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Polizei evakuierte Rhein-Ruhr-Zentrum nach Bombendrohung beim Verfassungsschutz

Bombendrohung löste Evakuierung des Rhein-Ruhr-Zentrums aus

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Räumung Rhein Ruhr Zentrum Foto: Sebastian Konopka
Nach einer Bombendrohung unter der Islamisten-Hotline des Bundesamtes für Verfassungsschutz hat die Polizei am Sonntagmittag das Rhein-Ruhr-Zentrum geräumt. Tausenden Kunden und Besuchern des Trödelmarktes wurde per Durchsage ein „technischer Defekt“ gemeldet. Um 19 Uhr gab die Polizei Entwarnung.

Mülheim. 

Großalarm im Rhein-Ruhr-Zentrum (RRZ): Nach einer Bombendrohung beim Bundesamt für Verfassungsschutz evakuierte die Polizei Essen/Mülheim das Einkaufszentrum am Sonntagmittag mit einem Großaufgebot. Um eine Massenpanik zu verhindern, bat das RRZ-Management die Kunden und die Besucher des Antik- und Trödelmarktes ab etwa 12.15 Uhr, das Gelände wegen eines „technischen Defektes“ zu verlassen. Fast sieben Stunden später, nach der Durchsuchung des Geländes um 19 Uhr, gab die Polizei Entwarnung.

Ausgelöst hatte den Großeinsatz an der A 40 ein anonymer Anruf beim Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln am Sonntagmorgen: Ein nach Angaben der Polizei noch unbekannter Mann warnte unter der Nummer der Islamisten-Hotline vor einem Sprengstoffanschlag in dem Mülheimer Einkaufszentrum. Dort würden im Laufe des Tages zwei Koffer mit Sprengstoff gezündet. Die Hotline ist als eine Maßnahme des Programms HATIF („Heraus Aus Terrorismus und Islamistischem Fanatismus“) rund um die Uhr geschaltet. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Kriminalpolizei keine Angaben, ob sie dem Verursacher der Evakuierung bereits im Laufe des Sonntags auf die Spur gekommen ist.

„Wir müssen mehrere tausend Leute in Ruhe vom Gelände bekommen und Panik verhindern“, erklärte Tanja Hagelüken von der Polizei Essen/Mülheim am Mittag die Strategie, den tatsächlichen Grund für die Evakuierung bis zum Sonntagnachmittag geheim zu halten. Dennoch griff ihre Behörde mit einem Großaufgebot ein: Sie forderte Verstärkung aus den umliegenden Polizeibehörden an und sperrte auch die Autobahnzufahrten zum Rhein-Ruhr-Zentrum, die Abfahrten MH-Heimaterde (20), gegen 12.30 Uhr. Wenig später riegelten Polizisten der Einsatzhundertschaft die Zugänge in das Einkaufszentrum ab. Auch die Feuerwehr Mülheim unterstützte die Räumung. Später sagte Tanja Hagelüken, es seien insgesamt etwa 10.000 Menschen auf dem Gelände gewesen.

Verstopfte Straßen, aber keine Panik

Zusätzlich erschwert wurde die Evakuierung durch die beliebte Großveranstaltung: Jeden ersten Sonntag im Monat lockt der Antik- und Trödelmarkt bis zu 30.000 Besucher auf den Parkplatz des RRZ-Areals. Zum ersten Trödel 2013 wurden 8000 bis 10.000 Besucher erwartet. Auch der Veranstalter des auf dem Parkplatz veranstalteten Marktes meldete den Besuchern in Ansprache mit der Einsatzleitung einen „technischen Defekt“. Unter den Händlern hatte sich der tatsächliche Grund für die Räumung auch gegen 14 Uhr noch nicht herumgesprochen. Währenddessen brodelte im Internet, etwa beim Kurznachrichtendienst Twitter, die Gerüchteküche.

Nach Augenzeugenberichten verließen Tausende das Gelände ruhig und diszipliniert. Ihnen entgegen kamen allerdings ahnungslose Fußgänger und Autofahrer. Die Folge: Staus auf allen Straßen um das Einkaufszentrum und auf der A 40 ab etwa 13 Uhr. Das Verkehrschaos konnten auch RRZ-Ordner und die Beamten der Einsatzhundertschaft nicht verhindern.

RRZ bis 15 Uhr komplett geräumt, Sprengstoffspürhunde im Einsatz

Die Verkaufshallen waren um etwa 14 Uhr menschenleer, die Räumung des Trödelmarktes dauerte bis kurz nach 15 Uhr. Während die letzten Händler auf dem Parkplatz ihre Waren einpackten, schickte die Einsatzleitung Sprengstoffspürhunde in die Gebäude und auf das Trödelmarkt-Gelände. Später kreiste auch ein Polizeihubschrauber über der A 40 und dem Rhein-Ruhr-Zentrum. Dessen Leitung sagte den Antik- und Trödelmarkt um 14.36 Uhr via Facebook ab und bedankte sich auf diesem Weg bei Kunden, Händlern und Mitarbeitern bei allen, „die vor Ort vorbildlich gehandelt haben“.

Bis die Polizei ihre Sperren wieder abbauen konnte, dauerte es allerdings bis 19 Uhr. „Unsere Kollegen und die Spürhunde haben nichts gefunden“, sagte Polizeisprecherin Tanja Hagelüken. Sonntags ist das Rhein-Ruhr-Zentrum bis 22 Uhr geöffnet.