Personalabbau bei Europipe in Mülheim ist nicht vom Tisch

Der jüngste Auftragseingang sichert die Beschäftigung bei Europipe zumindest bis Februar 2016.
Der jüngste Auftragseingang sichert die Beschäftigung bei Europipe zumindest bis Februar 2016.
Foto: Ole Heyer
Die Schwankungen im Projektgeschäft von Europipe lassen die Chefetage darüber nachdenken, ob die Stammbelegschaft auf Dauer zu verkleinern ist.

Mülheim. Ob bei Europipe Personalabbau im großen Stil die Antwort auf die jüngst wiederkehrenden Auftragsflauten sein wird, ist nicht entschieden. Das unterstrichen am Montag im Gespräch mit dieser Zeitung der alte und der neue Chef der Mannesmannröhren Werke, Wolfgang Eging und Dr. Clemens Stewing.

Zuletzt hatte ein neuer Großauftrag für Europipe dafür gesorgt, dass Pläne zum Abbau von rund 200 Arbeitsplätzen schon zum Jahresende zumindest vorerst vom Tisch sind. 170.000 Tonnen Großrohre hat das Mülheimer Werk für die Trans-Adria-Pipeline zu produzieren. Der Auftrag, so Dr. Clemens Stewing als neuer geschäftsführender Vorstand der Mannesmannröhren Werke, bringe mit weiteren kleineren Bestellungen Beschäftigungssicherheit bis Februar.

Hoffen auf Zuschlag für großes Projekt in der Ostsee

Zugleich ist der Röhren-Chef „guter Hoffnung“, dass Europipe auch „einen Stück des Kuchens“ abbekommt, der als Auftrag für das riesige Pipeline-Projekt „North Stream II“ in der Ostsee zu vergeben ist. Beim Erstprojekt hatte Europipe die Hälfte des Auftragsvolumens an Land gezogen. Auch dieses Mal will der Weltmarktführer für geschweißte Großrohre mit seiner Referenz punkten, „große Mengen in kürzester Zeit und in exzellenter Qualität“ liefern zu können, wie es Stewing-Vorgänger Wolfgang Eging auf den Punkt bringt.

Aber was kommt dann? „Es ist noch nichts in Sicht“, sagt Stewing. Die Perspektive reiche nicht, „um das Geschäftsmodell in dieser Größe dauerhaft zu betreiben“. Stewing blickt zur US-Tochter von Europipe, wo es „mit atemberaubender Flexibilität“ gelinge, auch in auftragsschwachen Jahren profitabel zu sein. Das könne auch für das Projektgeschäft im Mülheimer Werk Zukunft haben: Eine verkleinerte Stammbelegschaft produziere in der Grundlast, bei Großaufträgen werde diese mit externen Kräften verstärkt. „Das muss nicht Leiharbeit sein“, bleibt Stewing in dieser Frage aber vage.

Eging: „Potenziale sind da“

Ex-Röhrenchef Wolfgang Eging legt derweil Wert auf die Feststellung, dass ein Personalabbau nicht zwingend sei. 20 Millionen Kilometer Rohrleitungen seien derzeit weltweit in der Planung. „Potenziale sind da. Man muss den Kopf nicht in den Sand stecken“, sagt er. Problem nur, so Stewing: Der zersplitterte Weltmarkt kennt viele Konkurrenten, immensen Preisdruck und Überkapazitäten, Regionalmärkte außerhalb Europas, etwa in den USA und Osteuropa, sind abgeschottet, aufgrund des niedrigen Ölpreises werden Pipeline-Investitionen nach wie vor zurückhaltend angegangen. Kein leichtes Marktumfeld, in dem sich Europipe behaupten muss.

 
 

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