Atomgegner stürmen RWE-Versammlung

Tobias Bolsmann / Kai Süselbeck
Deutliche Worte bei der Anti-Atomkraft-Demo in Essen.                                                                             Foto: Dirk Bauer
Deutliche Worte bei der Anti-Atomkraft-Demo in Essen. Foto: Dirk Bauer
Offene Konfrontation beim Aktionärstreffen des Essener Energieversorgers RWE: Während Konzernchef Jürgen Großmann den Pro-Atom-Kurs des Unternehmens vehement verteidigte, stürmten Demonstranten den Veranstaltungssaal in der Essener Grugahalle. Es kam zu tumultartigen Szenen. Ein Leibwächter stellte sich schützend vor den RWE-Chef. Unter dem Applaus von Aktionären wurden die Atomkraft-Gegner aus dem Saal geführt.

Vor der Grugahalle hatten sich zuvor etwa 200 Demonstranten versammelt. Die Polizei sprach von einer friedlichen Kundgebung. Zu Handgreiflichkeiten kam es nicht, allerdings schafften es einige Demonstranten, kurz vor dem Halleneingang eine Sitzblockade zu errichten. Damit wollten sie den Aktionären den Zugang zur Versammlung versperren, was zeitweise auch gelang. Einige Atomkraftgegner warfen Wollknäuel auf die wartenden RWE-Aktionäre. So sollte das Geflecht der RWE-Geschäftsbeziehungen symbolisiert werden.

RWE-Vorstandschef Großmann sagte, die Klage seines Konzerns gegen die Bundesregierung sei im Interesse der RWE-Aktionäre notwendig ge­wesen. Vor dem Hintergrund der Katastrophe in Ja­pan sei es zwar verständlich, dass die Politik nicht zur Tagesordnung übergehe, doch die Regierung habe nach dem Motto gehandelt: „Erst ab­schalten, dann prüfen.“

Großmann bekam allerdings auch Gegenwind auf der Hauptversammlung. An dem juristischen Vorgehen hatte sich auch im Kreis der Kommunen, die rund 25 Prozent an RWE halten, Kritik entzündet.

Einige Aktionäre brachten einen Rückzug von Großmann ins Gespräch. „Ändern Sie Ihren Pro-Atom-Kurs. Sonst fordern wir Sie auf: Treten Sie zurück“, kritisierte der Dachverband Kritischer Aktionäre. Großmanns Vertrag läuft noch bis zum Herbst kommenden Jahres.

Großmann hat sich wie kein anderer Manager in Deutschland seit der Reaktorkatastrophe für die Atomenergie in die Bresche geworfen. Anders als RWE verzichteten die drei weiteren Kernkraftbetreiber Eon, EnBW und Vattenfall auf eine Klage gegen das Atom-Moratorium der Bundesregierung.

Rund 200 Demonstranten protestierten vor der Jahreshauptversammlung von RWE gegen Atomkraft.