieht es zurzeit aber nicht aus.