Baukonzern Heitkamp wird zerlegt

Die Insolvenzexperten Dirk Andres (links) und Frank Kebekus haben nun das Sagen bei Heitkamp. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
Die Insolvenzexperten Dirk Andres (links) und Frank Kebekus haben nun das Sagen bei Heitkamp. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
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Bitteres Ende für den Baukonzern aus Wanne-Eickel nach 120 Jahren Firmengeschichte. Immerhin: Mehr als die Hälfte der Jobs sind offenbar gesichert. Investoren übernehmen weitere Tochterfirmen aus der Baugruppe von Ex-BDI-Präsident Thumann.

Wanne-Eickel.. Der Baukonzern Heitkamp aus Wanne-Eickel gehörte jahrzehntelang zu den Großen der Branche. Beim Bau des Gelsenkirchener Parkstadions war Heitkamp beteiligt. Auch die Kernkraftwerke Brunsbüttel, Stade und Philippsburg hat der Revierkonzern errichtet. Zuletzt fielen zumindest die Baustellenschilder an der A40 auf. Der Ausbau der wichtigsten Ruhrgebietsautobahn gehörte zu den prestigeträchtigsten Großaufträgen der vergangenen Jahre. Es reichte nicht. Vor zwei Monaten musste die Heitkamp-Holding einen Insolvenzantrag stellen. Das bittere Ende nach 120 Jahren Firmengeschichte war besiegelt.

Dabei hatte der Konzern des früheren BDI-Präsidenten Jürgen Thumann noch vor gut eineinhalb Jahren den Eindruck einer guten Geschäftslage vermittelt. Doch schon zu diesem Zeitpunkt war Heitkamp längst nicht mehr so schlagkräftig wie in den besten Tagen. Als die Firma 100 Jahre alt wurde, zählte sie 9000 Beschäftigte. Beim Insolvenzantrag hatte die Heitkamp-Gruppe noch etwa 900 Mitarbeiter.

„Am Ende war die Lage erdrückend“

Für die Insolvenz gebe es „eine Vielzahl von Gründen“, sagt Frank Kebekus, der von der Heitkamp-Führung als Sanierer ins Haus geholt wurde. Der Jurist, der als Insolvenzverwalter die Fälle Astroh-Küchen, Rot-Weiß Essen und Modehaus Wehmeyer betreut hat, verweist auf „erhebliche Verpflichtungen“ durch die Insolvenz der einstigen Tochterfirma Deilmann-Haniel. Hinzu kamen Schulden bei Banken und Pensionsverpflichtungen. „Am Ende war die Lage erdrückend.“

Durch den Atomausstieg seien die Probleme des Kernkraftwerksbauers „weiter gewachsen“, sagt der vom Insolvenzgericht eingesetzte Jurist Dirk Andres, der nun bei Heitkamp die Fäden zieht. Schließlich hätten sich durch die deutsche Entscheidung auch international die Perspektive für die Kernkraft massiv verschlechtert.

Es war insbesondere eine Finanz-Konstruktion, die Heitkamp zum Verhängnis wurde. Einen Großteil ihrer Gewinne mussten die profitablen Heitkamp-Töchter an die Konzern-Holding abführen. „Letztlich reichten die Einnahmen nicht mehr aus, um die finanziellen Altlasten zu schultern“, so Kebekus. „Das konnte auf Dauer nicht funktionieren.“

„Managementfehler im klassischen Baugeschäft sehe ich nicht“

Trotz der Insolvenz stellt Kebekus den Heitkamp-Geschäftsführern ein vergleichsweise gutes Zeugnis aus. Schließlich schreiben sämtliche Heitkamp-Tochterfirmen schwarze Zahlen: „Managementfehler im klassischen Baugeschäft sehe ich nicht. Aber man hätte vielleicht früher erkennen können, dass die Altlasten die Holding überfordern würden.“

Heitkamp stand vor Jahren schon einmal am Abgrund. Jürgen Thumann stieg ein – und galt als Hoffnungsträger. Kebekus sagt, der frühere BDI-Präsident habe „einen signifikanten Millionenbetrag“ investiert. „Natürlich ist es aus seiner Sicht ärgerlich, dass er dieses Geld verliert.“ Ohne Thumann, vermutet Kebekus, „hätte die Firma mit hoher Wahrscheinlichkeit schon viel eher einen Insolvenzantrag stellen müssen“.

Immerhin: Für mehrere Heitkamp-Tochterfirmen gibt es bereits Investoren. Die Bremer Zech-Gruppe hat den Ingenieur- und Kraftwerksbau mit 230 Beschäftigten gekauft, die Bereiche Erd- und Straßenbau sowie Umwelttechnik mit knapp 300 Mitarbeitern gehen an die Dortmunder Stricker-Gruppe.

„Schon jetzt ist mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze gesichert“, betont Kebekus. Zudem sei mit dem raschen Verkauf weiterer Heitkamp-Töchter zu rechnen. Unter Dach und Fach sei der Verkauf der Heitkamp-Firma Domoplan, die auf Wohnungssanierungen setzt. „Die Bau-Gruppe Echterhoff aus Westerkappeln übernimmt Domoplan rückwirkend zum 1. Februar“, sagt Andres. Alle 80 Mitarbeiter sollen ihren Job behalten.

Verkäufe von Tochterfirmen

„Innerhalb der nächsten Wochen wollen wir die Verträge für die Heitkamp-Töchter Bergsicherung Schneeberg und Ilfeld unterzeichnen“, kündigt Kebekus an. Die Firmen haben sich auf Bergschäden-Sanierungen spezialisiert. „Ähnlich optimistisch“ sei er mit Blick auf die Zukunft der Heitkamp-Tochter Beton- und Monierbau (BuM). Die drei Firmen beschäftigen insgesamt 250 Mitarbeiter.

„Von einer klassischen Zerschlagung kann keine Rede sein“, findet Andres. „Auch wenn die Heitkamp-Holding abgewickelt wird, bleiben die Tochterfirmen schließlich bestehen.“ Die Abwicklung der Holding indes hat unmittelbare Folgen für die Beschäftigten. „Zwangsläufig müssen wir allen rund 50 Mitarbeitern der Heitkamp-Holding kündigen“, sagt Andres. „Aber wir gehen davon aus, dass zahlreiche Beschäftigte von den Tochtergesellschaften übernommen werden.“

Trotz der Pleite werden wohl viele Jobs des Baukonzerns erhalten bleiben, doch klar ist auch: Heitkamp als unabhängiges Unternehmen aus dem Revier ist Geschichte.

 
 

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