Abriss des Kernkraftwerks in Hamm wird teurer als geplant

Dietmar Seher
Ein Blick auf das Areal rund um das ehemalige Kernkraftwerk THTR in Hamm.
Ein Blick auf das Areal rund um das ehemalige Kernkraftwerk THTR in Hamm.
Foto: www.blossey.eu
Der geplante Abriss des seit 1989 stillgelegten Hochtemperatur-Reaktors THTR in Hamm-Uentrop wird teurer als erwartet. Die Bundesregierung rechnet mittlerweile mit Kosten in Höhe von 404 Millionen Euro. Die Grünen rechnen mit „weiteren bösen Überraschungen“.

Hamm. Der geplante Abriss des seit 1989 still gelegten Hochtemperatur-Reaktors THTR in Hamm-Uentrop wird immer teurer. Er kann vor allem für die nächsten Generationen zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden. Das belegt eine neue Prognose der Bundesregierung.

Danach soll der „Rückbau“, der wegen der hohen Strahlenbelastung erst zwischen 2023 und 2044 stattfinden kann, 404 Millionen Euro kosten – deutlich mehr als die 347,1 Millionen, die noch 2011 erwartet worden waren. Das Bundesforschungsministerium geht jetzt von Gesamtkosten in Höhe von 735 Millionen Euro aus, die seit der Stilllegung angefallen sind.

Die Regierung nennt die Zahlen in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen. Sie räumt darin ein, dass es auch nach vier Jahren Verhandlung noch keine Einigkeit über die Kostenaufteilung für den besonders teuren Abriss zwischen Bund, Land NRW und den Elektrizitätswerken gibt, die den THTR betreiben. Das sind unter anderem die Strom-Giganten RWE und Eon, aber auch die Stadtwerke Bielefeld.

Grüne befürchten „weitere böse Überraschungen“

Ein jetzt abgeschlossener Vertrag bezieht sich nur auf den „sicheren Einschluss“ des eingemotteten Reaktors und die Kosten für die Zwischenlagerung der Brennelemente. Vereinbart ist, die Ausgaben zu dritteln.

Die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, sagte der WAZ: „Es zeichnet sich ab, dass es bei den THTR-Kosten weitere böse Überraschungen geben wird. Das dicke Ende kommt auf uns Steuerzahler erst noch zu“. Der neue Vertrag sei ein „Minimalkompromiss“. Selbst bei den laufenden Kosten – das ruhende Kraftwerk wird unter anderem von Ingenieuren beaufsichtigt - werde nur ein kleiner Teil geregelt. „Deshalb werden die Eigenmittel des privatwirtschaftlichen Betreibers weiter abschmelzen. Das Risiko, dass der Staat auf immensen Kosten sitzen bleibt, steigt“.

Kotting-Uhl sieht in den Finanzproblemen beim Hammer Reaktor ein schlechtes Vorzeichen für weitere Demontagen im Zug des Kernkraftausstiegs. Damit der Staat am Ende nicht für alles haften müsse, sollten „die Rückstellungen der AKW-Betreiber in einen öffentlich-rechtlichen Fonds überführt werden“, fordert sie.

Hochtemperatur-Reaktor war gerade einmal drei Jahre am Netz

Der Thorium-Hochtemperaturreaktor, dessen Baukosten von damals 2,2 Milliarden Euro schon zu 80 Prozent aus der Staatskasse finanziert worden war, war anfangs auf 20 Betriebsjahre ausgelegt. Letztlich blieb er aber nur drei Jahre – genau: 16 500 Betriebsstunden – am Netz. 1989 entschied der damalige Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber (CDU) wegen „nicht überwindbarer Schwierigkeiten“ und vor allem massiver Unwirtschaftlichkeit das Aus und den „sicheren Einschluss“ des Werks bis zur späteren Demontage.

Das anders als bei anderen Reaktoren weit höher, nämlich zu 93 Prozent angereicherte Uran aus der Anlage ist zum großen Teil im Zwischenlager Ahaus untergebracht. Der Kernenergie-Kritiker Rainer Moormann hat Sicherheitsbedenken gegen die Einlagerung geäußert, sollten sich Terroristen Zugang verschaffen können. In der „taz“ sagte er: „Mit simpelster Technologie können daraus 10 bis 12 Atombomben hergestellt werden“.

Um das Abriss-Management des THTR bewerben sich nach Information unserer Zeitung die Energiewerke Nord in Lubmin. Sie sind ähnlich schon am Forschungsreaktor Jülich engagiert und wracken Russlands Atom-U-Boot-Flotte ab.