VHS soll vorläufig unter Denkmalschutz gestellt werden

Erhaltenswert? Der 70er-Jahre-Bau der Volkshochschule steht wegen der hohen Unterhaltungs- und Sanierungskosten zur Disposition.
Erhaltenswert? Der 70er-Jahre-Bau der Volkshochschule steht wegen der hohen Unterhaltungs- und Sanierungskosten zur Disposition.
Foto: www.blossey.eu
Das Amt für Denkmalpflege im Rheinland will die unwillige Stadt Mülheim in Kürze dazu bewegen, das VHS-Gebäude in der Müga zumindest vorläufig schon unter Denkmalschutz zu stellen.

Mülheim. Im Denkmalstreit um den Erhalt der VHS kündigte das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland nun auf Anfrage dieser Zeitung an, möglichst noch in diesem Monat eine vorläufige Unterschutzstellung des 70er-Jahre-Baus beim städtischen Denkmalamt zu beantragen. Gleichzeitig will die Landesbehörde die Denkmalwürdigkeit nun selbst begutachten.

Entsprechendes bestätigte am Mittwoch Dr. Helmtrud Köhren-Jansen, Abteilungsleiterin für die Inventarisation beim LVR-Amt. Mit der vorläufigen Unterschutzstellung verfolge man das Ziel, die VHS-Substanz auch während der Zeit der Begutachtung zu sichern. Folgt die Stadt der Antragstellerin, bliebe der LVR-Denkmalbehörde mit dem Tag der Eintragung ein halbes Jahr Zeit, ein wissenschaftlich fundiertes Gutachten zur Denkmalwürdigkeit vorzulegen.

Sechs Monate für Gutachten

Die Aussage von Mülheims Planungsamtsleiter Jürgen Liebich zuletzt vor der Politik, mit dem Gutachten sei innerhalb von zwei Monaten zu rechnen, wies Köhren-Jansen allerdings zurück. Es werde allein schon länger dauern, weil die zuständige Referentin, die in der vergangenen Woche noch zur Abstimmung des Verfahrens in Mülheim war, längerfristig erkrankt sei. Andererseits seien für das Gutachten dezidiert wie aufwändig Fragen der architekturgeschichtlichen, bautypologischen, orts- und sozialgeschichtlichen sowie städtebaulichen Bedeutung des Gebäudes zu behandeln. „Diese Parameter sind ganz konkret mit Inhalt zu füllen“, so Köhren-Jansen.

Dazu müsse sich die Gutachterin etwa genauestens mit dem Gesamtwerk des Architekten Dietmar Teich und dessen Bedeutung im Ruhrgebiet auseinandersetzen. Nur eine der weiteren Fragen sei: Was macht Mülheims VHS-Bau so besonders im Vergleich zu den zahlreichen anderen Bauten, die zur selben Zeit entstanden sind?

Stadt fordert eine nachvollziehbare Begründung

Die Stadt ist bekanntlich wenig erpicht darauf, in der Müga ein weiteres Denkmal unterhalten zu müssen, von „Millionengrab“ ist schon die Rede. Ohnehin rechnet sie mit – von Kritikern allerdings in Frage gestellten – 16 Mio. Euro für eine umfassende Sanierung. Ein Denkmalschutz würde nötige energetische und Brandschutzmaßnahmen sicher verteuern.

So kündigt Planungsamtsleiter Jürgen Liebich derweil gegenüber dieser Zeitung an, ein genaues Auge auf die Begründungen der Pulheimer Denkmalpfleger werfen zu wollen und „alle Rechtsmittel“ zu prüfen für den Fall einer aus Sicht der Stadt ungerechtfertigten Unterschutzstellung. Liebich: „Da muss schon eine nachvollziehbare Begründung her, ein bisschen mehr Fleisch dran.“

VHS: OB-Kandidaten machen keine Versprechen 

Die beiden Oberbürgermeisterkandidaten, Ulrich Scholten (SPD) und Werner Oesterwind (CDU), haben mittlerweile auf einen offenen Brief der Bürgerinitiative „Erhalt unserer VHS in der Müga“ geantwortet. In den Schreiben, die die Kandidaten dieser Zeitung auf Anfrage zugesendet haben, sind – wenig überraschend – keine großen Wahlversprechen für die VHS-Freunde zu finden.

„Auch in Zukunft muss die VHS ihre Aufgaben erfüllen können“, heißt es da bei Oesterwind. Auch Scholten lässt keinen Zweifel daran, dass ihm an einer Zukunft der Institution gelegen ist: „Mir ist der Erhalt einer zentralen VHS in der Innenstadt wichtig“, schreibt er. „Jedoch ist dies losgelöst von dem Gebäude zu betrachten“, ist er mit Verweis auf einen Investitionsstau von 16 Millionen Euro ganz auf der Linie von Bildungsdezernent und Parteifreund Ulrich Ernst. Wer das VHS-Gebäude saniert sehen wolle, müsse auch sagen, an welcher anderen Stelle das Geld weggenommen werden solle.

Scholten: Jedes Denkmal kostet Geld, das in der Regel nicht da ist

Zur Denkmalfrage wird Scholten deutlicher: „Ungeachtet meiner persönlichen Präferenzen kostet jedes Denkmal Geld, das in der Regel nicht vorhanden ist.“ Es sei daher sehr genau abzuwägen, „ob wir der Unterschutzstellung von Gebäuden aus den 70er-Jahren wirklich das Wort reden wollen“. Von der Denkmalbehörde beim LVR sei vorab eine Debatte einzufordern, in der alle Interessen abgewägt würden, eben auch unter Berücksichtigung der Haushaltssituation nicht nur von Mülheim, sondern auch vieler anderer Städte in der Region.

CDU-Kandidat Oesterwind geht auf den Denkmalstreit nicht explizit ein, verweist nur auf den insgesamt „hohen Renovierungsbedarf“, der auf die hoch verschuldete Stadt bei Erhalt des Gebäudes zukomme. „Insofern ist eine sorgfältige Prüfung der einzusetzenden Mittel erforderlich“, so Oesterwind. Als Oberbürgermeisterkandidat wolle er diese Prüfungen abwarten, teure Wahlversprechen werde er nicht machen.

 
 

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