Bürger in Oberhausen wollen keine Schlingensief-Straße

Foto: Ulla Emig
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Oberhausen.. Das Verhältnis der Oberhausener zu Christoph Schlingensief, einem der berühmtesten Söhne der Stadt, bleibt schwierig. Der Idee jedenfalls, die Straße Altmarkt in Christoph-Schlingensief-Straße umzubenennen, erteilten die Anwohner jetzt eine deutliche Absage. Nur zwei äußerten sich positiv, die anderen möchten die neue Adresse nicht. Unter den Begründungen dafür ist auch die, man lehne das Werk des im vergangenen Jahr verstorbenen Theater- und Filmkünstlers ab. Andere kennen ihn gar nicht.

„Wir haben 28 Parteien angeschrieben, 21 haben sich geäußert“, sagt Planungsdezernent Peter Klunk. „19 waren gegen die Umbenennung, zwei dafür.“ Die Stadt hatte die Erhebung auf eine Anfrage des Sprechers der SPD im Kulturausschuss, Manfred Flore, gestartet. Klunks Fazit angesichts des Ergebnisses: „Es wird keine Umbenennung dieser Straße geben.“

Herz-Jesu-Kirche vis-à-vis

Dabei schien die kurze Straße, die die südliche Grenze des Altmarkts in der Innenstadt bildet, besonders passend. Sie läuft auf die Apotheke zu, die früher Schlingensiefs Vater betrieb und liegt vis-à-vis der Herz-Jesu-Kirche. Dort war das spätere Enfant terrible der deutschen Kulturszene einst Messdiener, für seine Inszenierung „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ bildete er das Innere des Gotteshauses nach. Nach seinem Tod nahmen Freunde, Familie und Wegbegleiter – auf seinen Wunsch – dort bei einem Trauergottesdienst von ihm Abschied.

Die Mehrheit der Anwohner des Altmarkts überzeugt das alles freilich nicht. Sie scheuen vor allem den bürokratischen und finanziellen Aufwand, den eine Umbenennung ihrer Straße mit sich brächte. Da müssen Personalausweise, Briefköpfe und Telefonbucheinträge geändert werden. Gerade wenn es sich um eine Geschäftsadresse handelt, kann da durchaus einiges an Kosten zusammenkommen.

Manfred Flore zeigt Verständnis, ist aber trotzdem enttäuscht, zumal es im Vorfeld „viele positive Stimmen“ gegeben habe.

Enttäuschung im Gdanska

Gemeinsam mit Gerd Lepges, dem Vorsitzenden des Theaterfreundeskreises und in Sachen Straßenumbenennung ein leidgeprüfter Kämpfer, will er nun „noch mal nachdenken, ob es nicht eine andere würdige Stelle für die Ehrung von Christoph Schlingensief in Oberhausen gibt“. Auch Planungsdezernent Klunk zeigt sich optimistisch, dass eine Alternative gefunden werden könnte. Entscheiden müsste über eine Umbenennung letztlich die zuständige Bezirksvertretung.

Vielleicht noch enttäuschter als bei den Initiatoren ist man über das Scheitern des Projekts Schlingensief-Straße am Altmarkt natürlich im „Gdanska“. „Wir waren 200 Prozent dafür“, sagt die Wirtin der Kulturkneipe Maria Golebiewski, die Christoph Schlingensief persönlich kannte. „Die Umbenennung wäre eine große Sache gewesen. Dass es nicht klappt, ist eine traurige Nachricht.“

 
 

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