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Banken geben sinkende Zinsen nicht weiter

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Bei den Dispozinsen verlangen Geldinstitute trotz eines historisch niedrigen Leitzinses noch immer zweistellige Prozentsätze – manche sogar 18 Prozent. Verbraucherschützer kritisieren dieses Verhalten.

Essen. 

Hohe Dispozinsen sorgen bei Bankkunden für anhaltenden Ärger. Wer sein Konto überzieht, zahlt nach Berechnungen des Verbraucherportals Biallo.de derzeit im Schnitt 11,86 Prozent Zinsen. Stiftung Warentest kommt in einer aktuellen Untersuchung sogar auf über zwölf Prozent. „Die Dispozinsen sind noch immer deutlich zu hoch – ein verbraucherfreundlicher Zinssatz liegt bei unter zehn Prozent“, sagt Biallo-Fachmann Marcus Preu.

Der Finanzexperte verweist auf die günstigen Konditionen, zu denen sich Banken Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen. Seit Beginn der Finanzkrise Ende 2008 ist der Leitzins im Euroraum von 4,25 Prozent auf heute ein Prozent gesunken. Der durchschnittliche Dispozins für Bankkunden ging im selben Zeitraum indes nur um rund einen Prozentpunkt zurück. Die Geldhäuser geben ihre günstigen Zinsen also offensichtlich nicht an die Kunden weiter. Nach Berechnungen der Verbraucherzentrale Bremen wurden Bankkunden in den letzten Jahren so um mehrere hundert Millionen Euro geschädigt.

Bei 1600 Instituten nachgefragt

Die Institute rechtfertigen ihre hohen Zinsen damit, dass Überziehungskredite nur für die Überbrückung kurzfristiger Finanzengpässe gedacht seien und viel Verwaltungsaufwand mit sich brächten. Schuldnerberater berichten allerdings, dass zahlreiche Bankkunden dauerhaft in die roten Zahlen rutschten – und teure Dispokredite sie oft endgültig in den Ruin trieben.

Stiftung Warentest hat jetzt bei 1600 Instituten nachgefragt. Ergebnis: Über 20 Institute knöpfen ihren Kunden mehr als 14 Prozent ab. Eine Volksbank verlangte sogar über 18 Prozent. Zu Deutschlands teuersten Banken gehören demnach vor allem kleinere Banken und Sparkassen. So kassiert laut Biallo etwa die Sparkasse Mülheim derzeit 13,48 Prozent, die Sparkasse Essen 12,75 Prozent und die Geno-Bank Essen 13,25 Prozent. Auch die Dickschiffe Commerzbank (13,24 Prozent) und Deutsche Bank (12,75 Prozent) langen kräftig zu. Unrühmlicher Spitzenreiter unter den Großbanken ist die Targobank: 14,7 Prozent.

Bislang keine Zins-Deckelung

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat die Geldhäuser zwar mehrfach aufgefordert, ihre Zinsvorteile an die Kunden weiterzugeben. Rufe der Opposition nach einer Deckelung der Dispozinsen verhallen aber bisher. Wer sich nicht auf die Politik verlassen will, muss selbst aktiv werden und im Zweifel die Bank wechseln.

Günstigste Anbieter im Warentest waren unter den Direktbanken die Deutsche Skatbank (6,0 Prozent), die DAB Bank (6,95 Prozent) und die DKB (7,9 Prozent). Unter den Großbanken schlugen sich SKG, Santander Consumer, Oyak Anker, Merkur und National Bank noch am besten mit Zinssätzen von unter zehn Prozent. ING-Diba, die PSD-Bank Westfalen Lippe und die PSD-Bank Rhein-Ruhr sind laut Biallo ebenfalls günstig.