Oberhausener Köpi-Arena steht im Wettbewerb mit Köln

Arena-Geschäftsführer Johannes Partow in der leeren Konzerthalle, die in internationalen Künstlerkreisen einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat.
Arena-Geschäftsführer Johannes Partow in der leeren Konzerthalle, die in internationalen Künstlerkreisen einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat.
Foto: Lars Heidrich
Johannes Partow erklärt im Interview, mit welchen Ansprüchen die Leitung der Köpi-Arena Shows und Konzerte für ganz NRW nach Oberhausen lotsen möchte.

Oberhausen.. Herr Partow, war 2014 aus Ihrer Perspektive als Hallen-Geschäftsführer für die Arena ein gutes Jahr?

Johannes Partow: Es war ein interessantes Jahr mit Höhen und Tiefen, aber am Ende erfolgreich. Die Mitbewerber in der Region haben aufgeholt und sind näher an uns herangerückt. Es besteht ein Hauptwettbewerb mit dem Standort Köln. Wir müssen den Abstand nach unten wieder etwas vergrößern und gleichzeitig nach oben aufholen. Wir wollen die Halle in der Region sein, in der Helene Fischer oder Udo Lindenberg auftreten. Auch wenn die Kölner Lanxess-Arena die größere Kapazität hat, wollen wir uns die Butter nicht vom Brot nehmen lassen.


Ist Oberhausen im Konzertgeschäft eine Marke?

Partow: Auf jeden Fall. Das sehen wir bei Nicki Minaj oder David Gilmour, die ihre Konzerte nur bei uns spielen. Wir wollen Shows zeigen, die in Nordrhein-Westfalen nur in Oberhausen zu sehen sind. Oberhausen hat in der Konzertbranche einen hohen Bekanntheitsgrad, speziell im Ausland. Viele kleinere Veranstaltungen sind in der Arena hinzugekommen.


Lohnen sich Produktionen, die nur in halber Halle gespielt werden überhaupt?

Partow: Das Geschäft wird verkannt. Wir begleiten die Künstler, wenn sie ihre Karriere beginnen. Das hat den Vorteil, dass sie Oberhausen nicht vergessen, wenn sie durchstarten. Da benötigt man Weitblick. Helene Fischer ist auch so ein Beispiel.


Haben einige Sänger und Gruppen Hemmungen, eine große Arena zu buchen?

Partow: Die Arena hat den Ruf, dass du dort spielst, wenn du es geschafft hast, und nicht, wenn du noch davor stehst. Wir müssen selbst daran arbeiten, dem Künstler die Angst zu nehmen. Dabei gibt es beim Konzert mehrere Einnahmequellen für einen Sänger, das fängt beim Verkauf der Fanartikel an. Auch eine kleine Halle kann sich lohnen.


Turbinenhalle, Luise-Albertz-Halle, Resonanzwerk: Sind diese kleineren Oberhausener Hallen für die große Köpi-Arena tatsächlich eine Konkurrenz?

Partow: Wir sehen uns nicht im Wettbewerb mit diesen Hallen. Ich kann mir aber eine größere Kooperation miteinander vorstellen.
Warum soll nicht jemand, der eine große Kapazität in der Turbinenhalle erreicht, in der Arena spielen oder wer in der Arena eine Kapazität nicht erlangt, dafür in die Turbinenhalle wechseln? Aber das hängt natürlich oft vom Künstler-Management ab.

1,8 Millionen Euro werden in den nächsten drei Jahren investiert

Mit der Luise-Albertz-Halle haben Sie kooperiert. War diese Zusammenarbeit fruchtbar?

Partow: Ich denke, der Nutzen ist eher im Kongresswesen zu sehen als im Rock- oder Popbereich. Da liegt aus meiner Sicht der Fokus.


Das Centro renoviert bald das Einkaufszentrum und investiert einige Millionen Euro. Auch die Arena existiert seit 1996. Planen Sie etwas Ähnliches?

Partow: Wir werden in den nächsten drei Jahren 1,8 Millionen Euro investieren. Wir strecken die Pläne bewusst über diesen Zeitraum, weil wir jederzeit spielfertig sein wollen.
Nur in der kurzen Sommerpause haben wir letztlich Zeit für Umbauten.

Was wird in der Halle nun im Detail verändert?

Partow: Im Foyer, also wenn man die Arena durch den Haupteingang betritt, wollen wir uns um den Boden kümmern. Da geht es um die Optik, aber auch um die Sicherheit. Der Boden erhält einen höheren Reibwert. Das ist wichtig, etwa bei größerer Feuchtigkeit. Die Wandverkleidung soll einheitlich und modern werden. Die offene Steinfront war Ende der 90er Jahre modern, aber die Zeiten haben sich geändert.


