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90 Kündigungen bei SMS-Gruppe in Hilchenbach

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Foto: Lars Heidrich
Belegschaft von SMS in Hilchenbach nimmt weiteren Personalabbau gefasst auf. 90 Mitarbeitern wird betriebsbedingt gekündigt. 317 scheiden bis Ende 2017 aus.

Hilchenbach/Düsseldorf. 

Der Tenor der Mitarbeiter ist einhellig: Es hätte uns schlimmer treffen können. Die Nachrichten, die Konzernchef Burkhard Dahmen auf der Betriebsversammlung bei SMS in Hilchenbach am Dienstagnachmittag verkündet, sind nicht rosig, aber sie zeigen eine Perspektive auf.

„Jede Stelle, die abgebaut wird, ist eine Stelle zu viel“, sagt Tobias Tigges, Vorsitzender des Betriebsrates. „Wenn man bedenkt, wo wir bei den Verhandlungen gestartet sind, ist es trotzdem ein Stück weit ein Erfolg. Anfangs war es wie ein Alptraum. Es kursierte eine dreistellige Zahl.“

Überkapazitäten in der Stahlbranche

Seit eineinhalb Jahren steht der 34-Jährige an der Spitze der Arbeitnehmervertretung. „Seit meinem 16. Lebensjahr arbeite ich im Unternehmen. Es ist wichtig, dass Ruhe einkehrt.“ Und er weiß, es stehen dem Anlagebauer schwierige Zeiten bevor. Seine Hoffnung: „2018 geht es wieder aufwärts.“

Eine Hoffnung, die Konzernchef Burkhard Dahmen, „ich bin mehr als 25 Jahre bei SMS“, teilt. Die anhaltende Krise in der Stahl-, Kupfer und Aluminiumindustrie schüttelt den Konzern durch. Aufträge sind Mangelware. Der Ausrüster von Walzstraßen und Hüttenwerken leidet unter den weltweiten Überkapazitäten in der Stahlbranche. Dahmen: „Sie liegen gegenwärtig bei 30 Prozent.“ Das bedeute im Umkehrschluss, die Auslastung der Hütten liege bei unter 70 Prozent. „Da werden keine Gewinne gemacht, da wird nichts investiert.“ Folglich werde die SMS-Gruppe 2016 und 2017 nicht das erhoffte Auftragsvolumen erreichen. „Es bleibt eine Durststrecke.“ Der Bau kompletter Produktionsanlagen, erinnert sei an die Spitzenzeiten im Jahr 2008 und 2009, gehört längst der Vergangenheit an.

Ziel 2017: 1611 Beschäftigte

Mit Folgen für die Belegschaft. Am Standort in Hilchenbach-Dahlbruch wird 90 Mitarbeitern Ende Mai betriebsbedingt gekündigt. Im Juli sollen sie in eine Transfergesellschaft versetzt werden. Dahmen: „Natürlich tut mir das weh.“

Derzeit sind hier 1928 Frauen und Männer beschäftigt. Bis Ende 2017 sollen einschließlich der aktuellen Entlassungen insgesamt 317 Beschäftigte ausscheiden. Ziel der Personalplanung in eineinhalb Jahren: 1611 Beschäftigte.

Der Personalabbau ist bundesweit in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat erfolgt, so heißt es übereinstimmend. So wird die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland nach Angaben des Konzerns von 5250, Stand Anfang 2014, bis Ende 2017 um 1200 auf 4050 verringert. Der Großteil der Mitarbeiter scheidet über Regelungen zur Altersteilzeit und der Rente mit 63 für langjährige Versicherte aus.

Nach eigenem Bekunden will die SMS-Gruppe Anbieter der gesamten metallurgischen Prozesskette sein. Das Know-how der über Altersteilzeit ausscheidenden erfahrenen Mitarbeiter soll in einem Übergangsprozess auf jüngere Mitarbeiter im Sinne der Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens übertragen werden. Und angesichts der Abnahme im Anlagengeschäft will SMS den Ausbau der Reparaturen und Wartung von Anlagen forcieren. „Wir können nicht billiger“, sagt Dahmen, „wir können besser.“

Die SMS-Gruppe werde am Ausbau der Wachstumsfelder Digitalisierung, Elektrik und Automation, Service sowie Energie- und Umwelttechnik festhalten. „Wie geplant.“ Angesichts des Personalabbaus überrascht Dahmen am Ende mit einer Nachricht: „Wir haben 80 offene Stellen im Ausland, die wir nicht besetzen können. Nachwuchskräfte sind dazu nicht bereit.“