Handelsfläche schrumpft erstmals

Andreas Heinrich
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Ohne Lösung für die seit Jahren leerstehende Kaufhof-Immobilie wird aus Sicht des Einzelhandelsverbandes ein Aufschwung für die Schloßstraße sehr schwierig. „In der Banker-Sprache würden wir sagen, der Kaufhof-Standort ist systemrelevant für die ganze Innenstadt“, sagt der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Essen/Mülheim, Marc André Heistermann. Nach wie vor sieht er im Einzelhandel einen hohen Konkurrenzdruck im mittleren Ruhrgebiet.

Der Handel im Ruhrgebiet erlebt aus Sicht der IHK zurzeit eine Trendwende: Angetrieben vor allem durch Schließungen großer Baumarktketten sind die Verkaufsflächen großflächiger Einzelhandelsbetriebe erstmals seit Jahren zurückgegangen. Wie die IHK in ihrer Studie „Handelsreport Ruhr 2014“ ermittelt hat, geraten vor allem Randlagen in den Innenstädten, aber auch ganze Stadtteilzentren immer stärker unter Druck. In Mülheim, so Guido Zakrzewski – stellvertretender Geschäftsführer Handel, Dienstleistungen, International – sei das Problem nicht so groß. Hier falle der Rückgang eher gering aus.

Der Rückgang um rund 32 000 Quadratmeter an Handelsfläche im Ruhrgebiet mag angesichts der Größe des Ballungsraums eher gering erscheinen, so die IHK, deute jedoch auf ein vorläufiges Ende des jahrelangen Flächenwachstums hin. Für Heistermann ist der Wert derzeit eher ein statistischer. „Der Verdrängungswettbewerb ist nach wie vor groß.“ Vor allem beim Blick auf die Möbelbranche sieht der Verbandsgeschäftsführer ein weiter expandierendes Angebot.

Einer der größten Konkurrenten für den stationären Handel bleibt das Internet. „Jeder Einzelhändler muss heute zusehen, dass er zumindest online sichtbar ist“, sagt Heistermann. Dass bereits ein Drittel der Einzelhändler auch E-Commerz betreibe, zeige, dass immer mehr dort versuchten, einen Anteil am Geschäft zu haben. Im Wachstum steckt nach wie vor die Lebensmittelbranche: „Lebensmitteldiscounter und Supermärkte expandieren weiter“, so die IHK.

Von einem zu großen Angebot kann bei den Gewerbeflächen keine Rede sein, dies gilt gerade auch für Mülheim. „Dieses Thema spielt für die Unternehmen in der MEO-Region eine große Rolle: Laut einer Umfrage der IHK beurteilen knapp zwei Drittel der Unternehmen das Angebot an Gewerbeflächen nur mit „befriedigend“ oder schlechter“, so Zakrzewski. In Mülheim bemüht sich die Stadt seit Jahren darum, weitere Flächen zur Verfügung zu stellen und diese zu erschließen. Die Wirtschaftsförderung wies bereits mehrfach auf drohende Engpässe hin. Der neue Stadtrat will sich des Themas Gewerbeflächen verstärkt widmen.