Wird sich die Arena auch vergrößern?

Partow: Wir bauen am Haupteingang einen kleinen Gebäudeabschnitt an, der als große Garderobe dienen soll. Der Flächennutzungsplan lässt sonst kaum etwas zu. Wir renovieren die Toiletten, die Farbe wird sich ändern und in Rot und Weiß gestaltet. Das gilt auch für den Suiteneingang, der überdacht und komfortabler werden soll. Die Suiten selbst werden umgebaut, angefangen bei den Möbeln, über den Boden bis hin zu einem neuen Plasmafernseher.

Ändert sich im Innenraum der Arena?

Partow: Die Idee der Leuchtbande ist überholt. Sie dient für uns nur noch als Effektlicht. Die Bannerfront wird abgebaut und ein Teil davon durch LED-Leinwände ausgetauscht. Die Bestuhlung wird ausgewechselt, weil sich die Sitzgewohnheiten gegenüber der Zeit der Eröffnung geändert haben. Auch die Vorhänge vor der Bühne werden ausgetauscht. Es handelt sich um nicht brennbare Glasfaservorhänge, die es nicht von der Stange gibt.


In welchen Bereichen ist die Technik überholt?

Partow: Das fängt bei vermeintlich banalen Dingen hinter den Kulissen an. Licht-Dimmerschalter gab es in dieser Form für unsere Zwecke 1996 ganz einfach noch nicht. Also werden wir sie jetzt nachrüsten. Auch die Beschilderung zur Arena wird erneuert.

Welche Zukunftsprojekte wünschen Sie sich?

Partow: Wenn die Arena ausverkauft ist, kann es passieren, dass manche Handynetze es nicht mehr schaffen. Darum wollen wir ein kostenfreies WLAN nachrüsten. Auch über das Bezahlsystem müssen wir nachdenken. In Asien funktioniert viel über QR-Codes, die Kreditkarten und Bargeld in manchen Bereichen immer weiter ablösen.


Mit welchen Baumaßnahmen fangen Sie an?

Partow: Das ist nicht immer einfach, aber im Sommer wollen wir mit den Boden- und Wandflächen beginnen.

Die Hallenkapazität ist begrenzt

Kann sich auch an der Hallenkapazität etwas ändern?

Partow: Diese ist begrenzt. Knapp 13.000 Besucher passen hinein, dafür gibt es auch eine Genehmigung. Es wäre nicht so einfach, eine weitere Tribüne hinzuzufügen. Man könnte die Kapazität nur erhöhen, indem man Sitz- in Stehplätze umwandelt.


Ist so eine Idee aus der Luft gegriffen oder ernsthafte Überlegung?

Partow: Es ist eine Überlegung, weil Kapazität immer eine Frage ist. Das hat auch mit der Konkurrenzsituation zu tun. Aber es müssten dann weitere Notausgänge geschaffen werden, was Kosten verursacht, die durch die zusätzlichen Stehplätze erst wieder eingespielt werden müssten. Das ist eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Auf den Gängen wird es bei einem ausverkauften Haus speziell in den Pausen an manchen Stellen sehr eng und voll.


Wie wollen Sie diese Situation entschärfen?

Partow: Der Andrang hat damit zu tun, dass viele Personen zeitgleich zu den Raucherbalkons strömen. Wir schaffen eine Entzerrung, indem wir am Haupteingang die Außenfläche öffnen und so zum Teil der Halle machen. Wir verdoppeln damit die Raucherfläche, die beiden Balkons an den Seiten bleiben weiterhin geöffnet. So soll der Kreuzungsverkehr an den schmalsten Stellen der Halle verhindert werden.

Wie viel Einfluss hat die Hallenleitung auf die Akustik?

Partow: Ganz bedingt, je nach Künstler und Veranstalter. Es gibt Künstler, die auf Klang-Rückmeldungen von uns reagieren und eben auch andere, die sich nicht reinreden lassen.


Ärgert Sie das?

Partow: Natürlich. Wir investieren schließlich, damit die Akustik stimmt. Es ärgert mich natürlich, dass manche Kritik am Klang auf das Haus bezogen wird. Aber daran arbeiten wir und weisen die Künstler weiterhin darauf hin, wenn etwas klanglich nicht passt.


Das Interview mit Johannes Partow führte Dirk Hein.

 
 

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