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Der Kampf um die Partygäste wird härter

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Foto: WAZ FotoPool

Ruhrgebiet. 

Der Kampf um die Partygäste wird härter: Viele Disco-Betreiber klagen über steigende Kosten und weniger Besucher. Dabei sind die Umsätze in der Branche stabil.

Blitze zucken, Bässe dröhnen, es ist weit nach Mitternacht: Das Partyvolk will Spaß. Und den bekommt es. „Wir geben den Leuten, was sie wollen“, sagt Hans-Bernd Pikkemaat, der in Duisburg den „Delta Musik Park“ betreibt – Deutschlands größte Disco. Doch wie Kunstnebel nach durchtanzter Nacht ist in der Branche die Goldgräberstimmung verflogen.

Dabei ist der Delta Musik Park der Circus Maximus für Feierwütige: In fünf großen Zelten und auf 5000 Quadratmetern tanzen an guten der 120 Öffnungstage 3000 Besucher. 6000 Liter Getränke laufen in einer solchen Nacht durch. Im Schnitt trinkt jeder Gast zwei Liter Bier, Longdrinks und Schnaps, spült damit 15 bis 18 Euro in die Kasse. „Bei uns macht es die Masse“, sagt Pikkemaat. Reinkommt, wer „gepflegt ist und sich anständig benimmt“, sagt Geschäftsführerin Beate Thüroff. Die „offene Tür“ zieht: 400 000 Besucher zählte der Musik Park 2009. Und doch malt Pikkemaat die aktuelle Entwicklung in düsteren Farben: „Discos haben es heute schwer, Leute anzulocken. Der Kampf um das Publikum ist hart – und er wird härter.“

Denn die Konkurrenz ist groß. In Deutschland gibt es knapp 1600 Discotheken und Tanzlokale, dazu kommen Bars, Clubs und Szenetreffs. „Der Eintritt in die Branche ist verführerisch einfach, aber sich zu behaupten, ist brutal schwer“, sagt Stephan Büttner vom Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT). Wer in Deutschland eine Disco eröffnet, benötige dafür nur eine Gaststätten-Konzession vom Ordnungsamt. Später lauert jedoch ein extremes Risiko: „Das Investitionsvolumen für eine betriebsfertige Disco liegt bei zwei bis drei Millionen Euro“, schätzt Klaus Niester, Chefredakteur des Szeneblatts „Disco-Magazin“. Viele Be­treiber hätten sich übernommen und viel Geld verloren: „Manche machen noch immer ein kleines Vermögen“, sagt Pikkemaat: „Aber vorher hatten sie ein großes.“

Meist Mittelständler

Es gibt auch gute Nachrichten: Der Umsatz der deutschen Discos liegt seit 2002 konstant über 700 Millionen Euro. In 2007 setzte eine Durchschnitts-Disco 482 000 Euro um. Mehr als 6000 Festangestellte und etwa 20 000 Teilzeitkräfte arbeiten in der Branche. Und das Wichtigste: Jährlich strömen 100 Millionen Menschen in die Tanzpaläste der Republik. „Discobesuche sind nach wie vor das beliebteste Freizeitvergnügen bei 16- bis 30-Jährigen“, sagt Stephan Büttner. Jedoch: Verglichen mit den goldenen Disco-Zeiten der 80er- und 90er-Jahre sind Umsatz und Besucherzahlen um bis zu 20 Prozent geschrumpft, schätzen Branchenkenner.

Die Gründe skizziert Hans-Bernd Pikkemaat, nebenbei Vizepräsident des BDT: „Die Kosten und Steuern sind gestiegen, während der Zu­spruch des Publikums nachgelassen hat.“ Allein die Be­triebskosten im Delta Musik Park seien enorm: Monatlich 6000 Euro für den Strom und jährlich 34 000 Euro Gema-Gebühren für die Musik. Dazu kommt das Personal: 15 Festangestellte und bis zu 200 Teilzeitkräfte an Theke, Tür und Toilette – oft auf 400-Euro-Basis. Und die Kommunen in NRW erheben eine hohe Vergnügungssteuer, teils 20 Prozent des Eintrittspreises: Knapp 100 000 Euro führt Pikkemaat jährlich ab. Auf der anderen Seite macht eine Groß-Disco an guten Abenden schnell 50 000 Euro. Die großen Läden sind gemessen an Umsatz und Beschäftigten meist Mittelständler und in ländlichen Gemeinden oft die wichtigsten Steuerzahler.

Exklusivität kostet

Die Kleinen hätten es leichter, ihre Tanzflächen zu füllen, sagt Stephan Büttner vom BDT. Das Dortmunder „Justin’s“ empfängt auf 200 Quadratmetern maximal 300 Gäste. Und die zahlen den Preis für diese Exklusivität: „Die Longdrinks starten bei zehn Euro“, sagt Geschäftsführer Fabrice Ahonoukoun.

Gibt es ein Erfolgsrezept? „Umsatz macht jeder, der das richtige Konzept am richtigen Standort hat“, sagt Branchenkenner Klaus Niester, aber: „Was in Duisburg funktioniert, kann in Herne schief gehen.“