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Blumige Aussichten für das Unternehmen Gartencenter

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Mülheim. 

Der Handel mit Blumen und Gemüse profitiert von der Krise. Das Internet ist dabei gleichermaßen Konkurrenz und Chance.

„Malus domestica“ ist der Renner der Saison. Dabei sieht er eigentlich ziemlich mickrig aus. Kurzer, dünner Stamm, kleine Krone, wenig Blattwerk. Früchte? Fehlanzeige. Und doch geht der Mini-Apfelbaum, Geburtsort Altes Land, im Gartencenter weg wie warme Semmeln.

Und überhaupt: Die Deutschen mögen es nutzwertig. Tomaten, Gurken, Kräuter aller Art bescheren den Gartencentern zurzeit ein kleines Wachstum. „Daran“, sagen Branchenvertreter, „ist die Wirtschaftskrise nicht ganz unschuldig.“

Die Verpackung macht’s

Christof Rumbaum hat dieser Tage viel zu tun. „Wenn die Saison beginnt, bin ich fast jeden Morgen auf dem Großmarkt.“ Dort fängt der Gärtnermeister und Unternehmer neue Trends ein. Den „Elfenspiegel“ zum Beispiel. Die Pflanze aus der Familie der Rachenblütler hat sich hübsch gemacht. Violetter Topf, Blüten in drei Farben, und das alles für knapp drei Euro. „Die Verpackung spielt mittlerweile eine große Rolle. Außerdem achten die Leute auf Marken“, sagt Sabrina Jacob, seit fünf Jahren in Christof Rumbaums Diensten.

Und was ist mit der Wirtschaftskrise? Wenn den Deutschen weniger Geld zum Reisen bleibt, werden Garten und Balkon zum Ersatz-Mallorca. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. „Der lange Winter hat unseren Betrieben schon sehr zu schaffen gemacht“, sagt Peter Botz, Geschäftsführer vom Verband deutscher Gartencenter (VDG). Geranie und Gemüse standen wie Blei auf den Verkaufstischen. Dann begann die Aufholjagd. „Mittlerweile haben wir die Umsatzeinbußen der ersten Monate fast schon wieder wettgemacht.“ Doch gebe es regionale Unterschiede. „Hier im Westen ist der Motor schon angesprungen.“ Der Norden der Republik hinke aber noch etwas hinterher – der Witterung wegen. Botz spricht für 180 Gartencenter im Bundesgebiet – und damit für die Hälfte der inhabergeführten Betriebe in Deutschland.

Auch Deko-Artikel wie die Tonkatze ziehen

Ein solcher ist auch Rumbaums Gartencenter. Mit zwölf Beschäftigten und etwa 2500 Quadratmetern überdachter Verkaufsfläche zählt das Mülheimer Unternehmen zu den Kleinen der Branche. Rund 1,2 Millionen Euro setzte der Betrieb 2009 um. Selber züchten kommt für Rumbaum nicht mehr in Frage. „Das lohnt sich kaum noch“, sagt Gärtnerin Jacob. Explodierende Heizkosten, Düngemittel, Bewässerung: Fuchsien und Fleißige Lieschen kann die Großgärtnerei günstiger. Exoten kommen sowieso aus Spanien und Italien. „Das meiste kaufen wir aber in der Region ein, sagt Gärtnermeister Rumbaum. „Das ist unsere Stärke.“

Für die Gartencenter werden andere Einnahmequellen immer wichtiger. Blechfrosch reiht sich an Pflanzgefäß mit Erdbewässerung, Tontopf an Tonkatze. „Dekorationsartikel gehen immer. Die Leute wollen es zu Hause eben gemütlich haben“, sagt Gärtnerin Jacob. Nur den Klassiker sucht man bei Rumbaums vergebens. Der Gartenzwerg muss draußen bleiben. „Wer keine Vorstellung hat, was sich zu Hause gut macht, bei dem schauen wir auch vorbei.“ Gartengrün gegen Stundenlohn – immer mehr Betriebe beraten auch vor Ort.

Chancen durch das Internet

Besondere Bequemlichkeit verspricht auch das Internet: Primel und Palme per Post – und alles nur Mausklicks entfernt. „Stehende Geranien-Kollektion – 6er-Farbmix für nur 15,95 Euro“, preist der Discounter seine Ware im Netz an. Rumbaum in Mülheim ist noch nicht soweit: „Daran habe ich noch keinen Gedanken verschwendet.“

Auch Peter Botz vom Gartencenter-Verband sieht die Entwicklung gelassen. „Wer im Netz Qualität anbietet und diese auch ordentlich verpackt verschickt, der ist nicht billiger als die Konkurrenz vor Ort.“ Die meisten Kunden wollten die Ware sowieso vorher sehen. „Eine Primel ist eben nicht gleich eine Primel.“

Und doch: Das Netz kann auch für die Gartencenter vor Ort eine Chance sein. „Die Leute holen sich im Internet die Ideen und sprechen uns gezielt darauf an“, sagt Sabrina Jacob. Das gelte im Übrigen auch fürs Fernsehen. Christof Rumbaum ist im Nebenjob der Fernsehgärtner der WDR-Lokalzeit Ruhr. „Wenn der Chef dort mal wieder eine Pflanze angepriesen hat, stehen die Leute am nächsten Tag bei uns im Laden und wollen die haben.“