100 Jahre Aldi - Wie die Albrechts Geschichte schreiben

So sah das Geschäft der Familie Albrecht in der Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck im Jahr 1930 aus.
So sah das Geschäft der Familie Albrecht in der Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck im Jahr 1930 aus.
Foto: obs/ALDI Einkauf GmbH & Co.oHG
Vor 100 Jahren wurde in Essen die erste Filiale von Aldi eröffnet - damals noch als "Handel mit Backwaren". Seitdem ist das Unternehjmen enorm gewachsen, heute sind die Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd in 17 Ländern in Europa, Nordamerika und Australien aktiv.

Essen.. Aldi ist hier noch richtig Aldi. Keine hochmoderne Ladeneinrichtung, kein Schnickschnack. Hier zählt der Preis. Nur die neuen Einkaufskörbe fallen auf. Die Filiale in der Essener Huestraße 89 ist allerdings kein Aldi-Laden wie jeder andere. Vor 100 Jahren legte die Familie Albrecht im Nachbarhaus den Grundstein für den Handelsriesen Aldi. Der Bäcker Karl Albrecht (geboren 1886, gestorben 1943) startete am 10. April 1913 einen „Handel mit Backwaren“. Generationen später sind die eigenständigen Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd in 17 Ländern in Europa, Nordamerika und Australien aktiv.

Die Männer hinter der Aldi-Erfolgsgeschichte sind die Söhne des Firmengründers, Karl Junior (geb. 1920) und Theo Albrecht (geb. 1922, gest. 2010). Nach dem Tod des Vaters übernahmen sie Verantwortung im elterlichen Geschäft und entwickelten das Discount-Konzept. „Die Familie Albrecht hat Wirtschaftsgeschichte geschrieben mit der Erfindung eines Formates, das man bis dahin auf der ganzen Welt nicht kannte“, sagt der Geschäftsführer des Kölner Handelsinstitutes EHI, Michael Gerling. „In einer Zeit, als im Lebensmittelhandel vorverpackte Ware und Selbstbedienung Einzug hielten, kam die Familie Albrecht auf die Idee: Wir konzentrieren uns auf Artikel, die man täglich braucht ohne eine große Auswahl zu bieten.“

Mit dem schmalen Sortiment und einfachen Betriebsabläufen konnte Aldi die Kosten niedriger halten, als das bei anderen Unternehmen der Fall war. „Wer die niedrigsten Kosten hat, kann die besten Preise bieten“, so Gerling. Aldi verkauft Ware auf Paletten, die Regale werden gleich kartonweise mit Ware bestückt. Schnell müsse bis heute alles gehen. „Der Strichcode, den Aldi erst spät mit der Umstellung von D-Mark auf Euro in seinen Kassensystemen einführte, wird x-fach auf die Packung gedruckt, damit die Kassiererin die Ware nicht drehen muss.“

Zwei eigenständige Unternehmen

Aldi ist aber nicht gleich Aldi: Bereits 1961 teilten sich die Brüder das Geschäft und die Welt gleich mit auf. Es entstanden die rechtlich eigenständigen Unternehmen Aldi Nord mit Theo an der Spitze und Aldi Süd geführt von Karl Junior. Über den genauen Anlass für die Trennung wird bis heute gerätselt. Aldi Nord und Aldi Süd unterscheiden sich nicht nur im Logo.

Auch im Sortiment der Lebensmittel-Händler gibt es Unterschiede. Zur Größe des Handelsimperiums halten sich die Konzerne bedeckt. Nach Schätzung des Branchendienstes Planet Retail kamen Aldi Nord und Aldi Süd 2012 auf rund 62 Milliarden Euro Umsatz (brutto) mit insgesamt 10 000 Filialen.

Erfolg kam mit den Nonfood-Artikeln

„Fragt man sich, wie Aldi so populär wurde, muss man zurück in die 80er-Jahre blicken. Der Startschuss des Erfolgs fiel mit den Nonfood-Artikeln. Ich denke an den ersten Billig-PC“, sagte Rewe-Chef Alain Caparros, der selbst sechs Jahre lang Manager bei Aldi Nord war. Die strikte Maßgabe, dass für einen völlig neuen Artikel ein Produkt komplett aus den Regalen verschwinden muss, gilt schon lange nicht mehr.

Aldi Nord und Aldi Süd nehmen zunehmend Markenartikel in ihre Läden. Paradebeispiel ist die Weltmarke Coca-Cola, die vor fünf Monaten eingelistet wurde. Das ungefähr 1000 Artikel umfassende Sortiment von Aldi wurde in den vergangenen Jahrzehnten um Tiefkühlware und Frischfleisch erweitert. Mit einem größeren Angebot an Backwaren knüpft Aldi seit einigen Jahren an seinen Ursprung an.

 
 

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